Drei Tage lang feiert sich der Solinger Stadtteil Ohligs mit dem Dürpelfest. "Dürpel" bezeichnet in der Solinger Mundart den Bürgersteig vor dem Haus.
In diesem Jahr ist bei dem Nachbarschaftsfest vieles anders, denn der Terroranschlag vom vergangenen August ist unvergessen. Ein mutmaßlicher Islamist soll damals drei Menschen mit Messerstichen getötet haben. In der nächsten Woche beginnt der Prozess.
Die Ohligser Fußgängerzone wird zur Festmeile
Bildquelle: WDR / Helge RosenkranzDie Tat geschah bei der 600-Jahr-Feier der Stadt. Lange haben die Organisatoren des Ohligser Festes überlegt, wie sie für die Sicherheit der Besucher sorgen können. Das ist alles andere als einfach. Beim Dürpelfest wird die Ohligser Fußgängerzone zur Festmeile, ein knappes Dutzend Nebenstraßen führt dorthin - und die müssen gesichert und abgesperrt werden. Wichtigste Aufgabe: unbedingt verhindern, dass jemand zum Beispiel mit einem LKW aus einer dieser Nebenstraßen in die Menge fahren kann.
Durchbrechsperren und Kleintransporter im Einsatz
Christoph Fuhrmann ist eigentlich Schatzmeister der Ohligser Werbe- und Interessengemeinschaft, die das Fest organisiert. In diesem Jahr hat er einen besonderen Job: Er ist für die Sicherheit zuständig. Wochenlang hat er geplant: Wo müssen die sogenannten "Durchbrechsperren" hin? Das sind Konstruktionen aus Stahl, die selbst einen schnell fahrenden LKW innerhalb von 15 Metern zum Stehen bringen.
Die Sperren können schon aufgebaut werden, sind aber so mobil, dass zum Beispiel Anwohner mit ihren Autos noch kurz vor dem Beginn des Festes zu ihren Parkplätzen und Garagen gelangen. Erst wenn es losgeht, werden die Durchbrechsperren an den vorgesehenen Stellen platziert.
"Ich hatte schon ein paar schlaflose Nächte und habe überlegt, ob alles so klappt, wie ich mir das vorstelle. Aber ich denke, wir haben alles Nötige getan. Natürlich, absolute Sicherheit können wir nicht garantieren, so ist das leider. Wer damit nicht umgehen kann, der kann das Fest nicht besuchen“, so Christoph Fuhrmann.
Strenge Kontrolle durch Ordnungsamt und Polizei
Für das Stadtfest wurde ein hohes Sicherheitskonzept geplant
Bildquelle: WDR / Helge RosenkranzNicht alle Nebenstraßen sind mit den Sperren abgesichert. An vielen Stellen stehen Kleintransporter mitten auf der Straße. Auch sie sind weit genug entfernt von der Festmeile aufgestellt, sodass ein LKW zumindest in der Theorie nicht bis zu den Menschen durchbrechen kann, die über das Dürpelfest flanieren. Das alles haben die Organisatoren lange durchgeplant.
Aber einen wichtigen Termin gibt es noch, bevor das Fest am Freitagmittag losgehen kann: Die Abnahme. Erst das Solinger Ordnungsamt, dann die Polizei lassen sich alles zeigen und fragen, ob hier ein Kleintransporter als Schutz ausreicht, ob dort noch ein Schlupfloch für mögliche Attentäter ist. "Ich bin schon ein bisschen nervös", sagt Gloria Göllmann, die Projektleiterin des Festes. "Natürlich sind die besonders streng, nach allem, was im August passiert ist. Aber das ist ja auch gut so."
Besucher zeigen Verständnis und wollen feiern
Die Abnahme dauert Stunden und manchmal geht es um Zentimeter. Ist einer der Kleintransporter wirklich so aufgestellt, dass kein Auto mehr durchpasst? Wieder wird rangiert, bis Polizei und Ordnungsamt zufrieden sind. Das nehmen natürlich auch die Leute wahr, die schon am Vormittag durch die Ohligser Fußgängerzone schlendern. "Ist schon viel, aber verständlich nach dem, was im vorigen Jahr passiert ist", so der Tenor. "Aber wir wollen hier vor allem unsere gute Nachbarschaft feiern." Erst nach der erfolgreichen Abnahme kann das Dürpelfest 2025 dann beginnen.
Unsere Quellen:
- WDR-Reporter vor Ort