Eine S-Bahn hält auf der Bahntrasse zwischen Horrem und Köln am Bahnhof Weiden-West.

Viele Pendlerinnen und Pendler sind auf das Deutschlandticket angewiesen.

Bildquelle: IMAGO/Panama Pictures/Christoph Hardt

Deutschlandticket Welche Kritik es weiter an der Finanzierung gibt

Stand:

Das Deutschlandticket wird kommendes Jahr wohl vier Euro teurer. Das ergibt eine WDR-Analyse. Das sind die Reaktionen.

Von Jan Eggers

Gestiegene Personalkosten, deutlich angezogene Dieselpreise, und eingefrorene Zuschüsse von Bund und Ländern: Der Preis des Deutschlandtickets wird ab 01.01.2027 vermutlich um 6,1 Prozent steigen, auf dann 66,80 Euro. Auf diesen Preis kommt eine Analyse des WDR-Data-Teams. Wie genau der Preis zustande kommt, und warum es zu einer Steigerung kommt, lest ihr hier.

DUH: Hohe Kosten wegen verschleppter Energiewende 

Die Deutsche Umwelthilfe kritisierte schon bei einer eigenen Berechnung im Sommer eine verschleppte Umstellung auf E-Busse. "Es ist absurd: die hohen Kosten für fossile Kraftstoffe in diesem Jahr treiben jetzt ausgerechnet den Preis des Deutschlandtickets in die Höhe, das eine der wirkungsvollsten Klimaschutzmaßnahmen im Verkehrsbereich ist", sagt Nanne Richardsen, Referentin für Verkehr bei der DUH.

Portät von nanne Richardsen vor neutralem Hintergrund
"Wären Busse und Bahnen bereits vollständig elektrifiziert, wäre die Preiserhöhung deutlich geringer ausgefallen." Nanne Richardsen, Deutsche Umwelthilfe

Die EU schreibt vor, dass der Anteil elektrifizierter Busse steigen muss. Ab 2035 dürfen dann nur noch emissionsfreie Busse zugelassen werden. Die Ausgaben des Bundes zur Förderung von E-Bussen seien jedoch um zwei Drittel gekürzt worden, sagt Richardsen. So steht es derzeit im Haushaltsentwurf der Bundesregierung. Richardsen fordert, die Politik müsse mehr für den öffentlichen Nahverkehr tun - nicht zuletzt aus Gründen des Klimaschutzes.

NRW-Verkehrsministerium kritisiert Bund

NRW-Verkehrsminister Oliver Krischer

Das von Oliver Krischer geleitete NRW-Verkehrsministerium weist auf den Bund.

Bildquelle: WDR/dpa

Dass höhere Preise fürs Deutschlandticket Käufer abschrecken könnte, fürchtet die NRW-Landesregierung nicht. Das Verkehrsministerium nennt das Ticket eine "Erfolgsstory der Verkehrswende". Das von Oliver Krischer (Bündnis90/Grüne) geleitete Ministerium kritisiert allerdings, dass der Bund unter der schwarz-roten Koalition Förderzusagen gebrochen habe. Statt den Preis stabil zu halten, wie im Koalitionsvertrag zugesagt, habe man die Zuschüsse von Bund und Ländern eingefroren. "Hiervon finanziert NRW über 400 Mio. Euro. Für mehr gibt es keine Spielräume, das geht allen Ländern so."

Fahrgastverband: Brauchen mehr Planungssicherheit

Lothar Ebbers vom Fahrgastverband Pro Bahn in NRW lässt durchblicken, dass er dem Deutschlandticket von Beginn an einen höheren Preis gewünscht hätte, um den günstigeren Ticket-Abos regionaler Verkehrsbetriebe mehr Luft zu lassen.

Alter Mann mit Bart, Brille und weißem Hemd
"Diese Finanzpolitiker haben von Tarifmarketing null Ahnung." Lothar Ebbers, Fahrgastverband Pro Bahn NRW

Dann habe die Politik sich für große Preissprünge entschieden, statt mit kleineren Preisschritten zu arbeiten. Die Sprünge seien ein Risiko: "Ich fürchte, dass immer mehr Kommunen den Nahverkehr als Sparschwein ansehen werden."

Verkehrsbetriebe stehen unter Druck 

Können die Verkehrsbetriebe mit dem neuen Preis arbeiten? Der Verband der Verkehrsbetriebe (VDV) will sich dazu derzeit noch nicht äußern. Verbandssprecher Lars Wagner glaubt allerdings nicht, dass sich die Preiserhöhung auf die Zahl der verkauften Tickets auswirke.

Menschen steigen in eine S-Bahn ein

Für die Verkehrsverbände fällt der Rabatt bei Trassenpreisen aus.

Bildquelle: dpa/ Henning Kaiser

Das Ticket war 2024 um 18,3 Prozent und 2025 um weitere 8,6 Prozent teurer geworden. "In beiden Fällen ist eine große Kündigungswelle ausgeblieben. Und in beiden Fällen wurden etwa vier bis fünf Monate nach der Preiserhöhung die vorherigen Verkaufszahlen wieder erreicht", so Wagner.  

Mit den Umsätzen können die Verkehrsunternehmen also einigermaßen fest rechnen, bei den Kosten droht allerdings ein erhebliches Risiko: Ein Urteil des Europäischen Gerichtshofs hatte das System gekippt, das den Regionalbahnen niedrigere Preise für die Nutzung des Schienennetzes einräumte - als regionale Förderung. Die Trassenpreise stiegen daraufhin für die Regionalbahnen stark an, sodass im nächsten Jahr eine Finanzierungslücke von 400 Millionen Euro droht.

Gegen die Trassenpreise hilft auch kein höherer Preis 

Auch der Fahrgastverbands-Sprecher Lothar Ebbers hält die Trassenpreise für die wichtigere Stellschraube: Wenn es keine Regelung gibt, die diese Mehrkosten auffängt, dann würden Verkehrsbetriebe anfangen müssen, Verbindungen zu streichen. Das würde dann eine Abwärtsspirale in Gang setzen. "Wir brauchen eine umfassende, zukunftsorientierte Finanzierung", so Ebbers.

Reaktionen auf Preis des Deutschlandstickets

WDR 31.08.2026 1 Min. 50 Sek. Verfügbar bis 30.08.2028 WDR Online

Unsere Quellen:

  • Interview mit Nanne Richardsen, Deutsche Umwelthilfe 
  • Interview mit Lothar Ebbers, Fahrgastverband Pro Bahn NRW 
  • Schriftliche Stellungnahme des Ministeriums für Umwelt, Naturschutz und Verkehr NRW, 31.08.2026 
  • Schriftliche Stellungnahme des Verband Deutscher Verkehrsunternehmen, 28.08.2026

Sendung: WDR.de, Reaktionen auf Preis des Deutschlandtickets, 01.09.2026, 5.00 Uhr.

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