Warum verfallen Häuser in Düsseldorfs Top-Lage?
Bildquelle: WDR / Moritz BörnerWDR. 03:19 Min.. Verfügbar bis 13.08.2028.
Die Düsseldorfer Altstadt ist ein Magnet für Einheimische, für die Menschen aus der ganzen Region und auch für Touristen aus aller Welt. Ein Viertel, das pulsiert - vor allem mit Blick auf die berühmt-berüchtigte Partyszene. Auch die Immobilienpreise sind dort extrem hoch - sowohl, was die Mieten betrifft als auch für ein Eigenheim. Trotzdem gibt es ein bemerkenswertes Phänomen: In der Altstadt stehen seit einigen Jahren mehrere Häuser leer, in allerbester Lage.
Verfallende Häuser an der Ratinger Straße
An der Partymeile Ratinger Straße zum Beispiel sind es drei Gebäude an exponierter Stelle, die direkt nebeneinander stehen. An den Wänden blättert der Putz ab, ein verbogenes Metallschild hängt trostlos da, wo früher mal der Eingang zu einer angesagten Kneipe war. Die Häuserfronten sind mit Graffiti besprüht, außerdem kleben dort zerfledderte Plakate, in einem Hauseingang liegt Müll. Das Paradoxe dabei ist, dass direkt nebenan in Restaurants und Kneipen das Geschäft brummt.
Leer stehende Wohnungen werden nicht genutzt
Das gleiche Bild bietet sich auch auf anderen Straßen in der Altstadt wie zum Beispiel an der Mühlenstraße, in solchen Top-Lagen verfallen ganze Häuser. Das sieht nicht nur hässlich aus, das große Problem ist, dass dadurch viele Wohnungen ungenutzt bleiben, während gleichzeitig jeder Meter Wohnraum in der Stadt dringend gebraucht wird.
Lassen Besitzer die Häuser absichtlich verfallen?
Gino Russo ist Pizzabäcker in Düsseldorfs Altstadt und beobachtet diese Entwicklung schon seit Jahren sorgenvoll. Die maroden Gebäude machen die Altstadt unattraktiv, wie er findet. "Die Geschäfte laufen nicht mehr so gut, früher war es besser, so ist schlimm!"
Frank Hermsen vertritt Anwohner, Gastronomen und Geschäftsleute in der Altstadt.
Bildquelle: WDREiner, der diese Entwicklung ebenfalls im Blick hat, ist Frank Hermsen von der Altstadtgemeinschaft. Er vertritt Anwohner, Geschäftsleute und Gastronomen im Viertel. Er vermutet, dass Besitzer die Gebäude zumindest teilweise absichtlich verfallen lassen. Der Grund: Sie wollen kein Geld für eine Renovierung ausgeben, dürfen die Gebäude aber auch nicht ohne weiteres abreißen.
Renovierungen sind extrem teuer
Die Häuser werden also so lange sich selbst überlassen, bis sie so verfallen sind, dass eine Renovierung nicht mehr möglich ist und ein Abriss notwendig wird, wie Hermsen erklärt. "Dass man eben sagt, ich kann das abreißen und kann dann neu bauen." Ein moderner Neubau würde bei der Vermietung deutlich größere Gewinne ermöglichen. Die Gebäude sind also Spekulationsobjekte.
Zweckentfremdungssatzung greift bei vielen Altstadt-Immobilien nicht
Eigentlich gibt es eine Rechtsvorschrift, die den Leerstand von Wohnungen und damit den Verfall von Häusern verhindern soll, die sogenannte Zweckentfremdungssatzung. Wohnraum darf nur sechs Monate lang leer stehen, muss dann wieder vermietet werden.
Viele Wohnungen bleiben durch den Leerstand ungenutzt.
Bildquelle: WDR / Moritz BörnrNur: Dieses Gesetz greift bei vielen Häusern in der Altstadt nicht - aufgrund eines Spezifikums im Zentrum der Landeshauptstadt: Die Wohnungen in den Altstadt-Immobilien befinden sich meistens in den oberen Stockwerken und können nur über die Räume eines Gastronomiebetriebes im Erdgeschoss betreten werden. Und sobald eine Wohnung keinen separaten Eingang besitzt, gilt sie rein formal nicht mehr als Wohnraum - und das ermöglicht Spielraum.
Mehr Druck auf Besitzer von Problemimmobilien
Die WDR-Recherche ergibt, dass mehrere der betroffenen Gebäude einer Immobilienfirma mit Sitz in der Düsseldorfer Innenstadt gehören. Das Unternehmen antwortet allerdings auch auf wiederholte WDR-Anfragen nicht, gibt keine Stellungnahme zu den Vorwürfen.
Clara Gerlach von den Grünen ist als Bürgermeisterin für die Altstadt zuständig und zählt rund ein Dutzend Gebäude, die seit Jahren verrotten. Sie hofft, dass die Stadtverwaltung in Zukunft mehr Druck auf Immobilienbesitzer ausüben kann.
"Leerstand ist ein Frühwarnsystem für ein Viertel"
Vor wenigen Wochen wurde das Baugesetzbuch geändert. "Was auf jeden Fall auch gestärkt ist, ist, ein Vorkaufsrecht auszuüben", erklärt Gerlach, "also eine Enteignung auszuüben, und ich finde schon, dass wir diesen Weg wählen sollten." Sie hofft, dass der Stadtrat jetzt von dem neuen Gesetz Gebrauch macht.
Auch Geschäftsleute, Gastronomen und Anwohner in der Altstadt wollen, dass die Stadtverwaltung etwas unternimmt, damit die Stimmung im Viertel nicht kippt. "Leerstand ist immer so ein Frühwarnsystem für ein Viertel, für eine Stadt", sagt Frank Hermsen von der Altstadtgemeinschaft.
Die Stadt teilte in einer Stellungnahme mit, dass es eine Weile dauern könne, bis wieder Menschen in die leeren Häuser einziehen. Immerhin laufen inzwischen mehrere ordnungsbehördliche Verfahren gegen Immobilienbesitzer.
Unsere Quellen:
- Stadt Düsseldorf
- Altstadtgemeinschaft Düsseldorf
- Interview Bürgermeisterin Clara Gerlach
- Beobachtungen des WDR-Reporters vor Ort
Sendung: WDR.de, Darum verfallen Häuser in Düsseldorfs Top-Lage, 12.08.2026, 5 Uhr
Sendung: WDR Fernsehen, Lokalzeit aus Düsseldorf, 12.08.2026, 19:30 Uhr