Am Alten Markt sollen laut Dortmunder Wirten Gäste belästigt werden.
In dem mehrere Seiten langen Brief schildern die Gastronomen von neun Betrieben (vollständige Liste am Ende des Textes), was sie tagtäglich am Alten Markt erleben. In dem Schreiben ist die Rede von Bettlern und Drogenabhängigen, die im Brunnen am Markt vor hunderten Gästen nackt badeten, von tätlichen Angriffen auf Mitarbeiter, "urinieren und koten auf unseren Terassen", sowie der Belästigung der Gäste durch aggressives Betteln. Abhängige würden direkt neben den Gästen Drogen konsumieren.
"Es geht uns um die alltäglichen Störungen unserer Gastronomiebetriebe, welche von den vielen verwahrlosten Bettlern und/oder Drogenkonsumenten ausgehen und seit vielen Jahren bestehen." Aus dem Brief der Dortmunder Wirte an die Politik
Die Gastronomen berichten über zwei konkrete Fälle. Ein Mann habe in aller Seelenruhe am Brunnen am Markt seine Spritzen für den Drogenkonsum vorbereitet, ohne dass der städtische Ordnungsdienst eingegriffen habe. An einem anderen Tag habe ein verwahrloster Mann im Brunnen vor zahlreichen Kindern ein Vollbad genommen und jede Körperstelle gesäubert. Zwischendurch habe er in Ruhe ein Bier getrunken und die Flasche zerschmissen. Die Polizei habe den Mann baden lassen.
Keine Reaktion auf ersten Brief an die Stadt
Die Wirte hatten bereits am 20. April einen Brief an die Stadt geschrieben, der nach ihrer Aussage "ohne nennenswerte Resonanz" geblieben sei. Nun wenden sie sich gezielt an SPD, Grüne und Linke, weil diese zuletzt zusammen Anträge zur Drogenpolitik im Dortmunder Rat beschlossen hatten. Unter anderem die Einführung des Zürcher Modells in Dortmund geht auf eine Initiative der drei Fraktionen zurück.
"Fehlentscheidungen und Hilflosigkeit" der Politik
Die Wirte werfen der Politik "Fehlentscheidungen" und "Hilflosigkeit" vor. Dies habe zur aktuellen Situation geführt. "Deshalb fordern wir sie auf: Bitte hören Sie mit ideologischen Scheingefechten auf." Stattdessen solle die Politik die Realität sehen und echte Lösungen erarbeiten.
"Die Darstellungen der Wirte sind erschreckend", sagt Daniela Worth, sozialpolitische Sprecherin der SPD im Dortmunder Rat, die den Brief gelesen hat: "Für uns sind die Informationen der Wirte elementar. Es ist wichtig, sie in die Gespräche mit einzubeziehen".
Politik: Verständnis für Sorgen der Wirte
"Wir sehen die Zustände am Alten Markt", betont auch Benjamin Beckmann von der Fraktion "Die Grünen & Volt": "Es ist unangenehm. Wir verstehen die Sorgen der Gastronomen." Beckmann betont in Bezug auf Bettler und Drogenabhängige auch: "Das sind Menschen, die unsere Solidarität verdienen. Nur Verdrängen wird in einer Großstadt nicht gehen".
Alle müssten sich jetzt an einen Tisch setzen, sagt Sozialdemokratin Worth. Sie sieht beim Zürcher Modell noch Erklärungsbedarf. Erst wenn es genügend Hilfsangebote gäbe, könne die Stadt mit einer Null-Toleranz-Politik auf Drogenabhängige in der Stadt reagieren. SPD, Grüne und Linke wollen nun mit den Wirten reden. Ein Termin muss noch vereinbart werden.
Unsere Quellen:
- Brief der Gastronomen der Gaststätten "Zum Alten Markt", "Wenkers", "Stade Life", "Maximilian", "Gänsemarkt", "Zum Sauren", "Pfefferkorn", "Central", "Sixty Seconds"
- Daniela Worth, SPD-Fraktion
- Benjamin Beckmann, Fraktion "Die Grünen & Volt"
Sendung: WDR.de, Wirte schreiben Brief an Politik, 10.06.2026, 5 Uhr
