Duisburg, Siegen, Solingen: NRW-Städte feiern CSD
Bildquelle: WDR/Vanessa Wiebe01:46 Min.. Verfügbar bis 28.07.2027.
Lange Zeit war Pause, am Samstag ging es wieder los: Nach sechs Jahren fand in Siegen wieder der Christopher Street Day statt. Unter dem Motto "Siegen bleibt bunt“ veranstaltete die Queere Initiative Siegen e.V. den CSD in der Siegener Innenstadt. Hunderte Teilnehmende feierten hier gemeinsam die Vielfalt.
Die Queere Community will ein klares Zeichen setzen - für eine offene Siegener Stadtgesellschaft, für die Rechte aller queeren Menschen und gegen jegliche Art von Diskriminierung. Fast 500 Personen nahmen teil.
"Wir setzen uns dafür ein, dass hier in Siegen alle Leute sicher sind. Egal, wen sie lieben oder wer sie sind." Tyler Görnig, Transberater im andersROOM
Vergangenes Jahr hatte es noch einen queerfeindlichen Angriff auf die Beratungsstelle mit Sachbeschädigung gegeben.
Solidarität auch aus anderen Städten
Nicht nur die Siegener feierten sich selbst. Kölnerinnen und Kölner solidarisierten sich mit den Menschen im Siegerland. Cynthia war aus Frankfurt angereist und feierte mit Nico und Tim den CSD.
"Queere Rechte stehen immer weiter auf der Kippe. Es ist wichtig, dass sie gefestigt und erweitert werden." CSD-Teilnehmerin Cynthia aus Frankfurt
Die Veranstaltung wurde mit einem Straßenfest abgeschlossen. Landrat und Bürgermeister hatten die Feier eröffnet. Es gab ein Bühnenprogramm mit Kölner Künstlerinnen und Künstlern sowie diverse Infostände. Zum Abschluss fand ein großes Open-Air-Karaoke statt.
Duisburg zeigt (Regenbogen-)Flagge
In Duisburg ging es zuerst mit einem symbolischen Akt los: Um 12 Uhr wurde am Rathaus die Regenbogenflagge von Duisburgs Oberbürgermeister gehisst.
"Die Stadt Duisburg steht für Vielfalt, Freiheit und Solidarität. Als Stadtgemeinschaft zeigen wir Haltung und stehen ein für Gleichberechtigung und ein respektvolles, offenes Miteinander." Sören Link, Oberbürgermeister Duisburg
Vom Rathaus aus zog der Demonstrationszug mit rund tausend Menschen durch die Duisburger Innenstadt und endete am Averdunkplatz. Hier gab es anschließend ein Bühnenprogramm für Besucher.
Die beiden Duisburgerinnen Julia und Rachel applaudierten mit der Menge. "Ganz hervorragend! Es ist immer gut, wenn viele Leute Flagge zeigen," meinte Julia.
Aber größer geht immer, fand Rachel. "Weil es ist nicht nur ein Fest für die queere Community, sondern für alle. Es geht um die Rechte aller Menschen." Ihre Botschaft lautete: "Nicht ablenken lassen, nicht nach rechts. Wir müssen jetzt alle zusammenhalten."
Beim anschließenden Straßenfest wurden laut Veranstalter bis zu achttausend Menschen erwartet.
Auch in Solingen Demozug und buntes Programm
Die sogenannte "Klingenpride" in Solingen.
Bildquelle: Carsten Stein"Frei, bunt und laut" - unter diesem Motto feierten mehrere tausend Besucher zum vierten Mal den "Klingenpride" in Solingen. Es war der vierte CSD in der Klingenstadt, die wegen ihrer jahrhundertealten Tradition in der Herstellung von Klingen, Messern und Schneidwaren so genannt wird.
Vor dem Straßenfest gab es erstmalig auch einen Demonstrationszug durch die Innenstadt: laut und bunt, aber mit ernstem Hintergrund.
Anfeindungen und Verachtung: Alltag für queere Menschen
Es präsentieren sich 39 Vereine, Verbände, Selbsthilfegruppen und Institutionen
Bildquelle: WDR/Carsten SteinAuf einem Demonstrationsmarsch durch die Solinger Innenstadt forderten die etwa 600 Teilnehmenden mehr Toleranz und Rechte für queere Menschen. Diskriminierung sei immer noch für viele Alltag. Ein Teilnehmer sagte, die Regenbogenfahne in öffentlichen Einrichtungen zu verbieten, sei in diesem Zusammenhang ein unglückliches Zeichen.
Vor dem Hintergrund der anstehenden Kommunalwahlen forderten die Teilnehmenden mehr Unterstützung seitens der Stadt und der Politik. Es fehle in Solingen an Beratungs-und Hilfsangeboten für queere Menschen und ihre Familien.
Der Zug endete im Südpark, wo mehrere Tausend Besucher erwartet wurden, um gemeinsam zu feiern und ein Zeichen zu setzen für Vielfalt und gegen Diskriminierung.
"Queer zu sein ist immer noch ein Makel"
Bunte Bühnenshow auf der einen - 39 Vereine, Verbände, Selbsthilfegruppen und Institutionen auf der anderen Seite. So konnten sich Interessierte einen Überblick verschaffen über lokale Hilfs- und Beratungsangebote für queere Menschen.
Guido Baron-Buß hat den CSD in Solingen mitorganisiert.
Bildquelle: Carsten SteinIdealerweise sollte es so eine Veranstaltung gar nicht mehr geben, sagte Mitorganisator Guido Baron-Buß. Aber der Alltag in Solingen sehe anders aus. Auch er werde immer wieder verbal beschimpft. Solange queere Menschen noch nicht in der Gesellschaft angekommen sind und als ganz selbstverständlich empfunden werden, so lang werde es denn Klingenpride geben - geben müssen.
Unsere Quellen:
- Klingenpride Solingen
- Queere Initiative Siegen e.V.
- DUPride
- Stadt Duisburg
- Reporter vor Ort
Über dieses Thema berichten wir am 26.07.2025 auch im WDR Fernsehen: WDR aktuell, 16 Uhr.