Ist teures Trinkwasser ein Standortnachteil für Firmen? BIA-Geschäftsführer Jörg Püttbach aus Solingen sagt genau das. Sein Unternehmen produziert vor allem für die Automobilindustrie und verbraucht dafür sehr viel Wasser. Deswegen wird um jeden Cent gefeilscht. Denn die Kosten für Trinkwasser seien in der Klingenstadt zu hoch.
Vorschläge für ein neues Gebührensystem
Püttbach fordert deshalb, das Solinger Trinkwasserkonzept zu überarbeiten. Bislang zahlt jeder exakt das, was er auch tatsächlich verbraucht. Der Unternehmer appeliert an die Politik stattdessen eine Grundgebühr einzuführen. Also eine fixe Summe, die jeder Haushalt unabhängig von seinem Verbrauch bezahlen muss.
Sein Argument: Ein großer Teil der Kosten für die Wasserversorgung falle unabhängig vom tatsächlichen Verbrauch an. Denn Wartung und Bereitstellung koste immer Geld.
Die hohen Wasserpreise für Unternehmen liegen seiner Meinung nach auch an den Investitionen in Regenrückhaltesysteme. Deren Kosten lege Solingen gleichmäßig auf die Regenwasser- und die Abwassergebühren um. Püttbach fordert, diese Kosten nur über das Regenwasser zu refinanzieren. Unternehmen mit wenig versiegelten Flächen könnten dadurch entlastet werden.
Wasserpreise könnten steigen
Ein solcher Rabatt für Großverbraucher wie seine Firma bedeute aber auch, dass kleine Privathaushalte mehr zahlen müssen. Für mindestens 40.000 Haushalte könnte es dann teurer werden. Denn so viele Haushalte mit nur einer Person oder Alleinerziehenden mit Kindern gibt es laut Stadt in Solingen. Unternehmer Püttbach verteidigt seine Forderung trotzdem:
"Es ist so, dass bei einer geplanten Änderung mit einer moderaten Grundgebühr, aber doch einer gewissen Entlastung des Kubikmeterpreises, schon ein Vier-Personen-Haushalt profitieren würde. Ja, irgendwo muss der Ein-Personen-Haushalt dann mehr bezahlen, aber das ist am Ende ja viel näher an den tatsächlich entstehenden Kosten." Jörg Püttbach, Geschäftsführer BIA
In Solingen wird Trinkwasser ausschließlich über den Verbrauch abgerechnet. Eine Grundgebühr gibt es nicht. Nach Auffassung von Püttbach führt dieses Modell dazu, dass Unternehmen mit hohem Wasserverbrauch vergleichsweise hohe Kosten tragen müssen.
Deutliche Preisunterschiede im Bergischen Land
Nach Angaben des Unternehmens und der Bergischen IHK zahlen Betriebe in Solingen 4,27 Euro pro Kubikmeter Trinkwasser. In Wuppertal liegt der Preis laut BIA bei 2,01 Euro pro Kubikmeter, in Remscheid bei 2,42 Euro. Das Unternehmen bewertet die Unterschiede als Wettbewerbsnachteil für den Standort Solingen.
Stadt Solingen hat Problem erkannt
Püttbach hat sich gemeinsam mit der Industrie- und Handelskammer mit dem Wassergebührenproblem an die Stadt Solingen gewandt. Da hat man das Problem offensichtlich erkannt:
"Die Wassergebühren-Modelle befinden sich (...) derzeit in der Weiterentwicklung. Dazu befinden wir uns unter anderem auch in Gesprächen mit Vertretern der Solinger Wirtschaft." Stadt Solingen
Einer der größten Arbeitgeber in Solingen
BIA beschäftigt am Standort Solingen rund 800 Mitarbeiter und zählt damit zu den größten privaten Arbeitgebern der Stadt. Das Unternehmen beliefert Kunden der Automobilindustrie in Europa, China und Mexiko. Wasser ist ein wichtiger Bestandteil der Produktion in der Kunststofftechnik und Galvanik.
Unternehmen fordert Überprüfung der Gebühren
Nach Ansicht von BIA beeinflussen Wasserkosten die Wettbewerbsfähigkeit von Industriestandorten. Das Unternehmen fordert deshalb eine Überprüfung der Gebührenstruktur in Solingen. Ob und wie die Stadt auf die Vorschläge reagiert, ist derzeit offen.
Wasser kostet Automobilzulieferer richtig viel
Bildquelle: WDR/ mauritiusWDR. 05.08.2026. 00:44 Min.. Verfügbar bis 05.08.2028.
Unsere Quellen:
- WDR Recherchen
- Bergische IHK
- Stadt Solingen
- Interview mit Jörg Püttbach, Geschäftsführer BIA
Sendung: WDR 2 Bergisches Land, Lokalzeit, 05.08.2026, 15:31 Uhr