Warum Hitler ins Bergische kam

Bildquelle: Nils Meißner

3 Min. 19 Sek. Verfügbar bis 15.09.2028

Die Diktatur auf dem Land Warum Hitler ins Bergische kam

Stand:

Wer hinschaut, findet Geschichten über die NS-Zeit vor der eigenen Haustür. Manfred Huppertz aus Gummersbach erzählt sie.

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Nils Meißner

An diesem Nachmittag tummeln sich mehr Leute als sonst vor dem Gummersbacher Rathaus. Denn in wenigen Minuten startet eine Führung über das wohl dunkelste Kapitel Deutschlands.

Die NS-Zeit spielte nicht nur in Deutschlands Großstädten

Eine Gruppe schaut auf einen Mann

Manfred Huppertz erklärt, wie die Nazis in Gummersbach an die Macht gekommen sind

Bildquelle: Nils Meißner

Manfred Huppertz arbeitet im Gummersbacher Stadtarchiv. Er hat es sich zur Aufgabe gemacht, die NS-Zeit für Menschen greifbarer zu machen und daran zu erinnern, welche Auswirkungen die Diktatur auf Deutschland hatte. Dafür setzt er dort an, wo die Menschen sich am besten auskennen: in ihrer Heimat.

"Wenn man im Fernsehen Dokumentationen sieht über die NS-Zeit, dann spielt das immer in München, Nürnberg, Berlin, manchmal Köln, aber das Oberbergische kommt nicht vor." Manfred Huppertz
Stadtarchiv Gummersbach

Wie hat sich der Nationalsozialismus im Oberbergischen geäußert? Das fragen sich die Besucher, die kurz vor Beginn der Führung darauf warten, dass Huppertz loslegt. Sie wollen mehr über die NS-Zeit erfahren und durch den Bezug zur eigenen Heimat Zusammenhänge besser verstehen.

Detlef Schildbach vor einer Gruppe Menschen
"Ich freue mich darauf, über den Nationalsozialismus in Gummersbach mehr zu lernen. Als ich Jugendlicher war, hat man da nicht viel drüber gesagt, da war das ein Tabu-Thema." Detlef Schildbach

Führung durch die Vergangenheit - quer durch Gummersbach

Dann geht es los: Zehn Stationen hat Manfred Huppertz für die Führung vorbereitet. Viele davon hat er selbst recherchiert.

Vorbei an alten Denkmälern geht es schon bald zum Gemeindehaus in Gummersbach. Huppertz erklärt, dass die NSDAP die großen Räumlichkeiten damals für ihre Zwecke verwendete: „Da haben nicht nur kirchliche, sondern auch politische Veranstaltungen stattgefunden. Und die NSDAP hat gerade in den Anfangsjahren dieses Gemeindehaus oft für ihre Veranstaltungen genutzt.“

Altes Gemeindehaus in Gummersbach

Altes Gemeindehaus in Gummersbach

Bildquelle: Stadtarchiv Gummersbach

Vom Gemeindehaus geht die Gruppe etwa zwei Minuten bis in die Innenstadt. Die nächste Station lässt einige Teilnehmer mit einem mulmigen Gefühl zurück.

Hitler nutzte die Stadthalle in Gummersbach für seinen Wahlkampf

Wie präsent die NS-Zeit im Oberbergischen wirklich war, zeigt ein Besuch, von dem heute wohl viele nichts mehr wissen. Mit dem Flugzeug kam Hitler 1932 nach Gummersbach. In der Stadthalle hat er vor der Machtergreifung der Nazis eine Wahlkampfrede vor 6.000 Leuten gehalten.

Eintrittskarte Rede Hitler

Die Eintrittskarte für eine Rede Hitlers in Gummersbach

Bildquelle: Stadtarchiv Gummersbach

Huppertz erklärt, dass Hitler das Flugzeug aus taktischen Gründen genutzt hat: "Adolf Hitler nutzte ein komplett neues Verkehrsmittel, nämlich das Flugzeug. Was es ihm ermöglichte, viele Städte hintereinander zu bereisen. Es kam hinzu, dass der Bevölkerung das so vorkam, als wenn Hitler aus den Wolken auf Deutschland herunterkam."

Silviasteht auf der Straße
"Das ist ein merkwürdiges Gefühl, wobei ich das nicht ausgeschlossen habe, weil meine Familie ist hier großgeworden. Man hat viele Geschichten gehört, aber dass er hier gewesen ist, hab ich nicht gewusst." Silvia Corinna-Schmidt

Luftangriff auf Gummersbach im zweiten Weltkrieg

Die letzte Station führt zum ehemaligen Luftschutzbunker direkt am Gummersbacher Bahnhof. Gespannt schauen die Teilnehmer durch die Gitterstäbe, die heute Menschen davon abhalten sollen, die langen Tunnel zu betreten.

Huppertz erklärt, warum der Bunker so nah am Bahnhof gebaut wurde: "Dieser Bunker ist für den Bahnhof gebaut worden Für Bahnreisende. Falls ein Jagdbomber oder Luftangriff erfolgte, konnten die Reisenden aus dem Zug herausgehen und sich in dem Bunker in Sicherheit bringen".

Einen Luftangriff haben die Gummersbacher während des Zweiten Weltkriegs erlebt.

Dass sich die Geschichte niemals wiederholt

Nach zwei Stunden ist die Führung vorbei. Die vielen Geschichten und Details erzählt Huppertz am Ende auch aus einer persönlichen Motivation heraus.

"Das ist das, was ich gegen den aufkommenden Nationalismus und gegen die rechten Tendenzen tun kann. Ich kann zeigen, wie es früher gewesen ist und wie schnell es ging, dass die Nazis eine Diktatur aufgebaut haben." Manfred Huppertz
Stadtarchiv Gummersbach

Digitale Erinnerungskultur

WDR 3 Mosaik 27.01.2026 5 Min. 52 Sek. Verfügbar bis 27.01.2027 WDR 3

Unsere Quellen:

  • NS-Führung Gummersbach
  • Manfred Huppertz
  • Stadtarchiv Gummersbach

SendungWDR.de, "Warum Hitler ins Bergische kam", 16.09.2026, 6:02 Uhr

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