Heizöltanker vor Wohngebäude

Immer mehr Wuppertaler müssen sich entscheiden Tanken oder Essen?

Stand:

Täglich neue Rekordpreise an den Tankstellen. Auch Gas und Heizöl werden teurer. Viele Bürger geraten in Finanzprobleme. Laut Schuldnerberatung der Diakonie in Wuppertal kommen ärmere Familien in Entscheidungsnot.

Von
Eine Frau mit blonden Haaren lächelt in die Kamera.
Cara Emilia Dühr
und
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Malte Linde

"Setzen Sie sich erstmal hin“. Der Heizölhändler hat keine gute Nachrichten für die Kunden am Telefon. "Die sind natürlich nicht glücklich, dass das Heizöl im Moment so teuer ist“, sagt Marc Sondermann. Normalerweise sind die Öltanks um diese Jahreszeit längst gefüllt. In diesem Jahr nicht. Das Heizöl war im Frühjahr schon relativ teuer. "Viele Kunden haben gedacht, fahren wir erstmal in die Sommerferien und gucken dann weiter."

Ebbe im Tank

Marc Sondermann

Heizölhändler Marc Sondermann hat solche Preise noch nicht erlebt

Bildquelle: WDR / Malte Linde

Die Tanks sind leer, so leer, wie nie, sagt Heizölhändler Marc Sondermann. Und die Kosten steigern weiter. Im Moment gibt es noch genug Öl, auch wenn die Preise stark gestiegen sind. Aber die durch die internationale Lage schwierige Versorgungslage kann sich auch weiter verschlechtern. "Wenn es kalt wird im Winter, kann es natürlich sein, dass es dann schwierig wird".

Preise steigen weiter

Bei Ralf Günther werden die Tanks gerade voll gemacht. Auch er hatte auf günstigere Preise gehofft. Aber geht jetzt auf Nummer sicher. "Die Krise verschärft sich und es ist anzunehmen, dass die Preise in den nächsten Monaten noch sehr viel weiter steigen.“ Für Ralf Günther ist das ein Ärgernis, immer mehr Menschen werden durch die steigenden Energiekosten in die Armut getrieben.

Jede Tankfüllung tut weh

Auch die Preise an den Tankstellen belasten sehr. Autofahrer überlegen zur Zeit genau, ob und wann sie tanken. Kurz vor Mittag bildet sich eine lange Schlange an einer Tankstelle in Radevormwald. "Vor 12 ist die Stimmung besser, als nach 12", sagt Tankstellenbesitzerin Pia Marra. Um Punkt 12 Uhr werden die Preise angehoben. "Die Kunden sind sehr unzufrieden. Es wird weniger getankt - viel, viel, viel weniger", so die Tankstellenbesitzerin. Angelika Tacke aus Dalerau schränkt sich täglich ein, um sich die steigenden Spritpreise noch leisten zu können.

Katastrophe! Ich warte immer bis zum Ende, bis das Auto fast leer ist. Weil ich immer denke, die Preise gehen wieder runter. Angelika Tacke, Kundin
Automechaniker Paul Rill bei der Arbeit

Paul Rill überlegt jeden Tag, ob er das Auto nutzen soll

Bildquelle: WDR / Cara Emilia Dühr

Das tun sie aber nur selten. Paul Rill pendelt jeden Tag circa 60 Kilometer zu seiner Arbeit in einer Autowerkstatt in Radevormwald. Auch ihm machen die steigenden Spritkosten täglich zu schaffen: "Man überlegt schon, wenn man jetzt privat fährt: Muss das jetzt sein?".

Strom oder Lebensmittel

Anke Lichte

Anke Lichte Schuldnerberaterin der Diakonie hofft auf staatliche Unterstützung

Bildquelle: WDR / Malte Linde

Mit dem Ausbruch der internationalen Krisen sind Anfragen bei den Schuldnerberatungsstellen in die Höhe geschossen. Und viele Menschen stehen vor schwierigen Entscheidungen. "Zahle ich den Strom oder zahle ich Lebensmittel oder Medikamente.“ Anke Lichte von der Schuldnerberatung der Diakonie in Wuppertal hat viel mit Menschen zu tun, die mit den gestiegenen Preisen an den Rand ihrer Existenz getrieben werden. Sie hofft, dass Unterstützung vom Staat kommt, in welcher Form auch immer.

Tanken oder Essen?

WDR 15.09.2026 50 Sek. Verfügbar bis 14.09.2028 WDR Online

Quellen:

  • Schuldnerberatung der Diakonie Wuppertal
  • Reporter vor Ort

Sendung: WDR 2, WDR 2 für das Bergische Land, 15.09.2026, 15:31 Uhr

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