Ein Mann steht mit dem Rücken zur Kamera vor einem Wochenmarkt.

Mark ist obdachlos und darauf angewiesen, zu betteln. Sein Gesicht möchte er nicht zeigen.

Bildquelle: WDR / Jannis Weiser

Dortmund und das Bettelverbot "Ich will nicht ins Gefängnis!"

Stand:

Seit Anfang August gilt das neue Bettelverbot in Dortmund. Seitdem ist auch das sogenannte stille Betteln im Umkreis von fünf Metern um die Außengastronomie nicht mehr erlaubt. Bislang hat das Ordnungsamt kontrolliert und ermahnt - ab heute drohen Bußgelder.

Von
Logo des Westdeutschen Rundfunk
Jannis Weiser

Samstagvormittag in der Dortmunder Innenstadt. Am Rand des Wochenmarktes kommt unser WDR-Reporter mit Mark ins Gespräch, seinen Nachnamen will er nicht nennen. Er selbst sagt, dass er seit mehreren Jahren obdachlos sei und keine Drogen nehme. Erst kürzlich sei er angegriffen worden, er wolle deswegen "runter von der Straße".

Angesprochen auf das neue Bettelverbot, schüttelt er nur mit dem Kopf. Bringen würde das nicht so viel, erklärt Mark. Das Problem werde sich wenn überhaupt verschieben, ist er sich sicher. Er jedenfalls werde, wie andere auch, weiter betteln. "Ansonsten müsste ich klauen. Man treibt die Obdachlosen damit in die Kriminalität", führt er aus. Für ihn sei das keine Option.

"Ich will nicht ins Gefängnis! In einer kleinen, muffigen Zelle mit einer kratzigen Wolldecke zu sitzen ist nicht schön." Mark aus Dortmund, seit mehreren Jahren obdachlos

Dann holt Mark mehrere Bußgeld-Bescheide des Dortmunder Ordnungsamtes aus einer seiner Taschen. Die hat er schon vor dem neuen Bettelverbot bekommen, denn auch wenn er stets versuche möglichst gepflegt auszusehen und freundlich zu sein: Wer Menschen aktiv anspricht und sie um Geld bittet, hat in Dortmund, wie vielerorts, auch schon vor Beginn der neuen Regel ein Bußgeld riskiert.

Bei Mark geht es teils um mehrere hundert Euro. Bezahlen könne er die "logischerweise" nicht. Im Gefängnis sei er deswegen aber noch nicht gewesen. Da wolle er auch auf keinen Fall hinkommen. Grundsätzlich könnte das aber passieren, wenn eine sogenannte Erzwingungshaft angeordnet wird, weil Bußgeldbescheide offen bleiben.

Müssen Bußgelder wirklich sein?

Wir hören uns um, was die Marktbesucher vom neuen Bettelverbot und den möglichen Konsequenzen für Bettler halten. "Manchmal ist das schon etwas penetrant, wenn man irgendwo in Ruhe sitzen möchte. Aber trotz alledem berühren viele ihrer Geschichten, wenn sie denn der Wahrheit entsprechen", erklärt Volker Teilken. Er frühstückt gerade mit seiner Familie eine Waffel.

Ähnlich sieht das auch seine Ehefrau Melanie Teilken: "Wenn es Zonen gibt, von denen sie sich fernhalten müssen, dann ist das in Ordnung. Aber ich finde Bußgelder gehen einen Schritt zu weit". Dass sich durch das neue Verbot großartig etwas ändern wird, bezweifeln beide.

Drei Frauen und ein Mann sitzen auf Steinstufen vor einem Imbiss.

Familie Teilken beim Waffel-Frühstück auf dem Markt. Auf Bettelversuche reagieren sie gelassen.

Bildquelle: WDR / Jannis Weiser

Ähnliche Antworten kommen noch oft an diesem Tag: Dass etwas passieren muss, sagen so gut wie alle Menschen, die wir fragen. Ob weitere Bußgelder sein müssen und wie positiv der Effekt der neuen Regeln tatsächlich sein wird, hinterfragen viele.

Stadt und Gastronomen melden erste positive Bilanz

Bei der Stadt Dortmund, zeigt man sich zufrieden. Es hätte in den ersten zwei Wochen keine besonderen Vorkommnisse gegeben. Die meisten Bettelnden hätten verständnisvoll auf ermahnende Worte des Ordnungsamtes reagiert. Auch die Gastronomen seien laut Stadt positiv gestimmt, dass sich die Situation rund um ihre Betriebe verbessert.

Fest steht: Ein Bettelverbot wie in Dortmund gibt es in anderen Städten bislang nicht. Ob das Verbot rechtlich in Ordnung ist, müssen jetzt Gerichte entscheiden. Und was es tatsächlich bringt, wird sich wohl innerhalb des nächsten Jahres zeigen. Denn so lange soll es das neue Bettelverbot in Dortmund erst einmal geben.

Schonfrist beim Dortmunder Bettelverbot ist vorbei

WDR 15.08.2026 1 Min. 46 Sek. Verfügbar bis 14.08.2028

Unsere Quellen:

  • Eindrücke des WDR-Reporters
  • Gespräche mit bettelnden Menschen in Dortmund
  • Gespräche mit Besuchern der Dortmunder Innenstadt
  • bisherige WDR-Berichterstattung

Sendung: WDR 5, Tag um zwölf, 15.08.2025, 12:00 Uhr

Weitere Beiträge aus Dortmund

1 / 2