Es ist kurz nach Mitternacht. Fatih Özdemir dreht wieder eine Runde durch das Dreh- und Fräszentrum. Hier stehen an die zwanzig Hightech-Maschinen. Sie drehen und fräsen vollautomatisiert aus langen Edelstahlstangen präzise Kleinstteile.
Diese werden später zu Steckschlüsselsätzen oder Hightech-Drehmomentschlüsseln zusammenmontiert. Özdemir misst penibel nach, dass die Teile auch korrekt sind und die Maschinen tun, was sie sollen.
Stolz auf den Job im Traditionsbetrieb
Özdemir ist 44 Jahre alt. Seit 26 Jahren arbeitet er bei Stahlwille, mehr als die Hälfte seines Lebens. Er hat hier schon seine Ausbildung gemacht. Woanders arbeiten will er nicht. Wenn er erzählt, dass er bei Stahlwille beschäftigt ist, fragen die Leute oft nach: Sind das nicht die mit den Knarren und Drehmomentschlüsseln?
Das macht ihn schon stolz, sagt der gelernte Zerspanungsmechaniker. Das Team sei gut, der Zusammenhalt groß. "Wenn es nicht so cool wäre, wäre ich ja nicht hier", sagt er. Alle drei Wochen wechselt Özdemir in die Nachtschicht.
Zwischen Nachtschicht und Familienleben
Die erste Nachtschicht beginnt Sonntag um 22 Uhr. Die letzte endet Samstag um 6 Uhr. Vor allem am Anfang sei es schwer, sagt er. Trotzdem macht der 44-Jährige die Schichten, auch wegen der Nachtzuschläge.
"Wenn man ehrlich ist, ist das Schmerzensgeld." Fatih Özdemir, Zerspanungsmechaniker
Özdemir hat Familie, zwei Jungs. Mit denen will er auch Zeit verbringen und sie sollen etwas von ihrem Vater haben. Auch in den Nachtschicht-Wochen. "Tagsüber lange schlafen ist nicht", sagt Özdemir. Er legt sich nach der Schicht morgens für zwei, drei Stunden hin. Abends dann nochmal. "Für die Psyche", sagt er und lacht.
Werkzeugindustrie in NRW weltweit angesehen
Werkzeug-Firmen, die heute noch in NRW produzieren, gibt es nicht mehr viele. Die Personalkosten sind hoch. Stahlwille hat deshalb auf eine Modernisierung des Maschinenparks gesetzt.
Werkzeug-Weltmarken aus NRW
Die Werkzeugindustrie in NRW gilt als weltweit anerkanntes Zentrum für Metall- und Präzisionswerkzeugbau. Die Branche konzentriert sich vor allem auf das bergische Städtedreieck Wuppertal - Solingen - Remscheid.
150 Werkzeugunternehmen sind im Fachverband Werkzeugindustrie (FWI) organisiert. Der FWI hat seinen Sitz in Remscheid.
Ebenfalls in Remscheid befindet sich die Forschungsgemeinschaft Werkzeuge und Werkstoffe. NRW und EU fördern dort mit mehr als fünf Millionen Euro den Aufbau des sogenannten "Tool Lab NRW".
Damit sich die Investition rentiert, müssen die Anlagen auch nachts laufen und das fehlerfrei. Hier kommen Özdemir und seine Kollegen aus der Nachtschicht ins Spiel. Auch wenn die Maschinen noch so automatisiert sind, eine Kontrolle durch Menschen wie Fatih Özdemir ist unerlässlich.
Alle Beiträge aus dieser Serie:
Unsere Quellen:
- Eindrücke des WDR-Reporters vor Ort
- Interview mit Fatih Özdemir
- Informationen von Stahlwille GmbH
Sendung: WDR.de, So tickt NRW - 0 Uhr: Fatih Özdemir bei der Nachtschicht in Wuppertal, 03.08.2026, 12:02 Uhr