Polizei warnt vor dem "Notwehrexzess"
Bildquelle: picture alliance / imageBROKER2 Min. 3 Sek.. Verfügbar bis 21.09.2028.
Ein Schock: Ein Ehepaar aus Nümbrecht überrascht am Wochenende mitten in der Nacht eine mutmaßliche Einbrecherin - im Hausflur. Die Unbekannte ist maskiert und mit einem Schlagstock bewaffnet.
Es kommt zum Gerangel, die 62 Jahre alte Ehefrau und die 47-jährige Unbekannte kommen leicht verletzt ins Krankenhaus.
Polizei warnt vor Selbstjustiz
Sich selbst gegen Eindringlinge wehren, sowas sieht die Polizei nicht gern. Fälle, in denen Einbrecher überrascht werden, seien "extrem selten", sagt Niklas Rademacher von der Wuppertaler Polizei. Aber wenn, dann sei sogar eine Flucht aus den eigenen vier Wänden eine Option:
"Sollte es dennoch mal dazu kommen, ist es geboten, sich nicht in Gefahr zu bringen und den offenen Konflikt zu meiden." Niklas Rademacher, Sprecher der Polizei Wuppertal
Zur Not sogar das eigene Haus verlassen, rät die Polizei. Denn nicht jede Gegenwehr ist vom Gesetz gestattet. Im Strafrecht gibt es den "Notwehrexzesses". Notwehr kann also übertrieben sein und Ermittlungen von Polizei und Staatsanwaltschaft nach sich ziehen.
"Ein Grenzfall könnte zum Beispiel dann eintreten, wenn ich dem Täter stark überlegen wäre, der Täter dazu auch noch unbewaffnet ist und ich Waffengewalt gegen den Täter einsetzen würde." Niklas Rademacher, Sprecher der Polizei Wuppertal
Wann ist Notwehr erlaubt?
Laut Strafgesetzbuch gilt das nicht, wenn der oder die Überfallene "aus Verwirrung, Furcht oder Schrecken" handelt. Das könnte zum Beispiel für den versuchten Einbruch in Nümbrecht gelten. Immerhin war die mutmaßliche Einbrecherin ja bewaffnet. Das Ehepaar konnte die Frau bis zum Eintreffen der Polizei festhalten.
Dunkle Jahreszeit hilft Einbrechern
Die Kriminalstatistik für das Land NRW weist für das vorige Jahr fast 30.000 Wohnungseinbrüche aus. Fast jeder zweite Einbruchversuch scheiterte, nur etwas mehr als jeder Zehnte Einbruch wird aufgeklärt.
Im Herbst und Winter steigen die Zahlen drastisch, etwa ein Drittel mehr als sonst im Jahr. "Da machen sich die Täter halt die Dunkelzeit zu Nutze", sagt Niklas Rademacher.
Ein Drittel mehr Einbrüche im Herbst und Winter
Bildquelle: picture alliance / imageBROKERAber es gibt eine Menge Präventionsangebote der Polizei. In praktisch jedem Polizeipräsidium im Land werden Menschen dazu beraten, wie sie ihr Heim vor Einbrechern sichern können. Oft eine teure Investition, aber meist sinnvoll. Obwohl: "Einen hundertprozentigen Schutz vor Einbrechern gibt es nicht", sagt der Wuppertaler Polizeisprecher.
Unsere Quellen:
- Polizei Wuppertal
- Polizei Oberbergischer Kreis
- Kriminalstatistik Innenministerium NRW
Sendung: WDR Fernsehen, Lokalzeit Bergisches Land, 21.09.2026, 19:30 Uhr