Warum der Polizei-Job einen Kommissar auch im Ruhestand nicht loslässt

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WDR 4 Min. 4 Sek. Verfügbar bis 28.08.2028

Lutz Eulers Leben als Kriminalkommissar "Es gibt wirklich böse Menschen"

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Lutz Euler verlässt die Polizei. Im Dienst in Düsseldorf hat er viel gesehen. Warum ihn sein Job auch im Ruhestand nicht loslässt.

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Andreas Turnsek

Den Leiter eines Kriminalkommissariats stellt man sich anders vor. Lutz Euler, langjähriger Chef des Düsseldorfer Kommissariats 44, der früher so genannten "K-Wache", würden die meisten auf den ersten Blick als "Rocker" bezeichnen.

Belastende Bilder der Einsätze bleiben

Wir treffen Lutz Euler im Polizeipräsidium. Hinter der Sonnenbrille: wache Augen, die einen offen und freundlich ansehen, aber immer auch das Gegenüber zu "scannen" scheinen. Ein Überbleibsel aus fast einem halben Jahrhundert Umgang mit Kriminellen, wie er später unumwunden einräumt. Was diese Augen im Polizeidienst alles gesehen haben, sind auch belastende Bilder, die nicht mehr zu löschen sind.

"Wenn mich jemand fragt: 'Wie war dein Job?', dann sage ich immer: 'Ich habe Dinge gesehen, von denen andere nicht einmal schlecht träumen.'" Lutz Euler, 46 Jahre lang im Polizei-Dienst

Erster großer Einsatz: ein Flugzeug-Absturz

Der frisch gebackene Rentner mit allen Rocker-Insignien bis hin zu schweren Ketten am Handgelenk, breiten Ringen an den Fingern und großen Tattoos hatte als Jugendlicher keine Sekunde gezögert, als es um den Berufswunsch ging: Zur Polizei wollte er, das war klar.

Helfen zu können war eine Seite, ein wenig Abenteuerlust die andere, gibt Euler schmunzelnd im hallenden Foyer des Polizeipräsidiums zu, in dem ihn immer wieder ehemalige Kolleginnen und Kollegen herzlich begrüßen.

Euler singt in der eigenen Band und spielt Gitarre. Hier ist er auf der Bühne mit Gitarre in der Hand zu sehen.

Euler singt und spielt Gitarre in der eigenen Band.

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Mit 16 startete seine Karriere. Der erste große Einsatz im Kriminal-Kommissariat war der Flugzeug-Absturz in Essen 1988, bei dem 21 Menschen ums Leben gekommen waren. 1994 kommt Euler zur Kriminal-Wache in Düsseldorf. In der rund um die Uhr besetzten Dienststelle läuft alles Erdenkliche oder auch für die meisten Unvorstellbare auf: Raub, Mord, Totschlag, Einbrüche, Brände.

Unzählige Nachtschichten und viele große Fälle

Kaum ein großer Fall rund um die Landeshauptstadt, der seitdem nicht bei Lutz Euler gelandet wäre: der große Flughafenbrand am Düsseldorfer Airport, der Anschlag am S-Bahnhof "Wehrhahn", die Entführung der achtjährigen Deborah Sassen. Alles fordernde Einsätze und auch sehr belastende Situationen für den Polizeibeamten.

Der Tatort des Wehrhahn-Anschlags im Jahr 2000. Polizisten suchen nach Spuren.

Der Wehrhahn-Anschlag im Jahr 2000 war einer der großen Fälle von Lutz Euler.

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"Man sollte aufarbeiten, was gewesen ist, aber mit nach Hause nehmen sollte man die Fälle tunlichst nicht. Ich bin manchmal nach der Arbeit stundenlang im Auto umhergefahren und habe Musik gehört." Lutz Euler, bis August 2026 bei der Polizei Düsseldorf

Musik war immer sein großer Ausgleich - Musik hören und Musik machen: in der eigenen Band mit Gesang und an der Gitarre. Gegründet hat sich die Band "Detonators" bei seiner UN-Mission in Bosnien Ende der 90er Jahre. 2012 war er auch als NRW-Polizist auf einer EU-Mission in Georgien. "Das hat meinen Horizont sehr erweitert", sagt der heute 62-Jährige.

Böse Menschen und wertvolle Begegnungen

Ein wenig bekannter Teil des Polizeipräsidiums ist das so genannte Gewahrsam: ein Zellentrakt des Gebäudes für kurzfristige Inhaftierung. "Es gibt wirklich böse Menschen", bilanziert Euler mit einem Blick in diese Räume, in denen die Erinnerung an wohl sehr unangenehme Begegnungen liegt.

Neben seiner Arbeit bei der Polizei schlägt Eulers Herz vor allem für Metal Musik. Hier ist er in einem schwarz-weiß Porträt zu sehen.

Neben seiner Arbeit bei der Polizei schlägt Eulers Herz vor allem für Metal Musik.

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Was er mitnimmt in den Ruhestand? Vor allem viele wertvolle Momente mit tollen Kolleginnen und Kollegen - und auch lustige Erlebnisse, ja, auch die habe es gegeben, sagt er.

"Mich kann man nicht belügen"

Etwas nachdenklicher, aber rückhaltlos schildert er dann noch, was ihn in den Ruhestand auch begleitet - ob er will oder nicht, möchte man ergänzen: die Gabe sofort zu merken, wenn man ihn belüge, oder wie er es formuliert: "Wenn mir jemand was vom Wienerwald erzählen will." Und er könne nicht mit dem Rücken zu größeren Menschenmassen sitzen, er müsse die Wand hinter sich haben, um alles im Blick zu behalten.

Eine größere Menge Menschen wird der ehemalige "Kommissar vom Dienst" der K-Wache auch als Rentner vor sich sehen, wenn er in Rocker-Kutte auf der Bühne steht und in seine andere Welt eintaucht - die Musik, die ihn durch viele schwere Momente eines langen Polizei-Berufslebens getragen hat.

Unsere Quellen:

  • Eindrücke des Reporters vor Ort
  • Interview mit Lutz Euler
  • Polizei Düsseldorf

Sendung: WDR.de, Warum der Polizei-Job einen Kommissar auch im Ruhestand nicht loslässt, 31.08.2026, 5:01 Uhr

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