Mehr als 300 Schulleitungen fehlen in ganz NRW
Bildquelle: WDR / Petra DierksWDR. 7 Min. 18 Sek.. Verfügbar bis 10.09.2028.
Das Wichtigste in Kürze
- Insgesamt 341 Schulleitungsstellen sind in NRW unbesetzt
- Viele Lehrkräfte finden die Bezahlung von Schulleitern nicht angemessen
- Das Schulministerium will die Rahmenbedingungen jetzt verbessern
Wenn Lehrer Stefan Berghaus vor seiner Klasse steht, geht ihm das Herz auf: "Das ist es, was ich immer wollte." Der 58-Jährige ist seit mehr als zwei Jahrzehnten als Lehrer an der Gemeinschaftsgrundschule Stadt in Radevormwald, viele Jahre davon als Konrektor. Aber die komplette Schulleitung? Nein, danke!
Alles gleichzeitig: Klassenlehrer, Konrektor und kommissarische Leitung
Drei Mal musste er in dieser Zeit die Leitung einer Schule kommissarisch übernehmen. Beim ersten Mal war es die Nachbarschule. Damals hatte ihn die Schulrätin gefragt, ob er kommissarisch die Leitung übernehmen könne - zusätzlich zu seiner Funktion als Konrektor und Klassenlehrer. "Ich habe mich völlig selbst überschätzt", erinnert sich Berghaus. "Als Adler gestartet und als Suppenhuhn gelandet", scherzt er. Drei Monate hielt er es aus, dann zog er die Notbremse: "Ich war total platt."
Schulministerium will unterstützen
Mit diesem Problem steht die Gemeinschaftsgrundschule Stadt in Radevormwald nicht alleine da. Auch an anderen Schulformen in ganz NRW fehlen die Leitungen. Besonders an Haupt- und Förderschulen, aber auch an Gymnasien. Insgesamt sind 341 Schulleitungsstellen in NRW unbesetzt.
Aus dem nordrhein-westfälischen Schulministerium hieß es dazu, man wolle die bürokratischen Abläufe überprüfen, Verwaltungsaufwand reduzieren und die Rahmenbedingungen für Schulleitungen sowie Lehrkräfte verbessern. Ministerin Dorothee Feller hat dazu die AG Schulleitung ins Leben gerufen.
Problem Bezahlung?
Stefan Berghaus sieht das Problem auch in der Bezahlung - diese stehe in keinem Verhältnis zum Aufwand. Zwar sind Grundschullehrkräfte seit dem 1. August 2026 eine Besoldungsstufe von A12 auf A13 hochgestuft worden - die kommissarische Leitung bedeutet jedoch nur einen minimalen Zuschlag.
Selbst richtige Schulleitungen, die mit A14 noch eine Stufe höher besoldet werden, bekommen erst ab einer Schulgröße von mehr als 360 Kindern einen Zuschlag - viele Lehrkräfte finden die Bezahlung nicht angemessen für das, was Schulleitungen leisten müssen. Die Folge: Schulleitungsstellen bleiben unbesetzt.
Lehrer und Schüler leiden unter fehlender Leitung
Bildquelle: WDR / Petra DierksNachfolge eigentlich klar geregelt
Dabei ist die Nachfolge klar geregelt: Wenn Schulleitungen in den Ruhestand gehen, versetzt werden oder aus anderen Gründen aufhören, rücken die Konrektoren in der Regel nach - wenn es denn welche gibt. Wenn nicht, springt die dienstälteste Lehrkraft ein. Ist die Stelle langfristig nicht zu besetzen, setzt die zuständigen Bezirksregierung eine offizielle kommissarische Leitung ein - eine Lehrkraft derselben Schule oder die Schulleitung einer benachbarten Schule. Oft übernehmen auch Schulleitungsteams die Führung - wenn sich niemand anderes findet. Allerdings gibt es immer weniger Bewerber. Oft sind Stellen Monate oder Jahre vakant.
Gute Aussichten für Grundschule in Radevormwald
Ein solches Schulleitungsteam, rund um Stefan Berghaus, hat zuletzt auch die Leitung an der GGS Stadt in Radevormwald übernommen. Denn wie immer, wenn eine Schulleitung ging - war Berghaus da und hat übernommen. "Aber ich bin total toll von meinem Kollegium an der Schule unterstützt worden", erzählt er. Und für ihn heißt es endlich auch einmal Aufatmen: An seiner Schule hat sich ein neuer Schulleiter beworben: "Und der wird’s wohl auch werden", freut sich Berghaus.
Schulleitungsteam leitet aktuell GGS Stadt in Radevormwald
Bildquelle: WDR / Petra DierksUnsere Quellen:
- Eindrücke der WDR-Reporterin vor Ort an der GGS Stadt Radevormwald
- Interview mit Lehrer Stefan Berghaus
- Schulministerium NRW
- Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft
Sendung: WDR Fernsehen, Lokalzeit Bergisches Land, 10.09.2026, 19:30 Uhr
