Jugendkriminalität im Städtedreieck - ein Dauerthema für Ermittler
Bildquelle: Hardy Mueller/laifIm vorigen Jahr war etwa jeder fünfte Tatverdächtige zum Beispiel bei Körperverletzungen, Diebstahl oder Straßenkriminalität jünger als 18 Jahre. Der größte Anteil von kriminellen Jugendlichen findet sich in Wuppertal.
Dort steht der Berliner Platz im Stadtteil Oberbarmen schon lange unter besonderer Beobachtung der Polizei. In den vergangenen Monaten hat besonders ein 22 Jahre alter Mann die Ermittler beschäftigt. Inzwischen wurde er als "Chef" zweier Jugendbanden zu einer längeren Jugendstrafe verurteilt.
Bernd Schäckermann ist Geschäftsführer des CVJM Oberbarmen. Im Studiointerview der Lokalzeit Bergisches Land schildert er die Jugendarbeit durch Streetworker vor Ort. Deren Ziel ist es, Kinder und Jugendliche gar nicht erst in die Kriminalität abrutschen zu lassen.
Bernd Schäckermann vom CVJM Oberbarmen will Wege aus der Kriminalität zeigen
Bildquelle: Helge Rosenkranz/WDRHerr Schäckermann, Sie gehen seit Herbst mit Streetworkern auf viel jüngere Kinder zu. Wie machen Sie das?
Wir sind im Stadtteil aktiv, wir gehen auf die Nordbahntrasse, gehen auch in Schulen, knüpfen dort Kontakte und versuchen, die Jugendlichen in unsere Angebote zu bekommen, Beziehungen aufzubauen und dann, wenn nötig, beraten, begleiten und dann ihnen einen Weg zu zeigen.
Sie haben vorher in Oberhausen gearbeitet. Dann kamen Sie nach Oberbarmen. Sie sagen, sie hätten hier eine neue Armut kennengelernt, eine soziale Armut. Was meinen Sie damit?
Viele Familien haben keine soziale Teilhabe. Kinder können nicht wie andere ins Kino oder auch mal auf eine Fahrt irgendwohin. Es gibt mangelnde Bildungschancen. Bildungsgerechtigkeit ist ein ganz wichtiger Begriff. Wenn man da drin ist, wird es schwer, auch da hochzukommen, die Aufstiegschance zu bekommen. Und das ist einfach ein Teil, den ich als soziale Armut bezeichne, immer begleitet von der materiellen Armut in vielen Familien.
Was sind denn das für Themen, die Sie dann versuchen, mit den Kindern zu bearbeiten? Da ist ja Vertrauen sehr wichtig.
Ja, der Vertrauensaufbau ist eigentlich erst mal der wichtigste und erste Schritt. Und dann geht es um viele Konflikte, familiäre Konflikte, Konflikte in der Schule, aber auch im jungen Alter schon Zukunftsängste. Was wird aus mir? Was kann ich mal machen? Wie kriege ich es hin? Und das fängt schon sehr früh an und da versuchen wir Hilfestellung zu geben.
Haben Sie so ein positives Beispiel für uns?
Zum Beispiel ein junger Mann, der in unsere Angebote gekommen ist, dann immer häufiger da war, sich dann auch selbst engagiert hat, und dann haben wir zusammen mit ihm eine Ausbildungsstelle gesucht und gefunden, und der wird jetzt Sozialassistent, und wir begleiten ihn auch weiter während der Ausbildung und hoffen so, dass es ein gutes Ende nimmt.
Oberbarmen hat ja so einen schlechten Ruf. Sie sagen aber, das wäre so ein faszinierendes Ding.
Ja, ich sag's mal ganz offen, das nervt ein bisschen, weil wir haben ja auch wieder jetzt die Stigmatisierung vom Berliner Platz und Oberbarmen ist immer sehr negativ in den Schlagzeilen. Dabei gibt es dort so viele positive Beispiele, ein Zusammenleben von so vielen Nationen auf ganz engem Raum, was eigentlich wunderbar funktioniert in den meisten Teilen.
Sendung: WDR 2 Bergisches Land, Lokalzeit, 11.6.2026, 15.31 Uhr
Sendung: WDR Fernsehen, Lokalzeit Bergisches Land, 11.06.2026, 19:30 Uhr