Das Mahnmal aus Bronze steht im Berliner Tiergarten. Von dort aus kann man den Potsdamer Platz sehen. Das Mahnmal stellt einen Baum dar und symbolisiert die Standhaftigkeit der Zeugen Jehovas, deren Glaubensgemeinschaft unter der NS-Diktatur verboten war. Doch der stilisierte Bronze-Baum hat Kerben in der Rinde, Verletzungen, die an das Leid von mehr als 15.000 inhaftierten Zeugen Jehovas erinnern.
Klöckner: "Ihre Verfolgung und ihr Leid wurden zu wenig gesehen"
"Dieses Denkmal gilt den Menschen, die bitteres Unrecht erlitten und dennoch immer wieder Menschlichkeit zeigten", sagte Bundestagspräsidentin Julia Klöckner bei der Einweihung. Der Bundestag hatte am 22. Juni 2023 einstimmig für das Mahnmal gestimmt.
Klöckner ging bei der Einweihung im Beisein von etwa 1.000 Gästen darauf ein, warum es so lange dauerte, bis die Entscheidung für den Erinnerungsort fiel: Auch nach dem Ende der Nazi-Herrschaft habe es Vorbehalte gegen Glaubensgemeinschaften gegeben.
Bronze-Baum mit Wurzeln im Bergischen
Gebaut wurde die Bronze-Skulptur von einem Metallbetrieb am Rande von Wermelskirchen. Axel Selbach und sein Team haben es auch im Tiergarten aufgebaut. Dass es überhaupt einen solchen Erinnerungsort für die Zeugen Jehovas gibt, geht maßgeblich auf Uwe Langhals aus Remscheid zurück. Seit mehr als fünfzehn Jahren setzt er sich für das Mahnmal ein, gemeinsam mit der Arnold-Liebster Stiftung und der Stiftung Denkmal für die ermordeten Juden Europas.
Künstler aus Wuppertal
Entworfen hat das Mahnmal der Künstler Matthias Leeck. Er ist in Wuppertal aufgewachsen, hat an der Kunstakademie in Düsseldorf studiert und unter anderem bei dem berühmten Wuppertaler Bildhauer Tony Cragg gearbeitet. Matthias Leeck ist selbst Mitglied der Zeugen Jehovas.
"Das ist für mich schon eine große Verantwortung, die ich verspüre – der Opfergruppe gegenüber." Matthias Leeck, Künstler
Er empfinde tiefen Respekt vor der Haltung der Zeugen Jehovas, die nicht nur den Nationalsozialisten die Gefolgschaft verwehrten, sondern auch den Kriegsdienst und den Hitlergruß verweigert hätten.
Ort in Berlin nicht zufällig gewählt
Ganz in der Nähe des Mahnmals, am Goldfischteich im Tiergarten, hatten sich die Zeugen Jehovas unter der Nazi-Herrschaft im Geheimen getroffen. 1936 hat die Gestapo dort eine Verhaftungsaktion gestartet. Während der NS-Zeit sind viereinhalb Tausend Mitglieder der Zeugen Jehovas in Konzentrationslager gekommen, fast zweitausend starben. Unsere
Unsere Quellen:
- Eindrücke des Reporters vor Ort
- Interview Matthias Leeck
- Stiftung Denkmal für die ermordeten Juden Europas
- Nachrichtenagentur epd
Sendung: WDR.de, Mahnmal für verfolgte Zeugen Jehovas eingeweiht, 24.06.2026, 17:01 Uhr
