Forscher entdecken mit Robotern eine Lösung

Bildquelle: WDR / Rüdiger Wölk

3 Min. 17 Sek. Verfügbar bis 15.09.2028

Nie wieder Stau So finden Wuppertaler Forscher eine Lösung

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Die Region rund um Düsseldorf und Wuppertal gilt als Stau-Hotspot. Damit wollen sich Forscher der Uni Wuppertal aber nicht abfinden: Mit Roboter-Autos haben sie eine neue Idee gegen nerviges Rumstehen auf der Autobahn entwickelt.

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Joschka Heinemann

Wie viele Staus gibt es eigentlich in Nordrhein-Westfalen? Laut ADAC summierte sich die Staulänge im vergangenen Jahr auf rund 280.000 Kilometer.

Würde man all diese Staus zu einem einzigen zusammenfügen, ergäbe das eine Strecke, die sich etwa siebenmal um die Erde schlängelt. Damit ist Nordrhein-Westfalen das Stauland Nummer eins in Deutschland. Und das drückt auf die Nerven vieler Pendlerinnen und Pendler.

Staus sind nicht nur nervig, sondern auch gefährlich

Zu diesen Pendlern gehört auch Professor Antoine Tordeux von der Bergischen Universität Wuppertal. Der gebürtige Franzose lebt heute in Köln und kennt die täglichen Herausforderungen auf den Straßen aus eigener Erfahrung. Auf seinem Weg zur Universität steht auch er regelmäßig im Stau.

Professor Antoine Tordeux steht vor der Tafel
"Es ist auch ein Thema der Verkehrssicherheit. Diese Stop-and-go-Wellen können auch gefährlich sein." Professor Antoine Tordeux, Fakultät für Maschinenbau und Sicherheitstechnik

Der Stau aus dem Nichts

Besonders ein Phänomen beschäftigt ihn und sein Forschungsteam: die sogenannten "Staus aus dem Nichts". Dabei handelt es sich um Verkehrsstaus, die ohne erkennbaren Auslöser wie einen Unfall, eine Baustelle oder eine Fahrbahnverengung entstehen. Genau diese unerwarteten Stauwellen wollen die Wissenschaftler besser verstehen und langfristig vermeiden.

Und wir haben es eigentlich schon immer geahnt: Für viele Staus sind wir Menschen selbst verantwortlich. Natürlich denken die meisten dabei zuerst an die anderen Autofahrer und nicht an sich selbst.

Wir Menschen sind schuld

Die Stauforschung zeigt jedoch, dass falsches Bremsverhalten und zu geringe Abstände häufig Auslöser für sogenannte Stauwellen sind. Dabei entsteht eine Kettenreaktion im Verkehrsfluss: Kleine Verzögerungen türmen sich zu einer größeren Welle auf und führen dazu, dass wir plötzlich hupend und genervt auf der Autobahn stehen.

Das Problem: Unsere Reaktionszeit

"Wir Menschen brauchen etwas Zeit, um im Auto Entscheidungen zu treffen", erklärt Professor Tordeux. Die Reaktionszeit liege bei etwa einer Sekunde. Klingt wenig, aber bereits diese kurze Verzögerung könne den Verkehrsfluss destabilisieren und die Entstehung von Staus begünstigen.

Moderne Autos sind heute häufig mit intelligenten Abstandssystemen ausgestattet. Diese sogenannten ACC-Systeme (Adaptive Cruise Control) halten automatisch den Abstand zum vorausfahrenden Fahrzeug und passen die Geschwindigkeit entsprechend an. Staus verhindern können sie jedoch laut der Stauforschung bislang nicht.

Forscher wollen Systeme verbessern

"Auch diese Systeme haben eine gewisse Reaktionszeit", erklärt Professor Tordeux. Genau diese Verzögerung könne ebenfalls zur Entstehung von Stauwellen beitragen. Hinzu kommt, dass weder ein Fahrzeug noch ein Assistenzsystem alleine perfekt auf jede Störung im Verkehr reagieren könne, ergänzt Raphael Korbmacher aus dem Forschungsteam. Deswegen versuchen die Wissenschaftler die ACC-Systeme weiter zu optimieren.

Die Lösung: Verschiedene Abstände

Dazu haben sich Tordeux und Korbmacher Mini-Roboter-Autos angeschafft. Die kleinen Fahrzeuge erinnern an weiße Eishockey-Pucks auf Rädern und fahren automatisiert auf einer Kreisbahn.

Einzelner Roboter der Stausimulation

Diese kleinen Roboter sollen das Stau-Rätsel lösen

Bildquelle: WDR/ Joschka Heinemann

Seit Wochen experimentieren die Forscher mit verschiedenen Reaktionszeiten und Abständen und haben nun eine mögliche Lösung gefunden, die viele Staus bald vermeiden könnte.

Diese Fahrzeuge könnten Störungen im Verkehr abfedern. Sie werden daher "Buffer-Fahrzeuge" genannt. Wichtig sei es außerdem, dass auch die anderen Autos verschiedene Abstände halten. Manche näher, manche weiter weg. So könnten sich Störungen nicht zu einer großen Welle auftürmen. Die Simulationen mit diesem Ansatz seien bislang sehr vielversprechend, so Korbmacher.

Raphael Korbmacher im Robotersimulator
"Eine Lösung ist, dass nicht alle Autos den gleichen Abstand halten, sondern das immer wieder ein Auto mit hohem Abstand im Verkehrsfluss vorhanden ist." Dr. Raphael Korbmacher, Fakultät für Maschinenbau und Sicherheitstechnik an der Bergischen Universität Wuppertal

Vernetztes Fahren in der Zukunft

Doch wie bekommt man so etwas hin? Durch vernetzte Kommunikation. Die Autos weisen sich dann automatisch verschiedene Rollen und damit auch unterschiedliche Abstände zu. Bis es so weit ist, dürfte es allerdings noch einige Jahre dauern.

Wer bremst verliert - Wer beschleunigt auch

Und was machen wir bis dahin? "Gleichmäßig fahren", antwortet Korbmacher. Dicht aufzufahren und ständig zu bremsen sei aus Sicht der Stauforschung das Schlechteste, was man tun könne.

Stattdessen sollte man ausreichend Abstand halten, möglichst wenig bremsen und gleichmäßig beschleunigen. So entstehen weniger Störungen im Verkehrsfluss und damit auch weniger Staus. Auch in NRW, dem Stauland Nummer eins.

Unsere Quellen:

  • Bergische Universität Wuppertal
  • Beobachtungen des WDR-Reporters in der Bergischen Universität
  • Interview mit Antoine Tordeux
  • Interview mit Raphael Korbmacher
  • Studien zur Stauforschung
  • Gespräch mit dem Institut für Verkehrsforschung des Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt 

Sendung: WDR.de, Forscher entdecken mit Robotern eine Lösung, 23.09.2026, 14:00 Uhr

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