Wehrhahnanschlag vor 25 Jahren | Aktuelle Stunde

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27 Sek. Verfügbar bis 27.07.2027

Gedenken in Düsseldorf: 25 Jahre Wehrhahn-Anschlag

Stand:

Knapp 200 Menschen sind an diesem Sonntag zum Gedenken an das Attentat gekommen. Genau um 15.03 Uhr, dem Zeitpunkt der Explosion.

Von Markus Waeder, Frank Büsdorf

Bei dem Attentat vor 25 Jahren waren zehn Menschen verletzt und ein Ungeborenes getötet worden.

Zwei Personen reden vor einer Menschengruppe an einer Straße

Knapp 200 Menschen kamen zum Gedenken

Bildquelle: WDR / Frank Büsdorf

Zum Gedenken kam Oberbürgermeister Stephan Keller, Vertreter der Jüdischen Gemeinde Düsseldorf, Studenten, Rentner und Anwohner. Eine von ihnen ist Regine Goldbeck (68). Sie hat Blumen mitgebracht und bringt sie dort an, wo die Rohrbombe detonierte.

"Ich bin froh, dass es ein Gedenken gibt. Ich wohne in Düsseltal und habe damals den Knall gehört. Ich war immer sehr betroffen. Auch von der seltsamen Aufarbeitung damals". Regine Goldbeck

Ein Täter ist nie verurteilt worden. Ein Verdächtiger war in einem Prozess freigesprochen worden.

Ein Blumenstraus an einem Geländer

Hier detonierte die Bombe

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Auch die Historikerin Sabine Reimann kommt regelmäßig an jenen Ort gekommen, an dem die Bombe explodierte. Alle paar Wochen überprüft sie die Metallplatte am Geländer der Fußgängerbrücke - ein Kunstwerk der Erinnerung. Diesmal ist sie unversehrt. Oft genug aber, sagt die Historikerin der Hochschule Düsseldorf, werde sie beschmiert oder beschädigt.

"Manchmal sind es auch Sticker, die eindeutig aus der Neonazi-Szene kommen." Sabine Reimann, Historikerin der Hochschule Düsseldorf

Ein gezielter Anschlag auf Sprachschüler

Das Bild zeigt Sabine Reimann neben dem Kunstwerk der Erinnerung.

Historikerin Sabine Reimann kontrolliert die Metallplatte

Bildquelle: WDR/Markus Waerder

Es war kurz nach 15 Uhr an jenem 27. Juli 2000, als eine Gruppe Erwachsener zur S-Bahn-Haltestelle "Am Wehrhahn" eilte. Männer und Frauen aus der ehemaligen Sowjetunion, die vom Sprachunterricht kamen – so wie jeden Nachmittag. In diesem Moment detonierte die Bombe, die in einer Tüte am Geländer festgemacht worden war.

Gegenüber, auf der anderen Seite der Schienen, hatte der Täter auf die Gruppe gewartet und - auf einem Stromkasten sitzend - genau in jenem Moment die Bombe gezündet. Das werden später die Ermittlungen zeigen. Ein gezielter Anschlag auf eine Gruppe, die zum großen Teil aus Menschen jüdischen Glaubens bestand.

Freispruch vor Gericht nach mehr als 18 Jahren

Polizisten stehen hinter Flatterband

Kurz nach dem Anschlag mit der Splitterbombe

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In Verdacht gerät damals schnell ein Mann, der in dem Stadtteil als Militaria-Händler mit rechter Gesinnung bekannt ist. Beweise und Indizien aber scheinen nicht stichhaltig genug. Erst fast 18 Jahre nach der Tat kommt es zur Anklage. Der Beschuldigte soll einem früheren Mithäftling die Tat gestanden haben. Doch das Gericht hat Zweifel - und spricht den Mann frei, genauso wie später der Bundesgerichtshof.

Lebenslanges Leid für die Opfer

"Das hat alte Wunden nochmal deutlich aufgerissen und leider, wie wir auch immer wieder hören, neue Wunden hinzugefügt", sagt Jan-Robert Hildebrandt von der Opferberatung Rheinland. In der Öffentlichkeit möchte sich inzwischen niemand von den damals so schwer verletzten Menschen mehr äußern. Neben all den körperlichen Schmerzen sei die Enttäuschung zu groß, dass niemand zur Rechenschaft gezogen werden konnte.

"Und damit kam die Angst"

Das Bild zeigt eine Gedenkveranstaltung vor fünf Jahren.

Gedenkveranstaltung im Jahr 2020.

Bildquelle: WDR/Markus Waerder

Sabine Reimann, die Wissenschaftlerin an der Hochschule Düsseldorf, hat zum Wehrhahn-Anschlag ein Buch geschrieben. Über das Leiden der Betroffenen, über den Prozess und über mögliche Versäumnisse bei den Ermittlungen. Der Titel: "Und damit kam die Angst". Solche Anschläge, sagt sie, gelten in der Wissenschaft als Botschaftsverbrechen: "Sie treffen alle die, die mit diesem Verbrechen gemeint sind. Also in diesem Fall Juden und Jüdinnen oder Menschen, die damals aus Osteuropa eingewandert waren."

Es sei deshalb wichtig, das Geschehen nicht in Vergessenheit geraten zu lassen. Deshalb fand am Sonntag die Gedenkveranstaltung statt. An dem Ort, an dem vor 25 Jahren jene Bombe explodierte, die zehn Menschen lebenslanges Leid zufügte.

Unsere Quellen:

  • WDR-Interview mit Sabine Reimann, Hochschule Düsseldorf
  • Archiv des WDR

Über dieses Thema berichten wir auch am 27. Juli 2025 im WDR Fernsehen: Aktuelle Stunde, 18.45 Uhr.

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