Düsseldorfer Arzt entfernt Ex-Neonazis kostenlos Tattoos
Bildquelle: WDR/Bamdad EsmailiWDR. 2 Min. 28 Sek.. Verfügbar bis 22.09.2028.
Ausstieg aus der rechten Szene : Düsseldorfer Arzt entfernt Ex-Neonazis kostenlos Tattoos
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Ein ehemaliger Neonazi lässt sich ein Hitler-Porträt vom Arm lasern. Der Düsseldorfer Arzt Afschin Fatemi behandelt Aussteiger kostenlos – aber nur, wenn sie ihren Bruch mit der rechtsextremen Szene glaubhaft erklären.
Es knistert leise. Der Laser fährt über den linken Arm eines Mannes, der anonym bleiben will. Auf seiner Haut: das Porträt Adolf Hitlers. Das Bild ist deutlich zu sehen, doch es soll verschwinden.
Der Mann trägt eine Schutzbrille und blickt zur Decke. Er sagt, er sei 38 Jahre alt und rund 20 Jahre Teil der rechten Szene gewesen. Seine Angaben zu seiner Vergangenheit, zu Straftaten und seinem Ausstieg lassen sich nicht unabhängig überprüfen. Er erzählt, er habe mehrere Jahre im Gefängnis gesessen. Diese Zeit will er hinter sich lassen.
Ein Ex-Neonazi lässt sich seine Tattoos weglasern.
Bildquelle: WDR/Bamdad Esmaili"Weil ich es hässlich finde. Ich finde es einfach nur hässlich", sagt er. Die Tätowierungen seien für ihn Erinnerungen an seine frühere Ideologie, an Straftaten und an Jahre in der Haft. Wenn er in den Spiegel schaue, frage er sich: "Wie konntest du so dumm sein?"
Kostenlos, aber nicht bedingungslos
Der Arzt an seiner Seite heißt Afschin Fatemi. Fatemi ist in Deutschland geboren, seine Familie stammt aus dem Iran. Seit rund zehn Jahren, sagt er, entfernt er ehemaligen Rechtsextremen kostenlos Tattoos mit NS-Bezug und rechtsextremen Symbolen.
Doch die Behandlung ist an eine Bedingung geknüpft. Die Betroffenen müssen erklären, wie sie in die Szene geraten sind – und warum sie diese verlassen wollen. Der Arzt will keine bloße Erklärung hören, sondern eine glaubhafte Auseinandersetzung mit der eigenen Vergangenheit.
"Die ehemaligen Rechtsextremen müssen zu mir kommen, zu ihrem ehemaligen Feindbild im Grunde", sagt Fatemi. "Wenn die mir das ehrlich und glaubhaft erzählen, dann behandeln wir diese Patienten kostenfrei."
Für Fatemi ist diese Begegnung auch persönlich. Er sagt, er sehe "nicht typisch deutsch" aus und bekomme bisweilen Hinweise darauf, dass er in der rechten Szene nicht gern gesehen sei. Gerade deshalb sei es für ihn besonders, rechtsextreme Symbole entfernen zu können.
Wie aus einem Außenseiter ein Neonazi wurde
Der Patient erzählt, er sei als Jugendlicher in Thüringen in die rechte Szene geraten. Er habe sich als Außenseiter gefühlt, Konflikte mit Eltern und Autoritäten gehabt und nach Anerkennung gesucht. In der Gruppe habe er sich willkommen gefühlt und Ansichten übernommen, die er heute als pauschal und falsch beschreibt.
Auf seinem linken Arm hat der Mann besonders viele Tattoos.
Bildquelle: WDR/Bamdad EsmailiSein Ausstieg habe erst im Gefängnis begonnen, sagt er. Dort sei er Menschen begegnet, die nicht in sein damaliges Feindbild gepasst hätten: einem Russen und einem Albaner. Mit ihnen habe er Sport gemacht und Zeit verbracht. Sie hätten ihn anders behandelt, als er es wegen seiner Glatze und seiner rechten Tattoos erwartet habe.
Er habe angefangen, seine früheren Überzeugungen zu hinterfragen. "Viele Sachen, die ich gedacht habe, waren aus dem Kontext gerissen", sagt er. "Ich habe verallgemeinert, vor allem sehr oft."
Heute beschreibt er sich selbst als Antifaschist. Seine früheren Überzeugungen seien angelernte Mechanismen gewesen. Diese Einschätzung ist seine eigene - und sie ist kein Beleg dafür, dass ein Ausstieg abgeschlossen ist.
Der Laser kann nicht alles entfernen
Der Laser zersprengt die Farbpigmente unter der Haut in kleinere Partikel. Diese kann der Körper nach und nach abtransportieren. Eine Sitzung reicht nicht: Bei einfachen schwarzen Linien können laut Fatemi drei oder vier Behandlungen nötig sein, bei farbigen Flächen auch deutlich mehr.
Nach etwa einer halben Stunde ist das Hitler-Porträt noch da, aber blasser als zuvor. Der Mann wird wiederkommen müssen. Viele Male.
Dem Patienten wie auch dem Mediziner ist klar, dass ein entferntes Tattoo kein Freispruch und kein Nachweis dafür ist, dass eine menschenfeindliche Ideologie überwunden ist. Entscheidend bleibt, ob jemand Verantwortung für die eigene Vergangenheit übernimmt, sich von alten Strukturen löst und sein Verhalten dauerhaft verändert.
Für den anonymen Patienten ist die Behandlung ein erster sichtbarer Schritt.." Jede Laserbehandlung, die dazu führt, dass ich weniger daran erinnert werde, ist ein schönes Gefühl", sagt er.
Rechtsextreme Symbole und Codes
Fatemi sagt, er habe in den vergangenen Jahren unter anderem Hakenkreuze, Hitler-Porträts, SS-Totenköpfe, Parolen und verschlüsselte Codes gesehen. Nicht jedes rechtsextreme Tattoo ist auf den ersten Blick erkennbar. Auch Zahlen wie 18 oder 88 sowie bestimmte Runen können in der Szene eine Bedeutung haben.
Das öffentliche Verwenden von Kennzeichen verfassungswidriger Organisationen kann in Deutschland nach Paragraph 86a Strafgesetzbuch strafbar sein. Ob das in einem Einzelfall zutrifft, hängt vom konkreten Kontext ab. Fatemi engagiert sich auch über die Umbrella-Stiftung für medizinische Hilfe für Menschen in Not. Nach Angaben der Stiftung unterstützt sie seit 2006 medizinische Einsätze und Projekte.
Unsere Quellen:
- Interview mit dem Ex-Neo-Nazi
- Interview mit Dr. Afschin Fatemi
Sendung: WDR.de, Düsseldorfer Arzt entfernt Ex-Neonazis kostenlos Tattoos, 22.09.2026, 15.30 Uhr
