Eine brennende Zigarette, deren Qualm sehr gut erkennbar ist.
Bildquelle: Pixabay / pexels.comTeurer Qualm : Wie viel Rauchen dem Staat bringt und den Bürger kostet
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In Dortmund findet von Dienstag bis Donnerstag wieder die "Intertabac" statt. Die nach Angaben der Veranstalter größte Fachmesse rund um Raucherbedarf hat im vergangenen Jahr über 14.000 Besucher angelockt. Aber wie zeitgemäß ist das Rauchen überhaupt noch?
Eine Schachtel Zigaretten kostet am Automaten um die 10 Euro - in der Packung sind, je nach Sorte, meist zwischen 20 und 24 Zigaretten. Dass das für Raucher ein teurer Spaß ist, dürfte unstrittig sein. Aber wie sieht es mit den Kosten für die Allgemeinheit aus? Oder gleichen die hohen Steuereinnahmen das wieder aus, wie von Raucherseite gerne argumentiert wird?
Sind Zigaretten noch gefragt?
Auf Anhieb denkt man beim Stichwort "Rauchen" erstmal an die gewöhnliche Zigarette, ob fertig gekauft oder selbstgedreht. Das ist naheliegend, denn sie ist nach wie vor das am häufigsten genutzte Raucherprodukt.
Im Jahr 2024 wurden in Deutschland rund 66 Milliarden Zigaretten geraucht, wie im Datenportal des Bundesdrogenbeauftragten Hendrik Streeck nachzulesen ist. Rein statistisch raucht also jeder Bundesbürger fast 800 Zigaretten im Jahr. Die meisten Zigaretten werden an Tankstellen und im Lebensmittelhandel verkauft.
Zu Tabakprodukten zählen auch Zigarren und Zigarillos. Mit 2,3 Milliarden Stück sind sie aber deutlich weniger nachgefragt, ebenso Tabak für Pfeifen und Wasserpfeifen.
Seit einigen Jahren gibt es außerdem die E-Zigarette, auch Vape genannt. Hier wird eine Flüssigkeit - das Liquid - erhitzt. Der Nikotingehalt ist unterschiedlich, darf aber einen bestimmten Grenzwert nicht überschreiten. 2024 wurden 1,3 Millionen Liter Liquids und vorbefüllte E-Zigaretten verkauft.
Wie viele Menschen rauchen?
In Deutschland raucht jeder vierte Erwachsene. NRW liegt mit dem Anteil der Rauchenden sowohl bei Erwachsenen als auch bei Jugendlichen im oberen Mittelfeld, verglichen mit den anderen Bundesländern.
Die Männer sind in der Überzahl, das ist in allen Altersgruppen so. Insgesamt ist der Anteil der Rauchenden in der Bevölkerung aber seit Jahren rückläufig. Das steht im aktuellen Tabakatlas 2025, den das Deutsche Krebsforschungszentrum veröffentlicht hat. Anders ist das aber, wenn man die Gruppe der Jugendlichen und jungen Erwachsenen betrachtet: Hier steigt der Anteil der Raucher bundesweit in den letzten Jahren sogar leicht, bei den 12- bis 17-Jährigen liegt er bei 7 Prozent.
Besonders viele Raucher gibt es in der Gruppe der Erwachsenen zwischen 18 und 29 Jahren: Dort sind es über 40 Prozent der Männer und 30 Prozent der Frauen. Allgemein kann man sagen: Je höher die Altersgruppe, desto geringer ist der Anteil von Rauchenden.
E-Zigaretten auf dem Vormarsch
Vor allem E-Zigaretten legen deutlich zu, sagt der Bundesdrogenbeauftragte Hendrik Streeck. 2015 rauchten 2,5 Prozent der 18- bis 64-Jährigen E-Zigaretten - 2024 waren es schon 8,3 Prozent.
Das Dampfen einer E-Zigarette gilt als weniger schädlich als das Rauchen einer herkömmliche Tabakzigarette. Doch Vapen ist keineswegs ungefährlich. Das Deutsche Krebsforschungszentrum schreibt im Tabakatlas dazu: "Mehrere Substanzen, die beim Erhitzen des Liquids entstehen, sind krebserzeugend oder stehen im Verdacht, Krebs zu erzeugen."
Was kostet das Rauchen die Allgemeinheit?
Die Folgekosten des Rauchens liegen laut Tabakatlas derzeit bei knapp über 97 Milliarden Euro im Jahr. Sie setzen sich demnach aus den direkten Kosten - zum Beispiel für Krankheitsbehandlungen und Pflege - zusammen und den indirekten Kosten. Hierzu zählen Folgekosten, die etwa durch Arbeitsunfähigkeit anfallen. Sie machen den größten Teil dieser Summe aus.
Krankheiten und Behandlung
Die Zahl der Krankenhauseinweisungen wegen typischer Raucherkrankheiten steigt nicht nur in NRW. Nach Zahlen der AOK NordWest wurden deshalb im Jahr 2024 knapp über 112.000 Menschen stationär in einer Klinik behandelt. Das sind 2,5 Prozent mehr als im Jahr zuvor.
Auf das gesamte Bundesgebiet bezogen kommt der Report des Drogenbeauftragten zu ähnlichen Ergebnissen: Demnach sind 2,3 Prozent aller Krankenhausaufenthalte im Jahr 2024 auf Raucherkrankheiten zurückzuführen.
Statistisch ist es nicht so einfach, Ursache und Wirkung eindeutig zu erfassen, denn beim Statistischen Bundesamt zum Beispiel werden bei den Sterbefällen nur die Lungenerkrankung COPD und einige Krebsarten als raucherspezifisch erfasst. Allerdings kann Rauchen auch Auswirkungen auf Herz-Kreislauf-Erkrankungen haben und - wie eine neuere Studie nahelegt - auch auf das Immunsystem. Oft ist gar nicht eindeutig, welche Symptome wirklich auf das Rauchen zurückzuführen sind. Statistisch gesehen sind sich aber alle Forschenden einig: Rauchen ist alles andere als gesund.
Typische Raucherkrankheiten: Krebs, COPD
Rauchen ist der mit Abstand größte Risikofaktor für Krebserkrankungen, sagt das Deutsche Krebsforschungszentrum. Es geht von 130.780 Todesfällen im Jahr 2023 aus, die auf das Rauchen zurückzuführen sind. Bei 20 Prozent aller Krebsfälle, die neu diagnostiziert werden, gilt Rauchen als Ursache.
Die häufigste Krankheit, die mit dem Rauchen im Zusammenhang steht, ist aber die chronisch obstruktive Lungenerkrankung (COPD). Patientinnen und Patienten leiden unter Luftnot, Atemnot und Husten, die Atemwege sind dauerhaft verengt. In NRW meldet die AOK NordWest in diesem Jahr 817.000 COPD-Patienten. Tabakkonsum sei bei 80 bis 90 Prozent der Fälle der Grund.
Kostenfaktor Raucher für den Arbeitgeber
Raucherpausen führen zwar oft zu Unmut bei den nichtrauchenden Kollegen, gelten aber nicht als Arbeitszeit. Die Arbeit der Raucher übernehmen sie unter Umständen dann doch mit - und zwar, wenn diese krankheitsbedingt ausfallen. Denn Raucher haben bei einigen Krankheiten ein höheres Risiko, deshalb auszufallen. Der Arbeitgeber muss den Lohn weiterzahlen.
Was verdient der Staat am Rauchen?
Der Staat lässt sich das Laster Rauchen gut bezahlen. Alleine Zigaretten brachten dem Staat 2025 mit der Zigarettensteuer über 13 Milliarden Euro ein, so das Statistische Bundesamt. Dazu kommt noch die Mehrwertsteuer. Zigaretten sind das am höchsten besteuerte Tabakerzeugnis.
Die Einnahmen aus der Tabaksteuer liegen bei 17,6 Milliarden Euro pro Jahr. Das klingt im ersten Moment nach sehr viel, ist aber nur ein Bruchteil der durch das Rauchen entstandenen Kosten für Gesundheitssystem und Volkswirtschaft mit 97 Milliarden Euro.
Wie schützt der Staat seine Bürger vor den Folgen?
In den vergangenen Jahren hat der Staat immer wieder die Tabaksteuer erhöht. Das hat dazu geführt, dass Zigaretten deutlich teurer geworden sind. Im April hat sich die Bundesregierung auf eine weitere Erhöhung geeinigt. 2030 würde eine Schachtel Zigaretten dann knapp 11,40 Euro kosten. Mit der Maßnahme will die Bundesregierung auch die gesundheitlichen Folgen des Rauchens abmildern.
Nicht nur Raucher riskieren ihre Gesundheit. Auch beim sogenannten Passivrauchen atmen Umstehende die schädlichen Stoffe ein. Tabakrauch enthält mehr als 4.800 verschiedene Substanzen, von denen mindestens 250 gesundheitsschädlich sind. Schon kurzzeitiges Passivrauchen kann die Atemwege reizen. Jährlich sterben über 2.000 Menschen an einer Erkrankung der Herzkranzgefäße, die durch Passivrauchen verursacht ist, und über 770 Nichtraucher erliegen einem passivrauchbedingten Schlaganfall, schreibt das NRW-Gesundheitsministerium dazu.
In den vergangenen Jahren ist der Schutz der Nichtraucher immer mehr in den Fokus gerückt. Seit 2007 verbietet das Bundesnichtraucherschutzgesetz das Rauchen in Einrichtungen des Bundes, in öffentlichen Verkehrsmitteln und in Bahnhöfen. Seit 2008 gilt in NRW ein Rauchverbot in Gaststätten, anfangs noch bestehende Ausnahmen wurden 2013 abgeschafft.
Zuletzt hatte NRW im Bundesrat versucht, ein Rauchverbot im Auto, wenn Kinder dabei sind, auf den Weg zu bringen. Immer wieder gibt es Gerichtsurteile, die das Rauchen sogar in der eigenen Wohnung einschränken, wenn Nachbarn dadurch belästigt werden. Und aktuell klagt in Baden-Württemberg jemand für ein Rauchverbot in den Zelten eines großen Volksfestes.
Unsere Quellen:
- Landesamt für Statistik NRW
- Pressemitteilung Bundesamt für Statistik
- Datenportal Bundesdrogenbeauftragter
- Tabakatlas 2025 Deutsches Krebsforschungszentrum
- AOK NordWest
- Fragen zum Nichtraucherschutz, Ministerium für Arbeit, Gesundheit und Soziales NRW
- Intertabac
- bisherige WDR-Berichterstattung
Sendung: WDR.de, Wie viel Rauchen dem Staat bringt und den Bürger kostet, 15.09.2026, 5:04 Uhr
