Die Müngstener Brücke zählt zu den Suizid-Hotspots in Deutschland. Seit Jahren gibt es Bestrebungen sie sicherer zu machen. Jetzt hat die Deutsche Bahn als Eigentümerin der Brücke ein Pilotprojekt gestartet. Eine neuartige Radaranlage überwacht erstmals den sensiblen Bereich. Sie soll Menschen erkennen, bevor sie die Eisenbahnbrücke betreten - und sofort Hilfe auslösen. Das Pilotprojekt ist bundesweit einmalig.
Radar erkennt Gefahr, bevor sie entsteht
Schon vor Betreten der Brücke werden Fußgänger mit großen Schildern gewarnt. "Achtung Lebensgefahr! Betreten verboten! Dieser Bereich wird von der Polizei überwacht" steht darauf, außerdem zwei Telefonnummern der Telefonseelsorge.
Fabian Christoph von der Bahntochter DB InfraGO zeigt das Warnschild auf der Müngstener Brücke
Bildquelle: DB AG, Dirk PohlmannWer dennoch weitergeht, hört über Lautsprecher eine weitere Warnung. Gleichzeitig informiert das System die Notfallleitstelle der Deutschen Bahn. Zusätzlich soll zeitnah auch automatisch eine Information an Bundespolizei und Feuerwehr rausgehen.
Forschung und Polizei sind mit im Boot
Diese Schutzmaßnahmen hat die Deutsche Bahn gemeinsam mit dem Werner-Felber-Instituts für Suizidprävention und interdisziplinäre Forschung im Gesundheitswesen, dem Polizeipräsidiums Wuppertal sowie der Telefonseelsorge entwickelt. "Wir sammeln jetzt Erfahrungen" sagt Fabian Christoph von der Bahntochter DB InfraGO, die für die Schieneninfrastruktur und damit auch für die Müngstener Brücke tätig ist. Er erhofft sich von dem bundesweiten Pilotprojekt auch Erkenntnisse für andere Standorte.
Bündnis "Suizidprävention Müngstener Brücke" bleibt skeptisch
In den vergangenen Jahren waren Schutzmaßnahmen rund um die Brücke immer wieder Thema. Vor einem Jahr hatte sich eigens das Bündnis "Suizidprävention Müngstener Brücke" gegründet. Darin vertreten sind unter anderem betroffene Angehörige, Wohlfahrts- und Kirchenverbände, die Telefonseelsorge sowie Fachleute der Psychiatrie und Einzelpersonen. Das Bündnis begrüßt die neue Anlage, wünscht sich aber noch weitergehende Maßnahmen, zum Beispiel Auffangnetze ähnlich derer an der Golden Gate Bridge in den USA.
"Geht nicht", sagt die Deutsche Bahn
Solche Auffangnetze seien an der Müngstener Brücke nicht möglich, betont die Deutsche Bahn - vertikal Netze würden aus statischen Gründen nicht funktionieren, bei horizontalen Auffangnetzen könnte der Wartungswagen, wenn die Brücke irgendwo repariert werden muss, nicht mehr fahren.
Hier gibt es Hilfe bei Suizidgedanken
Wer sich mit Suizidgedanken trägt, empfindet seine persönliche Lebenssituation als ausweglos. Doch es gibt eine Fülle an Angeboten zur Hilfe und Selbsthilfe, auch anonym.
Telefonseelsorge
Die Telefonseelsorge ist unter den Rufnummern 0800/111 0 111 und 0800/111 0 222 sowie 116 123 rund um die Uhr erreichbar. Sie berät kostenfrei und in jeder Hinsicht anonym. Der Anruf hier findet sich weder auf Ihrer Telefonrechnung noch im Einzelverbindungsnachweis wieder.
Menschen muslimischen Glaubens können sich an das muslimische Seelsorgetelefon wenden. Es ist ebenfalls kostenfrei und anonym 24 Stunden am Tag unter der Rufnummer 030/44 35 09 821 zu erreichen.
Chat der Telefonseelsorge
Die Telefonseelsorge bietet Betroffenen auch die Möglichkeit an, sich Hilfe per Chat zu holen. Dazu meldet man sich auf deren Webseite an.
E-Mail-Beratung der Telefonseelsorge
Menschen mit Suizidgedanken können sich auch an die E-Mail-Beratung der Telefonseelsorge wenden. Der E-Mail-Verkehr läuft über die Webseite der Telefonseelsorge und ist deshalb nicht in Ihren digitalen Postfächern zu finden.
Anlaufstellen für Opfer von häuslicher Gewalt
Das Hilfetelefon ist anonym, kostenfrei und rund um die Uhr unter 08000 116 016 erreichbar.
Der Weiße Ring bietet ebenfalls einen anonymen Telefondienst unter 116 006 sowie eine Online-Beratung.
Überblick auf Hilfsangebote
Darüber hinaus hat die Deutsche Gesellschaft für Suizidprävention (DGS) zahlreiche Informationen zu Beratungsstellen, Selbsthilfegruppen und sozialpsychiatrischen Diensten aufgelistet, an die sich Suizidgefährdete und Angehörige wenden können, um Hilfe zu erhalten. Entsprechende Informationen finden Sie unter nachfolgendem Link.
Unsere Quellen:
- Deutsche Bahn
- DB InfraGO
- Bündnis "Suizidprävention Müngstener Brücke"
Sendung: WDR 2 Bergisches Land, Lokalzeit, 27.04.2026 8:31 Uhr