Ein Anruf, eine Diagnose, eine neue Situation: Wenn Eltern, Partner oder andere Angehörige plötzlich Pflege brauchen, verändert sich für viele Familien alles.
Neben der Sorge um den Menschen kommen ganz praktische Fragen: Welche Unterstützung gibt es? Wer hilft bei Anträgen? Und wie lässt sich die Pflege organisieren, ohne selbst überlastet zu werden? Ein neues digitales System soll künftig früher unterstützen. Der Oberbergische Kreis ist eine von zwei Pilotregionen für das bundesweit angelegte Projekt TeReS. Auch in Köln-Rodenkirchen wir die App getestet.
App und Künstliche Intelligenz sollen helfen
TeReS verbindet eine App für pflegende Angehörige mit einem KI-gestützten Beratungstool für Pflegeberatungsstellen. Seit dieser Woche wird das neue System in Köln-Rodenkirchen im Oberbergischen Kreis und erprobt. Zunächst beteiligen sich dort die Beratungsstellen in Bergneustadt, Gummersbach und Lindlar an dem Projekt, in Köln ist es die Seniorenberatung des ASB im Bezirk Rodenkirchen.
Nutzen können die digitale Unterstützung aber alle Bürgerinnen und Bürger die in Rodenkirchen oder 13 Städten und Gemeinden des Oberbergischen Kreises einen Angehörigen zuhause unterstützen oder pflegen. Über die App können sie ihre persönliche Pflegesituation einschätzen und passende Hilfsangebote finden.
Die Zielgruppe für KI-gestützte Angebote wächst
Pflegende Angehörige und ihre Belastungen sind in den letzten Jahren zum Glück zunehmend in den Blick geraten, die Zielgruppe wächst.
"TeReS schlägt hier sozuagen zwei Fliegen mit einer Klappe: Zum einen können Bürgerinnen und Bürger Unterstützung erhalten über Informationen und regionale Pflegeangebote und zum anderen werden auch die Beratenden entlastet, indem sie KI-basiert unterstützt werden in der Bearbeitung dieser Anfragen." Johanna Elfering, Gesundheitsregion KölnBonn e.V.
Beratung bleibt Aufgabe der Menschen
Die App ersetzt jedoch keine persönliche Beratung. Die anonym übermittelten Informationen helfen den Fachkräften lediglich dabei, den Unterstützungsbedarf schneller zu strukturieren und passende regionale Angebote vorzuschlagen.
"Digitale Technologien können die persönliche Beratung nicht ersetzen, aber sinnvoll ergänzen", sagt Christine Prinz, fachliche Koordinatorin der Senioren- und Pflegeberatungsstellen des Oberbergischen Kreises. Ziel sei es, Beratungsstellen zu entlasten und den Zugang zu Hilfe einfacher zu machen.
Immer mehr Menschen brauchen Unterstützung
Der Bedarf wächst: In Nordrhein-Westfalen lebten 2024 rund 1,39 Millionen pflegebedürftige Menschen. Etwa 87 Prozent von ihnen werden zu Hause versorgt - häufig mit Unterstützung von Angehörigen. Viele Familien übernehmen diese Aufgabe zunächst allein und suchen oft erst Hilfe, wenn die Belastung groß geworden ist. TeReS soll deshalb früher ansetzen.
Wissenschaft begleitet den Test
Ob die digitale Unterstützung im Alltag tatsächlich hilft, untersucht das Institut für Pflegewissenschaft der Universität zu Köln wissenschaftlich. Noch ist das System ein Pilotprojekt. Die Erfahrungen aus Oberberg sollen zeigen, ob digitale Unterstützung künftig auch in anderen Regionen ein fester Bestandteil der Pflegeberatung werden kann.
Unsere Quellen:
- Beobachtungen des WDR-Reporters vor Ort
- Gesundheitsregion KölnBonn e.V.
- Oberbergischer Kreis
Sendung: WDR.de, Oberberg will mit KI pflegende Angehörige unterstützen, 01.08.2026, 05:03 Uhr
