Deutschlandticket wird 2027 wohl wieder teurer | WDR aktuell

Bildquelle: WDR / picture alliance/dpa/ Sebastian Gollnow

WDR 2 Min. 10 Sek. Verfügbar bis 01.09.2028

WDR-Analyse Deutschlandticket wird wohl rund vier Euro teurer 

Stand:

Das Deutschlandticket wird kommendes Jahr teurer. Erstmals greift dabei ein neues Verfahren zur Preisberechnung. So sieht sie aus.

Von Jan Eggers und Leonhard Eckwert
57 | Jetzt mitdiskutieren

Mit dem Deutschlandticket können Nutzerinnen und Nutzer zum monatlichen Festpreis so viele Busse und Bahnen nutzen, wie sie möchten. Der Pauschalpreis für die Nutzung des ÖPNV in Deutschland ist jedes Jahr aber auch eine Preisfrage: Wie teuer wird's? Das WDR-Data-Team hat sich die relevanten Faktoren zur Preisberechnung angeschaut und nachgerechnet.

Gestiegene Personalkosten, deutlich angezogene Dieselpreise, und eingefrorene Zuschüsse von Bund und Ländern: Der Preis des Deutschlandtickets wird ab 1.1.2027 vermutlich um 6,1 Prozent steigen, auf dann 66,80 Euro.

Bereits Anfang August hatten sowohl der Tagesspiegel, als auch die Deutsche Umwelthilfe (DUH) eine Berechnung zum Preis des Deutschlandtickets 2027 veröffentlicht. Die Berechnung der DUH haben wir überprüft, nachgerechnet und mit neuen Daten ergänzt.

Diese Zahl ergibt sich aus einer Formel, die die Verkehrsminister der Länder im Frühjahr festgelegt haben. Auf Basis der Formel hat der WDR den neuen Preis berechnet. Er wird durch steigende Energiepreise beeinflusst - die den Preis gerade im Juli noch einmal kräftig nach oben gezogen haben.

In den vergangenen Jahren hatten die Verkehrsminister der Länder den Preis noch per Beschluss festgelegt: Auf 58 Euro für 2025 und 63 Euro in diesem Jahr. Ab 2027 soll das erste Mal ein Automatismus gelten, der die verschiedenen Interessen von Bund, Ländern und Verkehrsbetrieben berücksichtigt. Letzteren soll ein Ausgleich für gestiegene Kosten zugesprochen werden.

Ein RRX-Zug steht am Bahnsteig im Kölner Hauptbahnhof

Auch die Fahrt mit Zügen des Regionalverkehrs sind im Deutschlandticket enthalten.

Bildquelle: dpa/ Thomas Banneyer

Erstmals setzt sich der Preis also aus zwei Teilen zusammen: einer Berechnung der gestiegenen Kosten bei Personal, Energie und allgemeinen Preisen, und einem so genannten Wertindex. Bei diesem werden die Fördergelder von Bund und Ländern für das Deutschlandticket ins Verhältnis zu den verkauften Tickets gesetzt. Heißt: Je mehr Tickets verkauft werden, desto günstiger kann das Ticket im nächsten Jahr tendenziell werden.

Die Förderung durch Bund und Länder ist per Gesetz auf rund drei Milliarden Euro festgeschrieben, nimmt also bei steigender Inflation anteilig immer stärker ab: Das ist so gewollt, weil die Kosten des Deutschlandtickets nach und nach stärker auf die Kundinnen und Kunden verlagert werden sollen.

Der entscheidendere Faktor für ein teureres Deutschlandticket sind die steigenden Preise: Nach einem Schlüssel, den die Verkehrsminister festgeschrieben haben, werden sie aus Tarifabschlüssen und Erhebungen der Statistikbehörde Destatis aufaddiert. Für das kommende Jahr summiert sich das auf eine Steigerung um 4,5 Prozent.

Einen erheblichen Bestandteil daran haben in diesem Jahr die Dieselpreise, die im Sommer noch einmal kräftig angezogen haben. Das passierte vor allem Juli. In der Berechnung der Deutschen Umwelthilfe, wurden die Energiepreise für Juli noch ausgespart, weil sie noch nicht vorlagen. Deshalb ging die DUH noch von 40 Cent weniger aus, als die WDR-Berechnungen.

Auf einem Schild sind die Tankpreise einer Tankstelle ausgeschrieben

Eine Tankstelle im Juli: Hohe Treibstoff-Preise kamen auch bei den Verkehrsunternehmen an.

Bildquelle: Tobias Schwarz / AFP

Kritik an der erneuten Preissteigerung kommt von der DUH und dem Fahrgastverband Pro Bahn NRW. Dabei geht es um politische Entscheidungen und fehlende Planungssicherheit. Wie die Reaktionen ausfallen und wie die Politik sich äußert, lest ihr hier.

Die Formel der Verkehrsministerkonferenz berücksichtigt einen Kostenfaktor K und einen Wertfaktor W. Die Berechnung des Kostenfaktors ist einfach: Was Personal, Busse, Bahnen und Straßenbahnen kosten wird erfasst. Dazu kommen die Preise für Diesel und Strom. Diese Kosten werden mit einem Anteil von 4,5 Prozent eingerechnet.

Der Wertfaktor berechnet sich aus den Kompensationszahlungen von Bund und Ländern - gesetzlich festgeschrieben auf rund 3 Milliarden netto im Jahr - geteilt durch die Umsätze durch verkaufte Deutschlandtickets im vergangenen Jahr. Diese Zahlen hat die Monitoring-Firma D-TIX, die von den Verkehrsministern mit der Festlegung des neuen Preises beauftragt ist; sie lassen sich aber aus einer Evaluations-Studie zum Deutschlandticket herauslesen, die das Bundesumweltministerium im Mai veröffentlicht hat.  

Logo des Deutschen Statistischen Bundesamtes auf graum Hintergrund mit Binärzahlen

Daten zur Preisentwicklung in Deutschland sammelt das Bundesamt für Statistik Destatis.

Bildquelle: WDR / picture alliance / Sipa USA

Die Berechnung ist angelehnt an die Musterberechnung der Deutschen Umwelthilfe und des "Tagesspiegel" von Anfang August. Beide hatten allerdings noch nicht die aktuellsten Zahlen für gestiegene Energiepreise und die sonstige Inflation; diese liegen über das Statistikamt Destatis seit Ende August vor.

Wie teuer wird das Deutschlandticket?

WDR 31.08.2026 1 Min. 26 Sek. Verfügbar bis 30.08.2028 WDR Online

Umfrage zum Deutschlandticket mit Leonie am Solinger Hauptbahnhof

Studentin Leonie am Solinger Hauptbahnhof

Bildquelle: René Rabenschlag

Dafür haben wir uns am Solinger Hauptbahnhof umgehört. Leonie ist Studentin, bei ihr ist das Deutschlandticker bereits im Semesterbeitrag enthalten. "Ich habe es auch eine Zeit lang selbst bezahlt, das ist als Studentin schwierig gewesen", sagt die 20-Jährige. Grundsätzlich sei der Betrag aber noch in Ordnung. 

Umfrage zum Deutschlandticket mit Gordena am Solinger Hauptbahnhof

Gordana nutzt das Deutschlandticket gerne.

Bildquelle: René Rabenschlag

Gordana findet die Preiserhöhung nicht gut, nutzt aber das Deutschlandticket gerne. "Wenn jetzt noch die Züge pünktlich kommen, ist es ideal. Ich finde den Preis immer noch im Rahmen. Bis 70 Euro wäre es ok, danach ist Schluss", sagt die 54-Jährige.

Umfrage zum Deutschlandticket mit Kathrin am Solinger Hauptbahnhof

Kathrin fürchtet, dass weniger Menschen Zug fahren.

Bildquelle: René Rabenschlag

Kathrin findet die Preiserhöhung nicht zielführend. "Ich werde es gezwungenermaßen weiter abbonieren, aber es treibt halt wieder mehr Menschen zurück auf die Straße und sorgt dafür, dass weniger Menschen Zug fahren. Das finde ich nicht in Ordnung", sagt die 58-Jährige.

Unsere Quellen:

  • Berechnungsformel: Beschluss der Verkehrsministerkonferenz in Lindau, 26.03.2026
  • Musterberechnung der Deutschen Umwelthilfe, 04.08.2026
  • Evaluation des Deutschlandtickets im Auftrag des Bundesverkehrsministeriums
  • Destatis-Preisindizes 61111-0002 und 61111-0004  

Sendung: WDR.de, Wie teuer wird das Deutschlandticket?, 01.09.2026, 5 Uhr

Kommentare zum Thema

57 Kommentare

  • 57 Peter Steinmeyer 01.09.2026, 23:43 Uhr

    Ich nütz es einmal im Monat zum Flughafen, von Nördlingen nach München und dann wieder zurück ich pendel alle 4 bis 6 Wochen hin und her und ehrlich gesagt es lohnt sich für mich eigentlich gar nicht mehr

  • 56 machen statt zerreden 01.09.2026, 22:45 Uhr

    Ja, Handeln statt zu viel Kaputt reden. Bei mir gibt es die A44 und sie ist immer noch nicht zu Ende gebaut, weil die ewig Gestrigen und Weitere bis zum St. Nimmerleinstag prozessiert haben, aus den unterschiedlichsten Gründen. Diese Gründe mögen gerechtfertigt sein, doch die Verfahren, um dies rechtskonform zu beenden, sollten maximal in zwei Jahren abgeschlossen sein. Dies hat nichts mit dem D-Ticket zu tun, doch es ist ein Abbild unserer exorbitanten Bürokratie und der Kleinkariertheit in unser ALLER Denken. Nach dem 2ten Weltkrieg wurde aus der Not heraus gehandelt und nicht alles zerredet, sonst hätten wir heute nicht unser Leben, wie wir es führen.

  • 55 über den Tellerrand sehen 01.09.2026, 22:25 Uhr

    ja, sehen was und wie es in anderen Ländern möglich ist. Wir denken viel zu kleinkariert. Jeder Ort hat beinahe seine eigenen Verkehrsbetriebe mit hohen Verwaltungskosten. Hier in der Region gibt es genug Beispiele: in Düsseldorf und dem Kreis Mettmann die Rheinbahn - in Neuss die Stadtwerke und so weiter. DAS MUSS NICHT SEIN. Dieses Kirchturmdenken ist Kosten treibend. Ein Ansatz wäre pro Regierungsbezirk ein Verkehrsbetrieb und in ganz NRW ein Verkehrsverbund. Die Einsparungen wären immens und kämen uns ALLEN zu Gute. Denn jeder Verkehrsbetrieb oder -verbund hat einen Verwaltungsapparat mit immensen Kosten und durch die Reduzierung der Verwaltungen lassen sich Kosten zu unser ALLER WOHL einsparen. und was den Tellerrand betrifft. unser Nachbarland Österreich zeigt explizit, was im ÖPNV möglich ist. Selbst im fernen Mexiko zahlt man nur einen Anerkennungsbetrag zur Erfassung der Passagiere. Und das System funktioniert fantastisch.

  • 54 Bahnfahrerin 01.09.2026, 19:20 Uhr

    Schade, dass die Politik nicht versteht, dass sie mutige Impulse setzen muss, um Klima und Lebensstandard zu retten. Das Deutschlandticket für 9€ war so ein Impuls.

  • 53 Schuster 01.09.2026, 18:45 Uhr

    Schuster bleib bei deinen Leisten. Jetzt fühlt sich schon der öffentliche Rundfunk/Fernsehen zu Preisprognosen berufen. Erinnert mich irgendwie an die Bild.

  • 52 Herr Deutschlehrer 01.09.2026, 18:22 Uhr

    Dieser Kommentar wurde gesperrt, weil er gegen unsere Netiquette verstößt. (die Redaktion)

  • 51 Rolf 01.09.2026, 17:38 Uhr

    Ich will nur zur Arbeit und zurück. Warum nicht 2 unterschiedliche Tickets? 1 für Pendler mit nur wenigen X Kilometer. (Bei mir 7Km) Und 1 für "Weltenbummler", die ganz Deutschland bereisen.

  • 50 AllesSchnulli 01.09.2026, 17:23 Uhr

    Entfernungspauschale sofort abschaffen. Kosten, die nicht anfallen, nicht noch steuerlich geltend machen und subventioniertes DT in Anspruch nehmen.

    Antworten (1)
    • Apfelschorli 01.09.2026, 18:13 Uhr

      Entfernungspauschale gibt es auch für Radfahrer. Das wusste der schöne Robert H. nicht. Lange Pendlerwege sind normal, weil die Migrationspolitik von Merkel dafür gesorgt hat, dass in Innenstädten Wohnungsnot herrscht. Die Alternative wäre höchstens gar nicht mehr arbeiten.

  • 49 Canasta Furie 01.09.2026, 16:01 Uhr

    Die Wahrheit: Das Deutschlandticket ist das neue Jobticket. Es soll Arbeitgeber finanziell entlasten und Arbeitnehmer sollen längere zeitintensivere Wege in Kauf nehmen. Es ist politisch nicht gewollt, dass der Punker nach Sylt fährt oder der Arbeitslose von Mönchengladbach nach Koblenz zum Kaffeetrinken. Diese sollen sich künftig ein preiswerteres Regionalticket kaufen. Ich schreibe das ohne Wertung.

  • 48 SuAlfons 01.09.2026, 14:35 Uhr

    Einzeltickets werden auch teurer. In vielen Fällen liegt des D-Ticket weit unter den Kosten einer Monatskarte. Mein ex-Chef hat bis zu seiner Rente fast 200€ jeden Monat bezahlt, in D-Mark kratzte es auch schon an den 300DM. Und das war nur S-Bahn. 5 oder 6 Stationen im Rhein-Main-Gebiet. Ich hätte gerne einen Job, wo ich mit den Öffis hinfahren könnte. Meine Tochter fährt mit dem Semesterticket, meinem Sohn müssen wir den Zweitwagen mitgeben zum FSJ. (Öffis 80-120min für ne Fahrt von 25min direkt).

  • 47 Lemmi 01.09.2026, 14:27 Uhr

    Ganz ehrlich, in einigen Orten ist das DTicket zu günstig, wenn man bedenkt, dass es dort zu Spitzenzeiten viel zu volle Busse gibt.

Weitere Beiträge aus NRW

1 / 2