Anschlag auf Synagoge in Wuppertal | Video
Bildquelle: WDRWDR. 20 Sek.. Verfügbar bis 17.09.2028.
Schock, Entsetzen, Anteilnahme: Das ist der Kern vieler Botschaften, die seit der Attacke an die Jüdische Kultusgemeinde in Wuppertal gerichtet sind. Josef Schuster, Präsident des Zentralrats der Juden, sagte, der Zeitpunkt des Anschlags sei nicht zufällig gewählt. In drei Tagen beginnt der höchste jüdische Feiertag Jom Kippur.
"Was mich zutiefst verstört, ist die Seelenruhe, mit welcher der Täter in Wuppertal diesen Anschlag am helllichten Tag durchgeführt hat. Von Unrechtsbewusstsein oder Scham fehlt jede Spur. Dieses Vorgehen bezeugt die fortschreitende Normalisierung des Judenhasses, auf die unsere Gesellschaft bisher keine Antwort gefunden hat." Josef Schuster, Präsident des Zentralrats der Juden
Viele Reaktionen auch aus der Lokalpolitik im Bergischen Land
Auch aus der Lokalpolitik kamen Reaktionen zum Anschlag auf die Wuppertaler Synagoge. Die Solinger CDU reagiert bestürzt. Noch am Mittwoch sei man bei der Jüdischen Kultusgemeinde zu Gast gewesen und habe einen "friedlichen, herzlichen Abend erlebt". Die Solinger CDU verurteile den Brandanschlag aufs Schärfste und spreche der Gemeinde die uneingeschränkte Solidarität aus.
Spontane Mahnwache vor der Neuen Synagoge in Wuppertal-Barmen
Bildquelle: WDR/Klaus WeissAm Donnerstagabend versammelten sich rund 30 Menschen, darunter Vertreter vieler Parteien und Glaubensrichtungen, zu einer spontanen Mahnwache am Tatort. Solche Aktionen sind auch für heute Vormittag im Wuppertaler Stadtteil Barmen geplant.
"Man kann nicht völlig überrascht sein, weil wir eine Menge von antisemitischen Taten haben in ganz Deutschland. Aber dass es hier in Wuppertal passiert und wieder passiert, das macht mich sprachlos. Und auch wirklich wütend und fassungslos." Helge Lindh, SPD-Bundestagsabgeordneter
Dilek Engin, SPD Wuppertal (links), und Helge Lindh, SPD-Bundestagsabgeordneter (Mitte)
Bildquelle: WDR/Klaus WeissErinnerung an früheren Brandanschlag auf Wuppertaler Synagoge
Einen ähnlichen Anschlag mit selbstgebauten Brandsätzen auf die Synagoge hatte es schon vor zwölf Jahren gegeben. Auch damals waren die Schäden gering. Die Täter, drei junge Palästinenser, wurden unter anderem wegen versuchter schwerer Brandstiftung zu Haftstrafen verurteilt.
Im WDR-Interview äußerte sich auch Ruth Yael Tutzinger. Sie ist Ehrenvorsitzende der Jüdischen Kultusgemeinde in Wuppertal. Die 95 Jahre alte Jüdin spürt auch einen erneut wachsenden Antisemitismus in der Stadt.
"Bei mir melden sich natürlich die Bilder von damals. Ich war ja immerhin, als der Zweite Weltkrieg aus war, 13 Jahre alt. Also ich wusste schon, was Sache war." Ruth Yael Tutzinger, Ehrenvorsitzende der Jüdischen Kultusgemeinde in Wuppertal
Immer mehr Hass auf Juden
Im Gespräch mit dem WDR kämpft Ruth Yael Tutzinger mit den Tränen. Sie berichtet von einem immer größer werdenden Hass auf Juden. Es gäbe viele Anfeindungen von Menschen, die überhaupt keine Juden kennen würden.
"Es gibt Holocaust-Überlebende, die Morddrohungen bekommen. Ich frage mich: Welche Irren sind da unterwegs? Das ist schon erschreckend. Mich nimmt das alles sehr mit." Ruth Yael Tutzinger, Ehrenvorsitzende der Jüdischen Kultusgemeinde in Wuppertal
Wuppertaler Synagoge wird rund um die Uhr bewacht
Nach ersten Ermittlungen soll ein 37-jähriger Verdächtiger afghanischer Herkunft versucht haben, ein Feuer an einem Nebeneingang der Synagoge zu legen. Laut Polizei konnten Mitarbeiter der Synagoge das Feuer schnell löschen, der Sachschaden sei gering.
Die Synagoge wird praktisch rund um die Uhr von Polizeibeamten bewacht, möglicherweise konnte deshalb der Verdächtige schnell ausgemacht werden. Einzelheiten zum mutmaßlichen Täter will die Polizei im Laufe des Tages bekanntgeben.
Brandanschlag auf Synagoge in Wuppertal
Bildquelle: WDRWDR. 41 Sek.. Verfügbar bis 17.09.2028.
Außerdem sucht die Polizei nach zwei jungen Fragen, die sich zum Tatzeitpunkt in der Nähe der Synagoge aufgehalten haben. Weitere Zeugen, die Hinweise auf den Tatverlauf geben könnten, bitten die Ermittler, sich zu melden.
Unsere Quellen:
- Nachrichtenagentur KNA
- Polizei Wuppertal
- Jüdische Kultusgemeinde Wuppertal
- WDR-Reporter vor Ort
- WDR-Interview mit Ruth Yael Tutzinger
Sendung: WDR.de, Mann warf Beutel mit brennbarer Flüssigkeit gegen Synagoge, 17.09.2026, 18:15 Uhr