Prozess nach Schüssen auf Einbrecher gestartet | WDR aktuell
Bildquelle: WDR/ Hensgen30 Sek.. Verfügbar bis 03.09.2027.
Zu Prozessbeginn legte der Angeklagte über eine Erklärung, die sein Verteidiger für ihn verlas, ein Geständnis ab. Der Hauptvorwurf der Staatsanwaltschaft gegen den Mann lautet: Versuchter Totschlag. Die Tat hatte sich am 20. Februar in Ruppichteroth ereignet. Das Opfer, ein damals 24-Jähriger, überlebte den Angriff nur knapp.
Was war passiert?
Mit mehreren Einsatzfahrzeugen rückte die Polizei an den Tatort aus
Bildquelle: WDR/Christoph HensgenDer junge Mann war auf einem abgelegenen Grundstück des Angeklagten in einen Wohnwagen eingestiegen. Der Beschuldigte, der das Gelände durch Kameras gesichert hatte, wurde über eine entsprechende App von seinem Smartphone über den Einbruch informiert.
Zwei Kugeln treffen Einbrecher in den Rücken
Nach dem Vorfall suchen Polizisten in der Umgebung nach Spuren
Bildquelle: WDR/Christoph HensgenLaut Staatsanwaltschaft soll der Angeklagte von zu Hause aus losgefahren und auf dem Grundstück auf den Einbrecher getroffen sein. Er soll daraufhin sofort das Feuer eröffnet haben. Zehn Schüsse in gerade einmal 52 Sekunden, so steht es in der Anklageschrift. Drei Kugeln trafen den Flüchtenden demnach, zwei davon durchschlugen seinen Rücken.
"Die Rektion meines Mandanten war selbstverständlich völlig übertrieben", sagt Strafverteidiger Carsten Rubarth gegenüber dem WDR. "Er bereut die Tat zutiefst und würde heute das tun, was vernünftige Menschen in solchen Situationen tun würden: Die Polizei rufen." Das Grundstück sei für den Angeklagten einst Rückzugsort gewesen. Nachdem bereits mehrfach dort eingebrochen worden sei, habe er sich am Tattag nicht anders zu helfen gewusst.
Obwohl das Opfer von mehreren Projektilen getroffen und lebensgefährlich verletzt wird, rennt es weiter, wird aber vom Schützen eingeholt. Der sei laut Anklage in sein Auto gestiegen, habe den 24-Jährigen verfolgt und ihm den Weg abgeschnitten.
"Der Angeklagte ging massiv auf den am Boden liegenden Schwerverletzten los." Schilderungen der Staatsanwaltschaft
Immer wieder soll der 75-Jährige mit seiner Waffe auf den Kopf des Einbrechers eingeschlagen haben. Der erlitt dadurch einen Schädelbasisbruch.
Not-Operation: Ärzte retten dem 24-Jährigen das Leben
Erst als ein Zeuge erscheint, soll der Angreifer von seinem Opfer abgelassen haben. Der 24-Jährige wird in eine Klinik geflogen. Dort retten Ärzte ihm durch eine Not-Operation das Leben.
Gestreifte Pylonen und Flatterband markieren wichtige Spuren
Bildquelle: WDR/Christoph HensgenDer Schütze wird von der Polizei festgenommen. In seiner Wohnung im nahegelegenen Much, in seinem Auto sowie auf dem Grundstück des Angeklagten in Ruppichteroth, stellen Ermittler zahlreiche Schusswaffen sowie Munition sicher. Einen Waffenschein besitzt der Mann nicht.
Angeklagter sammelte Waffen
Einige der Waffen – darunter unter anderem zwei Maschinenpistolen des Typs "Uzi" mit mehreren Magazinen sowie halbautomatischen Selbstladepistolen – habe er vor Jahren vom Vorsitzenden eines Schützenvereins bekommen, um sie aufzubewahren, erklärt der Angeklagte. Andere habe er mehr oder weniger gesammelt.
Angeklagtem droht mehrjährige Haftstrafe
Kommende Woche wird das 24-jährige Opfer als Zeuge im Prozess aussagen. Der Angeklagte sitzt seit seiner Festnahme in Untersuchungshaft. Sollte er wegen versuchten Totschlags verurteilt werden, droht ihm eine mehrjährige Gefängnisstrafe.
Unsere Quellen:
- Staatsanwaltschaft Bonn
- Landgericht Bonn