Nach Brandanschlag auf Synagoge: Bedrohungsgefühl der Jüdinnen und Juden in Wuppertal

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WDR 2 Min. 40 Sek. Verfügbar bis 18.09.2028

Brandanschlag auf Synagoge Viele Juden sehen keine Zukunft in Wuppertal

Stand:

Obwohl viele Menschen nach dem Brandanschlag bereits ihre Solidarität mit der jüdischen Gemeinde in Wuppertal bekunden, steigen die Sorgen vieler Jüdinnen und Juden vor Bedrohungen und Angriffen im Alltag.

Die Spuren der brennbaren Flüssigkeit sind auch heute noch auf den Stufen vor dem Café an der Synagoge gut erkennbar. Arno Gerlach ist heute zum Ort des gestrigen Brandanschlages gekommen, er hat die Nachricht noch nicht ganz verdaut. Als Vorsitzender des Freundeskreises Beer Sheva e.V. kümmert er sich um die Städtepartnerschaft von Wuppertal mit dem israelischen Beer Sheva - er pflegt engste Beziehungen zu seinen jüdischen Freunden und kennt ihre Sorgen.

"Viele Juden sagen, dass sie in Wuppertal keine realistische Zukunft sehen. Das macht mich sehr traurig, aber wir müssen zur Kenntnis nehmen dass die vielen Anschläge, nicht nur in Wuppertal und in NRW auch in ganz Deutschland unsere jüdischen Geschwister sehr beunruhigen."

"Nicht nach außen zeigen, dass sie Juden sind"

Antisemitische Beleidigungen und Beschimpfungen gebe es zwar überall, sagt Gerlach, sie würden aber zunehmend radikaler. Viele Jüdinnen und Juden würden sich im Alltag deshalb immer vorsichtiger verhalten.

Arno Gerlach
"Hier in Wuppertal finden Sie kaum eine jüdische Frau oder einen jüdischen Mann, die deutlich nach außen hin zeigen, dass sie Juden sind. Und das ist nicht so, weil sie nicht Kippa oder Davidstern tragen wollen, sondern weil sie fürchten angegriffen oder angepöbelt zu werden." Arno Gerlach, Vorsitzender Freundeskreis Beer Sheva e.V.

Das bestätigen dem WDR auch Jüdinnen und Juden im Interview. Darunter Amiram Paltin - er ist vor zwanzig Jahren aus Israel nach Wuppertal gezogen und lebt mittlerweile im Großraum Köln.

"Als ich herkam damals hab ich mich null geschämt zu sagen, woher ich komme, dass ich Jude bin und das war für mich gar kein Thema. Und jetzt finde ich mich immer wieder in Situationen, wo ich plötzlich denke, hmm, in dieser Runde nicht unbedingt preisgeben", berichtet Paltin.

"Wie kann sowas passieren trotz Polizeischutz"

Für ihn sei es nicht unbedingt Angst, warum er seinen Glauben und seine Herkunft verschweige. Doch spüre er den Drang unangenehme Konfrontationen oder Schlimmeres zu vermeiden.

Iryna Hutman will sich nicht einschüchtern lassen. Sie trage offen eine Kette mit hebräischer Inschrift und habe dabei keine Sorge, sagt sie. Dennoch habe sie die Nachricht des Anschlages schockiert, sie ist in der jüdischen Gemeinde in Wuppertal aufgewachsen.

Iryna Hutman
"Es löst Unbehagen aus. Man fragt sich wie kann sowas passieren trotz Polizeischutz. Aber wir müssen zusammenhalten. Wenn wir uns als Juden einschüchtern lassen würden, wäre das der falsche Weg." Iryna Hutman, ist als Jüdin in der Wuppertaler Gemeinde aufgewachsen
Amiram Paltin

Amiram Paltin, Autor bei Freundeskreis Beer Sheva e.V.

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Amiram Paltin sieht das ähnlich - immer wieder geht er zu Kundgebungen: "Wir versuchen ja uns als Juden zu zeigen, aber ich habe schon das Gefühl, dass die Wirkung extrem klein ist." Dennoch regt sich in ihm auch Protest und das Gefühl, jetzt erst recht jüdische Symbole tragen zu wollen. Der Angriff der radikalislamischen Hamas vom 7. Oktober 2023 auf Israel habe den Antisemitismus spürbar wachsen lassen, sagt Paltin.

Doch die jüdische Gemeinde macht sich auch gegenseitig Mut: Paltin ist wie Arno Gerlach Teil des Freundeskreises Beer Sheva, die sich vor allem durch Begegnung und Veranstaltungen auch über die Gemeinde hinaus und durch die Verbindung zu Israel gegenseitig den Rücken stärken. Auch die Solidarität aus anderen Kreisen sei ein wichtiger Faktor.

Daniel Nijkeu

Daniel Nijkeu ist Vikar in der benachbarten Gemarker Kirche

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Auch in der benachbarten Gemarker Kirche hat der Anschlag für große Bestürzung gesorgt. "Wir besuchen oft die Synagoge und sie kommen oft zu uns. Dieser Anschlag hat auch uns erschüttert. Für mich ist es unvorstellbar, dass jemand seinen Hass so ausdrückt", so Daniel Nijkeu, Vikar der Gemarker Kirche.

Auch Passanten blieben heute stehen und hielten inne. So auch Dorothee Philipps, die am Abend auch am Gottesdienst teilnehmen will - es ist Schabbat kurz vor dem höchsten jüdischen Feiertag Jom Kippur.

Dorothee Philipps
"Es ist entsetzlich, dass jüdische Gotteshäuser, Kindergärten und Schulen in Deutschland immer Polizeischutz haben müssen und dass jüdisches Leben in Deutschland nicht normal ist." Dorothee Philipps, Christin

Die Häufigkeit solcher Anschläge bereitet auch Arno Gerlach große Sorgen für die Zukunft: "Wir merken, dass Juden immer mehr bedrängt und nicht gewollt werden. Für einen freien Menschen in einer freien Gesellschaft ist es ganz schrecklich das Gefühl zu haben: Ich bin nicht gewollt."

Bedrohungsgefühl der Jüdinnen und Juden

WDR 18.09.2026 42 Sek. Verfügbar bis 17.09.2028 WDR Online

Bedrohungsgefühl der Jüdinnen und Juden

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WDR 1 Min. 4 Sek. Verfügbar bis 18.09.2028

Unsere Quellen:

  • WDR-Interviews
  • Eindrücke der WDR-Reporter vor Ort

Sendung: WDR 2, WDR 2 für das Bergische Land, 18.09.2026, 12:31 Uhr
Sendung: WDR Fernsehen, Lokalzeit Bergisches Land, 18.09.2026, 19:30 Uhr

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