Pflegereform: Eltern fühlen sich allein gelassen
Bildquelle: WDR/Nicole WernerWDR. 3 Min. 19 Sek.. Verfügbar bis 17.09.2028.
Eltern bei der Pflege am Limit : Reformideen stoßen auf Widerstand
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Es soll gespart werden: und zwar auch an den Stellen, wo es weh tut. Alles kommt auf den Prüfstand. Die Kürzungspläne der Bundesregierung enthalten 70 Einsparvorschläge. Darunter auch Punkte, die pflegende Angehörige betreffen würden.
Familie Juhls aus Lünen ärgert sich über die Einsparvorschläge, die im Bundestag diskutiert werden. Ihr Tochter Jette hat das Rett-Syndrom. Sie ist permanent auf Pflege angewiesen, kann durch den Gendefekt nicht mehr sprechen und sich kaum noch selbstständig bewegen.
Eltern fühlen sich alleine gelassen
"Ich würde die Politiker, die das entscheiden müssen, gerne mal zu uns einladen. Dann sehen sie mal wie der Alltag mit einem behinderten Kind wirklich ist", sagt Jana Julhs. Sie und ihr Mann Stephan arbeiten beide als Lehrer. Mittlerweile in Teilzeit, denn anders ist der Pflegeaufwand nicht zu bewältigen. Die beiden haben noch einen 11-jährigen Sohn.
Alltag ist stressig genug
Stephan und Jana Juhls pflegen ihre Tochter selbst.
Bildquelle: WDR/Nicole Werner"Wir könnten hier eine Verwaltungskraft anstellen, nur um die ganzen Rechnungen, Anträge und Bescheinigungen zu bearbeiten", erklärt Stephan Juhls. Allein den nötigen Treppenlift für die 8 Jahre alte Jette zu besorgen, hat Monate gedauert. Die Pflegekasse lehnte das 15 0000 Euro teure Hilfsmittel erstmal ab. Die Familie musste also vorstrecken und Einspruch einlegen. "Dann flattern hier Rechnungen in einer Höhe rein, die schmerzen. Bis die Kasse zahlt, vergeht zu viel Zeit. Auf den Mahngebühren bleiben wir dann sitzen.", erklärt Juhls.
Ein internes Arbeitspapier einer Arbeitsgruppe aus Bund, Ländern und kommunalen Spitzenverbänden im Bundeskanzleramt enthüllte drastische Kürzungspläne und über 70 Einsparvorschläge im Sozialbereich im Umfang von mindestens 8,6 Milliarden Euro.
Hintergrund und Reaktionen
- Entstehung: Das Dokument wurde im Frühjahr 2026 durch den Paritätischen Gesamtverband öffentlich gemacht und stammt aus Beratungen zur Entlastung kommunaler Haushalte.
- Kritik: Wohlfahrtsverbände, Gewerkschaften wie ver.di und die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) sprechen von einem „sozialen Kahlschlag“ zu Lasten der Schwächsten.
- Politik: Während die Opposition im Bundestag die Pläne scharf verurteilte, verteidigte die Koalition bzw. die Unionsseite die Sammlung als notwendige und offene Prüfung auf Arbeitsebene zur Sicherung der staatlichen Handlungsfähigkeit.
Konkrete Kürzungs- und Reformvorschläge
- Kinder- und Jugendhilfe: Diskussionen über die Einschränkung der Nachbetreuung für junge Erwachsene ab 18 Jahren, mögliche Verschiebungen beim Rechtsanspruch auf Ganztagsbetreuung in Grundschulen sowie Standardsenkungen bei der Unterbringung unbegleiteter geflüchteter Jugendlicher.
- Menschen mit Behinderungen: Vorgeschlagen werden unter anderem Einschränkungen des individuellen Rechtsanspruchs auf Schulbegleitung, die Absenkung von Fachkraftquoten sowie die Deckelung oder Nicht-Anerkennung von Tarifsteigerungen in der Eingliederungshilfe.
- Familien: Kürzung der Rentenzuschüsse bei pflegenden Angehörigen und Einschränken der Verhinderungspflege (z.B. nur bei Krankheit)
Reform spare bei den Falschen
Wenn jetzt noch die Zuschüsse zu den Renten von pflegenden Angehörigen gekürzt werden, die Beantragung von Verhinderungspflege komplizierter oder das Pflegegeld an engere Bedingungen geküpft wird, dann stehen Angehörige vor großen Problemen. Das Ehepaar hat erst kürzlich die Bewilligung zur Teilzeit bekommen. Das wirke sich auf die spätere Rentenzahlung aus. Eine Kürzung um bis zu 30 Prozent der Zuschüsse, wurde vorgeschlagen.
Einige Politiker haben sich aber schon dagegen ausgesprochen. Eine Diskussion, die Stephan Juhls mit großer Sorge beobachtet. "Dabei haben wir schon genug damit zu tun allem gerecht zu werden. Pflege, arbeiten, sich um das zweite Kind kümmern", das kostet enorm viel Kraft", erklärt Jana Juhls. Sich dann auch noch mit der Sorge beschäftigen zu müssen, wie künftige Reformen sich auf ihr Leben auswirken, dass ärgert die Familien aus Lünen. Nur eines ist klar: um die Pflege ihre Tochter Jette wollen sie sich zuhause weiterhin selber kümmern.
Unsere Quellen:
- Gespräch der Reporterin mit Familie Juhls
Sendung: WDR.de, Pflegereform: Eltern fühlen sich allein gelassen, 17.09.2026, 16:59 Uhr