Leben retten bei 35 Grad: Wie Kliniken kämpfen
WDR. 03:17 Min.. Verfügbar bis 13.07.2028.
Leben retten bei 35 Grad im Schockraum : Wie Kliniken mit Hitze kämpfen
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Überfüllte Notaufnahmen und Patienten mit lebensgefährlich hohen Körpertemperaturen - und dazu Behandlungsräume, die nicht gekühlt werden können: Die jüngste Hitzewelle hat Krankenhäuser in der Region an ihre Belastungsgrenze gebracht. Mediziner fordern bessere Vorbereitung auf künftige Hitzewellen.
Draußen flimmert die Luft über dem Asphalt, drinnen kämpfen Ärztinnen und Ärzte um Leben und gegen die Folgen der Hitze. Während das Thermometer im Schockraum mit weit über 30 Grad fast dieselben Temperaturen zeigt wie vor der Tür, versuchen Mitarbeitende, einen Patienten mit einer lebensgefährlichen Körpertemperatur von 42,7 Grad herunterzukühlen. Für das Personal ist die jüngste Hitzewelle eine Belastungsprobe – körperlich und emotional.
Hitze fordert Menschenleben
Die Notaufnahme des St.-Antonius-Hospitals in Eschweiler erlebt Tage, die selbst erfahrene Mediziner nicht vergessen werden. Vor allem ältere und chronisch kranke Menschen werden mit schweren Hitzefolgen eingeliefert. Doch auch junge Menschen kollabieren, nachdem sie sich zu lange der Sonne ausgesetzt haben. Die Zahl der Notfälle steigt deutlich. Wie dramatisch die Lage war, beschreibt Thorsten Mülly, Notfallmediziner am St.-Antonius-Hospital, mit einem Satz, der hängen bleibt:
"Wir hatten hier im Krankenhaus definitiv viel mehr Tote zu verzeichnen, sodass sogar die Kapazitäten, um die Toten zu kühlen, erschöpft worden waren." Thorsten Mülly,
Notfallmediziner St.-Antonius-Hospital
Mitarbeitende am Ende ihrer Kraft
Die Hitze fordert ihren Tribut – nicht nur auf den Intensivstationen, sondern im gesamten Krankenhaus. Dabei arbeitet das Personal selbst unter Bedingungen, die kaum auszuhalten sind.
Torsten Mülly kämpfet mit seinen Kollegen gegen die Hitzewelle
Zusätzliche Notfälle, überfüllte Behandlungsräume und die Hitze bringen die Teams an ihre Grenzen. Schon kurz nach Schichtbeginn läuft vielen der Schweiß über das Gesicht. Trotzdem versorgen sie Patientinnen und Patienten im Minutentakt – konzentriert, routiniert und unter enormem Druck.
Intensivmediziner Uwe Janssens fordert Untersützung bei Hitzewellen.
Vor den Türen des Krankenhauses steigt die Temperatur auf mehr als 37 Grad im Schatten.
"Das kann ein Körper nicht stemmen. Da versagen alle Stoffwechselvorgänge. Und das haben wir ja auch erlebt – bis hin zu Todesfällen sowohl hier im Haus als auch bei Patienten, die draußen verstorben sind", sagt Intensivmediziner Prof. Uwe Janssens.
Kliniken sind auf Hitze nicht vorbereitet
Dabei ist das Krankenhaus in Eschweiler kein Einzelfall. Viele Kliniken in der Region, aber auch in ganz Nordrhein-Westfalen, verfügen bis heute nicht über ausreichend klimatisierte Bereiche. "Wir sind überhaupt nicht auf solche Hitzewellen vorbereitet", sagt Janssens. "Da hat man 20 Jahre lang wirklich geschlafen. Da gibt es einen Riesenbedarf."
Krankenhäuser brauchen Unterstützung
Die jüngste Hitzewelle mit Spitzentemperaturen um die 40 Grad Celsius ist vorbei. Für Prof. Uwe Janssens ist sie aber vor allem ein Vorgeschmack auf das, was Krankenhäuser künftig häufiger erleben werden. Gemeinsam mit Fachgesellschaften arbeitet er deshalb an Konzepten für kommende Hitzewellen. Denn eines sei sicher: "Die nächsten Sommer werden definitiv nicht kühler."
Damit Ärztinnen, Ärzte und Pflegekräfte ihre Patientinnen und Patienten auch dann versorgen können, brauche es endlich mehr Unterstützung. Janssens richtet seinen Appell deshalb auch an die Politik: "Wo ist die Empathie der Politik, die zumindest sagt: Wir finden toll, was ihr gemacht habt. Wir werden euch in Zukunft besser unterstützen."
Unsere Quellen:
- Eindrücke der WDR-Reporterin im St.-Antonius-Hospitals in Eschweiler
- WDR-Gespräch mit Notfallmedizinier Thorsten Mülly
- WDR-Gespräch mit Chefarzt Uwe Jannsens
Sendung: WDR.de, Leben retten bei 35 Grad: Wie Kliniken kämpfen, 13.07.2026, 14:40 Uhr
