Hausärzte schlagen Alarm

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Aktuelle Stunde 10.09.2026 29 Min. 3 Sek. UT Verfügbar bis 10.09.2028 WDR Von Cengiz Ünal

Hausärztliche Praxen Unzufriedene Patienten, unzufriedene Wähler

Stand:

Gibt es in Deutschland genügend Hausarzt-Praxen? Der Hausärztinnen- und Hausärzteverband hat rund 5.000 Menschen in Deutschland zu ihrer Zufriedenheit befragen lassen. Demnach sagen bundesweit 44 Prozent der Befragten, dass sich die hausärztliche Versorgung in ihrer Region in den vergangenen Jahren verschlechtert habe.

Hausarzt Sebastian Alsleben behandelt mit seinem Praxisteam in Solingen rund 3.000 Patienten im Quartal. Regelmäßig kommen neue Patienten zu ihm, weil deren langjährige Hausärzte und Hausärztinnen in Rente gehen und sie jemand Neues brauchen. Oder Neuzugezogene finden keinen neuen Hausarzt, weil alle Aufnahmestopp haben. Aber wie viele Patienten und Ärzte ist Alsleben besorgt, dass die hausärztliche Versorgung sich durch das neue Krankenkassengesetz verschlechtern könnte.

Sebastian Alsleben: Hausarzt in Solingen
"Das klingt immer so schön, wir sparen ein, aber letztendlich zahlt dann der Patient oder die Patientin selber!" Sebastian Alsleben, Hausarzt in Solingen

Dabei zählt Solingen zu den Städten, die aktuell noch ganz gut mit Hausärzten aufgestellt sind: Der Versorgungsgrad liegt bei 93 Prozent. Die neue Umfrage des Hausärztinnen- und Hausärzteverbands zeigt, dass in Nordrhein-Westfalen die Unzufriedenheit mit 41 Prozent etwas geringer ist, im Osten Deutschlands höher. So sagen in Sachsen-Anhalt 55 Prozent, dass in ihrer Region Praxen fehlen. In Brandenburg sind es 54 Prozent.

Hausärzte-Verband: Wir sind in den Praxen durchgeschüttelt

Wenn der Hausarzt oder die Hausärztin fehlt, trübt das auch die Wohn- und Lebensqualität: Dieser Aussage stimmt die übergroße Mehrheit (81 Prozent) zu. Deshalb ist es wohl kein Wunder, dass bei gut der Hälfte (51 Prozent) der Befragten die hausärztliche Versorgung darüber mitentscheidet, wo sie bei der nächsten Wahl ihr Kreuz macht. Noch bei der letzten Umfrage vor zwei Jahren haben das 37,5 Prozent gesagt.

Der Co-Bundesvorsitzende des hausärztlichen Verbandes, Markus Blumenthal-Beier, sagt zu den Umfrageergebnissen: "Für die Menschen in unserem Land hat die Sicherstellung der hausärztlichen Versorgung absolute Priorität." Das Thema brauche in der Bundespolitik mehr Aufmerksamkeit: "Wir sind in unseren Praxen durchgeschüttelt, die Situation ist unübersichtlich und es bestehen viele Ängste."

Unzufriedene Patienten, unzufriedene Wähler

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Gut die Hälfte der Befragten (51 Prozent) hält den Plan der Bundesregierung für falsch, dass Arbeitnehmer künftig schon am ersten Tag eine Krankschreibung vorlegen sollen. Die Befürchtung ist, dass das zu einer Überlastung in den Praxen führt. Der Verband der Hausärztinnen und Hausärzte fordert, dass die Pflicht zur Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung schon am ersten Tag nicht von der Politik umgesetzt wird. Das würde die Praxen belasten und nicht dazu führen, dass die Menschen weniger bei der Arbeit fehlen, heißt es vom Verband.

Hausärzte fordern weniger Bürokratie

Die Hausärzte-Vertretung drängt außerdem auf mehr finanzielle Unterstützung für die Praxen. Gerade durch die Reform der Gesetzlichen Krankenkassen fehle den Praxen Geld, wirft der Verband der Bundesregierung vor. Künftig soll es unter anderem nicht mehr für jede Behandlung das volle Honorar von den Kassen geben. Gleichzeitig kämen immer mehr Aufgaben auf die Praxen zu - wie eben die Krankschreibung ab dem ersten Tag. Die Ärzte-Vertreter rechnen damit, dass all das zu längeren Wartezeiten und kürzeren Terminen für die Patienten führt.

Für mehr Zeit mit Patienten ist es aus Sicht des Verbandes unter anderem wichtig, dass die Praxismitarbeiter sich weniger mit Bürokratie rumschlagen müssen - zum Beispiel, wenn es um die Zusammenarbeit mit den Krankenkassen geht. Diese würden mit "unverhältnismäßigen Prüf- und Sanktionsverfahren die Praxen belasten", heißt es.

Frust für Patienten und Ärzte?

Hausarzt Sebastian Alsleben in Solingen fordert, dass er wie jeder Handwerker auch, seine Leistungen bezahlt bekommt. Ansonsten könne er sie nur kostenpflichtig für Selbstzahler anbieten. Und seine medizinische Fachangestellte Claudia Görtz befürchtet, dass die Patienten ihren Frust demnächst am Praxispersonal ablassen könnten, der Ton sei rauer geworden.

Claudia Görtz: Medizinische Fachangestellte in Solingen
"Die Menschen, die über die Finanzierungen entscheiden, sind nicht greifbar für die Patienten. Das wird dann auf unseren Schultern in der Praxis ausgelassen!" Claudia Görtz, medizinische Fachangestellte Solingen

Görtz würde sich wünschen, dass die Menschen, die solche Entscheidungen treffen, "sich wirklich mal an der Front ein Bild davon machen.

Unsere Quellen

  • Hausärztinnen- und Hausärzte-Verband
  • Deutsche Presse-Agentur (dpa)
  • WDR-Reporterin in Hausarztpraxis in Solingen
  • Katholische Nachrichten-Agentur (KNA)

Sendung: WDR Fernsehen, Lokalzeit Bergisches Land, 10.09.2026, 19:30 Uhr

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