JP Kraemer sitzt bei einer Pressekonferenz an einem Tisch.

JP Kraemer hat Gewalt gegenüber seiner Frau eingeräumt.

Bildquelle: Christoph Hardt/Geisler-Fotopress

Häusliche Gewalt Aus ihrer Geschichte wird seine

Stand:

JP Kraemer gibt Gewalt gegenüber seiner Frau Julia Meck zu. Warum fragen alle: Wie geht es ihm? Und kaum jemand: Wie geht es ihr?

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Kristin Trüb

Im Fall JP Kraemer sind die Fakten, über die diskutiert wird, bemerkenswert klar: Seine Noch-Ehefrau Julia Meck schildert jahrelange Gewalt in der Beziehung. Mindestens ein Video dokumentiert einen Übergriff. Kraemer selbst hat körperliche Gewalt eingeräumt.

Die öffentliche Debatte dreht sich aber vor allem um ihn: Um seine Entschuldigung, seine Theapie, seine Unternehmen und seine Zukunft.

Jean Pierre Kraemer sitzt vor einem Rennwagen und redet in ein Mikrofon, während er eine gewalttätige Aufnahme einblendet

JP Kraemer: Er wird zur Hauptfigur

Es ist ein bekanntes Muster: Selbst in Geschichten über Gewalt gegen Frauen bleibt am Ende oft der Mann die Hauptfigur. Die Frau, die über die Gewalt gesprochen hat, verschwindet aus dem Blick. Aus ihrer Geschichte wird seine.

Dazu trägt auch ein Teil der Community bei. JP-Fans organisieren Treffen vor Kraemers Unternehmen, um ihm ihre Unterstützung zu zeigen. Das ist ihr gutes Recht. Irritierend ist aber, wie wenig Mitgefühl für die Frau übrig bleibt, die von der Gewalt berichtet. Während für ihn demonstriert wird, erhält sie Hassnachrichten und Morddrohungen.

Am 05. September, kurz nach JP Kraemers Ankündigung, alle seine Unternehmen zu schließen, versammeln sich rund 500 Fans vor seiner Dortmunder Werkstatt. Sie wollen ein Zeichen setzen, dafür, dass sie weiter zu Jean-Pierre Kraemer, wie er mit bürgerlichem Namen heißt, halten.

Wie verhält sich ein Opfer?

JP-Fans setzen Zeichen: Etwa 500 Fans versammeln sich in Dortmund

Viele Fans haben Campingstühle mitgebracht, um den ganzen Nachmittag vor der Tuning-Werkstatt zu verbringen.

Bildquelle: Kristin Trüb

Julia Meck verhalte sich nicht wie ein Opfer, erklärt dort eine Frau und bezieht sich auf das veröffentlichte Video: "Sie hatte keine Angst. Jemand, der wirklich Angst hat, der schützt sich. Ich finde, auf dem Video, sie hat provoziert." Aber wie verhält sich ein Opfer eigentlich?

Weinend vor laufender Kamera? Verängstigt in der Öffentlichkeit? Dankbar für jedes Zeichen von Mitgefühl? Frauenberatungsstellen weisen seit Jahren darauf hin, dass es das eine Opferverhalten nicht gibt. Menschen reagieren unterschiedlich auf Gewalt, auf Angst, auf Demütigung und auf Traumata.

Verharmlosung von häuslicher Gewalt

"Was da passiert ist, ist Privatsache." Ein JP-Fan beim Treffen in Dortmund

Doch das ist es nicht. Es geht hier nicht um einen privaten Rosenkrieg.

Häusliche Gewalt zählt zu den häufigsten Gewaltformen in Deutschland. Betroffen sind überwiegend Frauen. Für die Betroffenen hat sie oft schwerwiegende körperliche und psychische Folgen. Wer Gewalt in Partnerschaften zur Privatsache erklärt, verharmlost sie und sendet eine fatale Botschaft an all jene, die ähnliche Erfahrungen machen.

Fakten zu häuslicher Gewalt:

  • Häusliche Gewalt zählt in Deutschland zu den häufigsten Gewaltformen.
  • Jede vierte Frau in Deutschland hat bereits Gewalt durch Beziehungspartner erlebt.
  • Alle zwei bis drei Tage wird in Deutschland eine Frau von ihrem (Ex)-Partner ermordet.

Die Frage ist längst nicht mehr, ob JP Kraemer Fehler gemacht hat. Das hat er selbst beantwortet. Die eigentliche Frage lautet, warum aus einer Geschichte über häusliche Gewalt in kurzer Zeit eine Geschichte über JP Kraemer geworden ist. Über seine Entschuldigung. Seine Therapie. Seine Unternehmen. Seine Zukunft.

Und warum so viele Menschen fragen, wie es ihm geht, und so wenige, wie es wohl Julia Meck geht.

JP Kraemer: Aus Julia Mecks Geschichte wird seine

WDR 15.09.2026 52 Sek. Verfügbar bis 14.09.2028 WDR Online

Unsere Quellen:

  • GESINE Intervention
  • bisherige WDR-Berichterstattung

Sendung: WDR.de, JP Kraemer: Aus Julia Mecks Geschichte wird seine, 15.09.2026, 10:07 Uhr

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