Bergische Ärzte müssen Blut sparen

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WDR 3 Min. 14 Sek. Verfügbar bis 11.03.2028

Hitzestress für Krankenhäuser Bergische Ärzte müssen Blut sparen

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Die Rekordhitze hat die bergischen Krankenhäuser mit voller Wucht getroffen. Ärzte und Pfleger müssen auf breiter Front mit den Folgen kämpfen - zum Wohle ihrer Patienten.

Von Gaby van den Boom

Es fehlt Blut! Die Bestände seien während der Hitzeperiode im Juni im wahrsten Sinne des Wortes abgeschmolzen, erklärt der DRK-Blutspendedienst West. Die Warnung ist bei Oberarzt Tim Lohoff im Klinikum Solingen angekommen. Er koordiniert das Blutlabor vor Ort - und muss jetzt reagieren.

Alle planbaren Operationen, bei denen Blut-Transfusionen eingesetzt werden könnten, müssen ab sofort mit dem Blutdepot abgesprochen werden. "Wir müssen bestmöglich koordinieren, um nicht in die Situation zu kommen, dass wir plötzlich dastehen und keine Konserven für den Patienten haben“, sagt der Arzt. Es könne passieren, dass OPs um ein paar Tage verschoben werden, um die Patientensicherheit zu gewährleisten. Bisher sei das noch nicht der Fall gewesen, aber die Wahrscheinlichkeit steige.

Keine Entwarnung in Sicht

Auch nach einigen deutlich kühleren Tagen kann Stefan Küpper vom DRK Blutspendedienst West keine Entwarnung geben. Er blickt mit Sorge auf die Sommerferien: Traditionell werde da weniger gespendet - zu wenig, um die Bestände aufzufüllen. Bei seltenen Blutgruppen, besonders bei Rhesus negativ, konnten in der Spitze bis zu 40 Prozent der Anforderungen der Kliniken nicht erfüllt werden.

Ein Arzt bekleidet mit weissem Arztkittel steht vor einem Kühlschrank mit Blutkonserven.

Oberarzt Tim Lohoff muss sparsam mit den wertvollen Blutkonserven umgehen

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Oberarzt Tim Lohoff hat Verständnis, dass Menschen bei 40 Grad wenig Lust verspüren, Blut zu spenden. Er weist aber darauf hin, dass jeder in die Lage kommen könnte, plötzlich Blut zu brauchen. Sei es durch einen Unfall, durch ein geplatztes Gefäß oder Blutungen im Magen-Darm-Trakt, erklärt der Mediziner.

"Es kann es jeden treffen und dann ist es gut, wenn man einen Schutzengel hatte, der Blut gespendet hat." Tim Lohoff, Oberarzt

Wie viel Blutarmut ist zumutbar?

Die Aufgabe ist also klar: Blut sparen, wo es nur geht. "Wir gucken immer, wie viel Blutarmut können wir den Patienten zumuten, und das wird letzten Jahren immer progressiver. Der Wert wird immer weiter runtergesetzt. Einem jungen Patienten, der gesund ist, kann man sicherlich mehr Blutarmut zumuten als einem älteren Herrn, der schon drei Herzinfarkte hinter sich hat", erklärt Tim Lohoff.

Außerdem sei man im Klinikum bemüht, das bei Operationen anfallende Blut wieder aufzufangen und den Patienten wieder zuzuführen. Das sei auch für die Patienten gut, weil keine Reaktionen auf Fremdblut drohten. Um wenigstens für ein klein bisschen Entlastung zu sorgen, plant das Solinger Klinikum für August eine Blutspendeaktion für alle Mitarbeiter.

Hitzerekorde: 43 Grad Körpertemperatur

Rekordhitze - das brachte Patienten und Personal in allen Kliniken an bisher nie dagewesene Grenzen. "Stress in der Notaufnahme ist ja normal, aber was während der Hitzewelle auf uns zugerollt ist, das habe ich noch nie erlebt," sagt Neciye Kilinc, Pflegeleiterin im Wuppertaler Bethesda Krankenhaus.

Eine Gesundheitspflegerin im blauen Kasack steht in einem OP-Saal.

Sonja Sharifi gibt Kühlinfusionen

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Patienten mit Körpertemperaturen bis zu 43 Grad kamen sozusagen am Fließband. Glück im Unglück: Die neue Notambulanz ist klimatisiert, auch die Wartebereiche. Die Patienten wollten gar nicht mehr raus, erzählen die Pfleger.

Mit Kühldecken und sogar Kühlinfusionen haben sie die Patienten auf normale Körpertemperaturen abgekühlt. "Es waren alle Altersgruppen betroffen", erzählt Pflegerin Sonja Sharifi, "sie kamen aus aufgeheizten Wohnungen, vom Arbeitsplatz, von der Baustelle, es war unfassbar.“ Gegenseitig ermahnten sich die Pflegekräfte, genug zu trinken, damit sie nicht als Nächste zusammenbrechen. Als Team hätten sie funktioniert.

Eine Gesundheitspflegerin im blauen Kasack steht an einem Krankenbett in dem eine Patientin liegt und mit einem grünen Tuch bedeckt ist.

Necmiye Kilinc kühlt Patienten ab

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"Die Situation hat mich schon erschreckt, ich hatte Bedenken. Okay, was kommt da auf uns zu? Eine Vorstellung hatte ich nicht. Wir haben’s einfach drauf ankommen lassen." Necmiye Kilinc, Leiterin Zentrale Notaufnahme Bethesda

Klimatisierte Patientenzimmer Mangelware

Die Entwicklung von Hitzeschutzmaßnahmen hat für die Geschäftsleitung des Wuppertaler Bethesda Krankenhauses inzwischen oberste Priorität. Ein Hitze-Guide soll künftig die Sicherheit der Patienten gewährleisten. Ventilatoren, Kühldecken und Wassereis werden bereitgestellt; an den Fenstern wurden Hitzeschutzfolien und Beschattungen angebracht. Immerhin einige klimatisierte Zimmer stünden zur Verfügung. Bei allen Neu- und Umbauten seien Klimaanlagen und Wärmedämmung inzwischen feste Bestandteile.

Im Städtischen Klinikum Solingen wartet man auf den für 2030 geplanten Umzug in den Neubau - denn der ist dann voll klimatisiert. So lange heißt es: durchhalten. Und für die Pfleger: neue Tätigkeiten - wie etwa Kühldecken, Coolpacks und Ventilatoren in aufgeheizten Patientenzimmern verteilen.

Unsere Quellen:

  • Klinikum Solingen
  • Agaplesion Bethesda Krankenhaus Wuppertal
  • DRK-Blutspendedienst West
  • Reporterin vor Ort

Hitzestress: Ärzte müssen Blut sparen

WDR 17.07.2026 51 Sek. Verfügbar bis 16.07.2028

Sendung: WDR.de, Hitzestress für Krankenhäuser, 17.07.2026, 05:02 Uhr

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