Wermelskirchen: Steuerzahler sollen Krankenhaus retten

WDR 03:18 Min. Verfügbar bis 28.07.2028

Krankenhaus Wermelskirchen Steuerzahler sollen insolvente Klinik retten

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In Wermelskirchen sollen bald die Grundsteuern steigen. Denn nur so könne man das Krankenhaus vor der Schließung retten, sagt der Bürgermeister.

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Julian Piepkorn

"Die Lösung ist alternativlos", meint Wermelskirchens Bürgermeister Bernd Hibst (CDU) nüchtern. Die Grundsteuern müssen rauf, damit das Krankenhaus bleiben kann. So hat es der Rat vor der Sommerpause beschlossen, denn die Kassen der Stadt sind klamm.

Bis zu neun Millionen Euro für die nächsten drei Jahre: So viel Geld kann die Stadt dem Krankenhaus nun geben. Immerhin: Bis zu drei Millionen davon will der Rheinisch-Bergische-Kreis zuschießen. Das Krankenhaus in Wermelskirchen ist in öffentlicher Hand. Zwei Drittel gehören der Stadt, der Rest dem Kreis.

Übernahme oder Privatisierung? In Wermelskirchen gescheitert

Ein Mann im Anzug steht in einem Büro.

Bürgermeister Bernd Hibst sagt: Er müsse die Grundsteuer erhöhen.

Doch gerade die öffentlichen Kliniken stehen unter immensem Druck, sagt Krankenhausdirektor Dietmar Stephan. Die Kosten seien in den vergangenen Jahren immer weiter gestiegen. Schon seit Jahren schreibt das Haus rote Zahlen. Eine Privatisierung oder auch die Übernahme durch das Klinikum Leverkusen scheiterte. Man sei sich bei den Verhandlungen schlichtweg nicht einig geworden, sagt Bürgermeister Bernd Hibst.

Zur Debatte stand demnach, die Notaufnahme in Wermelskirchen zu schließen. Darauf wollte die Stadt nicht eingehen, zu wichtig sei das Krankenhaus für die Region von Burscheid bis Hückeswagen.

Notaufnahme wichtig für Wermelskirchen und Umgebung

Direktor Stephan sagt: Wenn die Klinik schließen müsste, dann bräuchten auch die Krankenwagen deutlich länger bis zur nächsten Notaufnahme. Die Folge: Die Rettungswagen seien länger belegt, die notärztliche Versorgung würde sich verschlechtern.

Doch den Preis für die Rettung müssen nun die Bürger von Wermelskirchen zahlen: Wie hoch genau die Erhöhung der Grundsteuer zum Januar 2027 ausfällt, zeigt sich erst bei den Haushaltsverhandlungen im Herbst.

Mehr als 7.000 Unterschriften für den Erhalt

Wer auf der Straße mit den Menschen aus Wermelskirchen spricht, stellt fest: Viele stehen hinter dem Krankenhaus in Wermelskirchen. Mehr als 7.000 Menschen haben für den Erhalt unterschrieben, online und in den Geschäften der Stadt.

Zwei Männer stehen an einem Verkaufstresen und beugen sich über einen weißen Ordner.

Andreas Müßener (r.) sammelt die Unterschriften ein, wie hier bei Ladeninhaber Mustafa Korkmaz.

Andreas Müßener vom Wählerbündnis "Zukunft Wermelskirchen" hat die Unterschriften seit einem Jahr gesammelt. Er sitzt selbst im Stadtrat und sagt: "Die Grundsteuer zu erhöhen ist immer schmerzhaft." Zumal diese bereits zum Jahresanfang kräftig gestiegen ist. Immerhin, sagt Müßener, sei es im kommenden Jahr dann für den guten zweck: die Rettung des Krankenhauses.

Fallen am Ende doch noch Jobs weg?

Doch das Steuergeld gibt es nur für drei Jahre. Dann soll das Haus wirtschaftlich wieder auf eigenen Beinen stehen. Direktor Dietmar Stephan arbeitet dafür gerade an einem Sanierungskonzept.

Aktuell laufen Gespräche, welche medizinischen Angebote es in Zukunft noch am Krankenhaus geben soll und welche nicht. Auch die Frage, ob nicht doch einige der 450 Jobs am Krankenhaus wegfallen wird derzeit diskutiert. Die Notaufnahme und alle Fachabteilungen sollen aber bleiben, versichert Dietmar Stephan.

Dass ab 2030, wenn das Krankenhaus wirtschaft wieder auf eigenen Beinen stehen soll, die Grundsteuern wieder sinken werden, das will den Wermelskirchenern derzeit aber niemand versprechen.

Unsere Quellen:

  • Ratsbeschluss der Stadt Wermelskirchen / Beschluss des Rheinisch-Bergischen-Kreises
  • WDR-Interviews mit Bernd Hibst, Dietmar Stephan und Andreas Müßener

Sendung: WDR.de, Wermelskirchen: Steuerzahler sollen Krankenhaus retten, 28.07.2026, 05:02 Uhr

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