"Sobald Regen kommt, mache ich mir Gedanken"

WDR 04:42 Min. Verfügbar bis 14.07.2028

Fünf Jahre nach Düssel-Flut "Sobald Regen kommt, mache ich mir Gedanken"

Stand:

Das Hochwasser hat viele in Düsseldorf und Erkrath getroffen. Heute gibt es bessere Warnsysteme, Schutzwände fehlen oft noch.

Der Keller ist wieder renoviert im Haus von Dagmar Neugebauer in Düsseldorf-Vennhausen. Der stand nahezu deckenhoch unter Wasser, als die Düssel im Juli 2021 zahlreiche Häuser überflutete, die wenige Meter von ihrem Grundstück entfernt vorbeifließt.

Die Kosten gingen in die Zehntausende. Sie hat indes zusätzliche Rückschlagventile als Hochwasserschutz einbauen lassen. Trotzdem ist das "Jahrhunderthochwasser" bei ihr und anderen Betroffenen nach wie vor immer wieder Thema.

Düsseldorf schafft mehr Überflutungsflächen

Nicht weit von ihrem Haus entfernt hat die Stadt Düsseldorf in den vergangenen Jahren mehrere Abschnitte der südlichen Düssel umgebaut und renaturiert. Der jetzt natürliche Flusslauf soll dem Wasser mehr Ausweichflächen bei Hochwasser bieten.

Blick von oben auf einen mäandernden Flusslauf

Die südliche Düssel wurde für mehr Überlaufflächen teils renaturiert.

"Es macht Hoffnung, dass das funktioniert, aber es muss sich erst noch bewähren. Immer wenn stärkere Regenfälle kommen, macht man sich wieder Gedanken", erzählt Neugebauer. Einen weiteren Abschnitt der südlichen Düssel will die Stadt ab dem kommenden Jahr umbauen. Gesamtkosten: Rund drei Millionen Euro.

Ostparksiedlung wartet weiter auf Hochwasserschutz

Ein paar Kilometer entfernt ist Rolf Buschhausen der Frust anzumerken. Er lebt seit Jahrzehnten in der Ostparksiedlung, die vor fünf Jahren durch die Düssel überflutet wurde. "Wir fühlen uns ein Stück weit vernachlässigt", klagt er.

Ein älterer Mann mit Brille, in Hemd und Jackett vor einem Monitor-Hochwasserbild

Rolf Buschhausen hofft auf eine Hochwasserschutzwand.

Seit Jahren hatte die Stadt angekündigt, in Höhe der Siedlung eine Schutzwand am Düssel-Deich zu errichten. Passiert ist bis heute nichts. Die Bewohner haben deshalb auch selbst vorgesorgt: "Wir haben in der Siedlung quasi eine Einsatztruppe mit 40 Leuten zusammengestellt, 3.000 Sandsäcke gekauft. Wir wissen ja genau, wo es als erstes überläuft", erzählt Buschhausen. Dadurch fühle man sich zumindest etwas besser gerüstet.

"Die Verzögerungen hängen an immer wieder geänderten Planungsgrundlagen der Bezirksregierung. Da wurden jetzt nochmal Nachweise gefordert", erklärt Andreas Hartnigk (CDU) als Vorsitzender des Bauausschusses den Verzug. Er sei aber zuversichtlich, dass die Hochwasserschutzwand in den nächsten zwölf Monaten auch wirklich komme.

Ein Fluss in seinem Bett, an der Böschung verläuft ein geteerter Weg

Die Bewohner der Ostparksiedlung warten immer noch auf die versprochene Schutzmauer.

Betroffene in Erkrath: "Es geht nur schleppend voran"

In Michael von Roebels Haus in Erkrath stand der Keller bis zur Decke unter Wasser, dank viel Eigenarbeit und über Monate laufenden Bautrocknern konnte er den Schaden halbwegs in Grenzen halten, wie er sagt.

Neuen Hochwasserschutz hat er bisher nicht installiert. "Wir sind erst letztes Jahr von der Stadt informiert worden, dass es die Wiederaufbauhilfe auch für Schutzmaßnahmen gibt", so von Roebel. Überhaupt gehe es beim Hochwasserschutz in Erkrath nur sehr schleppend voran. Gemeinsam mit anderen fordert von Roebel in einer Bürgerinitiative, dass die Städte an der Düssel stärker zusammenarbeiten sollten.

Ein junger Mann mit schwarzem Hoodie, schwarzer Jacke vor mehreren Bäumen

Michael von Roebel fordert mehr Zusammenarbeit für besseren Hochwasserschutz.

"Nach unserem Eindruck schaut bisher jede Stadt nur auf ihr Gebiet. Dabei gibt’s mehr Möglichkeiten, wenn man gemeinsam zusätzliche Überlaufflächen prüft. Davon würden auch direkt viele an der Düssel profitieren", sagt von Roebel.

Kommunen setzen auf bessere Informations- und Warnsysteme

Fünf Jahre nach dem Düssel-Hochwasser wird deutlich, dass die betroffenen Kommunen viel in verbesserte Informationswege und Warnsysteme investiert haben, Pegelmessstellen wurden ausgebaut und digitalisiert, um früher und gezielter bei Hochwasserlagen reagieren zu können.

Ein mit Wasser überfluteter Garten, ein Auto ist fast untergegangen

Auch in Erkrath versanken vor fünf Jahren ganze Straßenzüge im Wasser.

Der konkrete Bau von Schutzwänden ist bisher nur an einzelnen Stellen umgesetzt, etwa auf 160 Metern an der Altenbergstraße an der Düssel in Düsseldorf-Grafenberg. In Erkrath ist eine Schutzmauer an der Morper Allee in Planung. Die Stadt hat außerdem eine Fläche gekauft, die künftig als Überlaufareal genutzt werden soll.

Bezirksregierung sieht Hochwasserschutz als Daueraufgabe

Die Düsseldorfer Bezirksregierung zieht als Unterstützerin vieler Maßnahmen eine positive Zwischenbilanz. Knapp 16 Millionen Euro wurden bisher als Hochwasseropfer an der Düssel ausgezahlt. "Das Bewusstsein für Hochwassergefahren und die Frühwarnsysteme wurden spürbar optimiert", heißt es.

Zwei Unternehmer sitzen vor einem Monitor, worauf Statistiken abzulesen sind.

Die Hochwasser-Frühwarnsysteme sind in den vergangenen Jahren verbessert worden.

Größere bauliche Maßnahmen erforderten dagegen lange Planungs- und Genehmigungszeiten. In den nächsten Jahren soll der Fokus darauf liegen, Deiche zu bauen und zu sanieren und verstärkt weitere natürliche Überschwemmungsflächen zu schaffen, um eine Katastrophe wie das Düssel-Hochwasser vom Juli 2021 abzuwenden.

Fünf Jahre nach Düssel-Flut: So geht es Betroffenen.

WDR 10.07.2026 00:57 Min. Verfügbar bis 09.07.2028 WDR Online

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Unsere Quellen:

  • Gespräche mit Hochwasserbetroffenen
  • Stadt Düsseldorf
  • Stadt Erkrath
  • Bezirksregierung Düsseldorf
  • Bürgerinitiative Erkrath

Sendung: WDR Fernsehen, Lokalzeit aus Düsseldorf, 14.07.2026, 19:30 Uhr
Sendung: WDR.de, Fünf Jahre nach Düssel-Flut: So geht es Betroffenen, 14.07.2026, 04:55 Uhr

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