Mehr als zwei Jahre nach der Explosion an der Konrad-Adenauer-Straße in Solingen gibt es eine neue Entwicklung. Die Staatsanwaltschaft Köln hat Anklage gegen zwei mutmaßliche Hintermänner erhoben. Bei der Explosion am 25. Juni 2024 starb ein 17-Jähriger aus den Niederlanden. Vier weitere Menschen wurden verletzt, darunter ein Kind.
Staatsanwaltschaft sieht zwei mutmaßliche Hintermänner
Einem Beschuldigten wirft die Staatsanwaltschaft Köln unter anderem versuchten Mord und Geiselnahme vor, so Opferanwalt Simon Rampp. Nach Angaben der Ermittler soll er den 17-Jährigen dazu angestiftet haben, eine Sprengstoffexplosion herbeizuführen. Zudem lautet der Vorwurf auf gefährliche Körperverletzung.
Auch gegen einen 26 Jahre alten Mann wurde Anklage erhoben. Ihm wirft die Staatsanwaltschaft laut Rampp ebenfalls Geiselnahme vor.
Ermittler vermuten Verbindung ins Drogenmilieu
Nach bisherigen Erkenntnissen wollte der 17-jährige Niederländer mit der explosiven Flüssigkeit einen Anschlag auf ein Café verüben. Die Explosion ereignete sich jedoch vorzeitig. Dabei setzte sich der Jugendliche selbst in Brand und starb an seinen schweren Verletzungen. Die Spur der Ermittler führte letztlich ins Kölner Drogenmilieu.
„Hier soll es fehlgeschlagene Drogengeschäfte gegeben haben, und da muss ein Streit massiv eskaliert sein. [...] Infolgedessen gab es dann hier verschiedene angeklagte Delikte. Einen Mordversuch, eine Geiselnahme mit einer Lösegeldforderung und die Tat aus Solingen. Hier soll wohl Druck auf einen Inhaber eines Cafés ausgeübt worden sein, und daraufhin soll es diese Beauftragung des Sprengsatzes gegeben haben.“ Simon Rampp, Opferanwalt aus Solingen
Zunächst stand die niederländische Mocro-Mafia im Fokus der Fahnder. Nach Angaben des Opferanwalts Simon Rampp ist die Staatsanwaltschaft inzwischen davon abgerückt. Durch die Explosion wurden vier weitere Menschen verletzt. Sie erlitten unter anderem Splitterverletzungen und Knalltraumata.
Zwei der Opfer vertritt Rampp als Nebenkläger: Einen Vater und seine siebenjährige Tochter, die direkt am Tatort im Auto saßen. "Die Beiden mussten erleben, wie in unmittelbarer Nähe der Sprengsatz explodiert ist, dabei ist der 17-jährige ums Leben gekommen, er ist bei lebendigem Leib verbrannt, über 90% der Haut ist da verbrannt worden und die Beiden mussten diese Tat mitansehen und leiden gerade psychisch bis heute unter dem Erlebten", so Rampp.
Sicherheitsgefühl entwickelt sich teils positiv
Für die Betroffenen am damaligen Tatort, der Konrad-Adenauer-Straße in der Solinger Innenstadt, habe sich seither schon etwas zum Positiven entwickelt, sagt zumindest Dirk Mähler, der Betreiber des Fitnesstudios Temming/Mähler. Damals waren die Fensterscheiben in seinem Studio zerborsten.
"Unsere Mitglieder hier und wir selbst fühlen uns hier wieder wohl, wir haben keine Sicherheitsbedenken oder ein schlechtes Sicherheitsgefühl." Dirk Mähler, Fitnessstudio Temming/Mähler
Man stehe permanent im Austausch mit der Polizei. So hätten Polizei und der Kommunale Ordnungsdienst ihre Präsenz verstärkt, um das Sicherheitsgefühl zu verbessern. "Das lässt sich bestimmt nochmal intensivieren", schlägt Mähler vor. Er habe Verständnis, dass sich andere weniger sicher fühlten, dem könne man so vielleicht noch stärker begegnen, sagt er.
Zwei Jahre nach Sprengstoffanschlag in Solingen
Bildquelle: WDRWDR. 05.08.2026. 00:41 Min.. Verfügbar bis 05.08.2028.
Unsere Quellen:
- Interview mit Opferanwalt Simon Rampp
- Landgericht Köln
- Gespräch mit dem Betreiber des Fitnessstudios TM
Sendung: WDR 2 Bergisches Land, Lokalzeit, 05.08.2026, 16:31 Uhr