Gluthitze in NRW: Die Infrastruktur zerschmilzt
Aktuelle Stunde . 27.06.2026. 40:57 Min.. UT. Verfügbar bis 27.06.2028. WDR. Von Nils Rode.
Auf über 35 Grad Celsius stiegen die Temperaturen am Samstag in den Räumen eines Dormagener Seniorenheimes, einige Medien berichten sogar von Raumtemperaturen von 50 Grad. In dem Heim leben insgesamt 168 Menschen. Die Lage spitzte sich bis Samstagmittag offenbar dermaßen zu, dass insgesamt 16 Bewohner im Krankenhaus behandelt werden. Etwa 30 Bewohnerinnen und Bewohner wurden in einer anderen, klimatisierten Einrichtung untergebracht.
Stadt Dormagen richtet vorübergehend Krisenstab ein
Eine Person war in der Nacht auf Samstag in dem Seniorenheim verstorben. Nach Angaben des Krisenstabs, den die Stadt Dormagen kurzfristig einrichtete, ist es naheliegend, dass es einen Zusammenhang mit den hohen Temperaturen gab.
Später am Samstag hatte die Stadt Dormagen bekannt gegeben, dass eine weitere Bewohnerin der Einrichtung verstorben sei. Sie sei schon zuvor palliativmedizinisch betreut worden und befand sich im Erdgeschoss des Gebäudes, das nicht von den besonders hohen Temperaturen betroffen war.
Abkühlung durch mobile Klimageräte
Die Einrichtung hat fünf Stockwerke, die oberen Etagen können nach Angaben des Krisenstabs nicht gekühlt werden. Die Heimleitung hat nun im Bereich der Cafeteria im Erdgeschoss zwei große mobile Klimaanlagen aufgestellt.
Mobile Klimaanlage der Feuerwehr Dormagen
Krisenstab am Sonntag aufgelöst
Bis Sonntag konnten die Temperatur im Gebäude nach Angaben der Stadt um etwa zehn Grad heruntergekühlt werden. Die Stadt gehe deshalb von einem weitgehend normalen Betrieb aus. Der eingerichtete Krisenstab wurde inzwischen aufgelöst. Die Rettungskräfte vor Ort sind abgezogen. Am Sonntagmorgen hatte es zuerst geheißen, dass die Rettungskräfte den Tag über vorsorglich vor Ort bleiben würden. Das korrigierte der Sprecher der Stadt Dormagen aber am Nachmittag.
Großeinsatz wegen Hitze auch in Krefelder Seniorenheim
Einen ähnlichen Fall gab es in einem Seniorenheim in Krefeld. Dort kam es Freitagabend zu einem Hitze-Großeinsatz mit etwa 50 Feuerwehrleuten. Mitarbeiter des Seniorenheims hatten den Notruf alarmiert, weil ihnen mehrere Bewohner auffielen, die stark unter der Hitze litten. Betroffen waren etwa 40 Bewohnerinnen und Bewohner im Dachgeschoss der Einrichtung. Eine fest installierte Klimaanlage gibt es in der Einrichtung nicht.
Die Krefelder Feuerwehr hilft bei der hitzebedingten Verlegung von Senioren.
Nach einer ärztlichen Untersuchung aller Bewohner wurden fünf von ihnen ins Krankenhaus gebracht. Zu ihrem aktuellen Zustand gibt es bisher keine aktuellen Informationen, so eine Sprecherin der Kursana-Einrichtung. Die anderen Bewohner konnten in dem Seniorenheim bleiben. Viele von ihnen seien aber vorübergehend in kühleren Ein- und Zweibett-Appartements in den unteren Etagen untergebracht worden. Sie waren nach Umbauarbeiten noch unbewohnt. Andere Zimmer wurden außerdem mit Kühlgeräten ausgestattet.
Forderungen nach mehr Hitzeschutz
Nach dem Einsatz in dem Krefelder Seniorenheim forderte die Deutsche Stiftung Patientenschutz mit Sitz in Dortmund bessere Hitzeschutzmaßnahmen in Seniorenheimen. Es sei wichtig, noch in diesem Jahr mehr Geld für die Anpassung an den Klimawandel zur Verfügung zu stellen, sagte der Vorsitzende Eugen Brysch. "Es fehlen überzeugende Anstrengungen in diesem Bereich. Bestandsbauten müssen endlich den klimatischen Bedingungen angepasst werden. Bei Neubauten darf die Raumtemperatur 25 Grad nicht überschreiten", so Brysch.
Unsere Quellen:
- Eindrücke der WDR-Reporterin vor Ort am Seniorenheim Dormagen
- Pressesprecher der Stadt Dormagen
- Presseagentur DPA
- Presseagentur KNA
- Pressesprecherin des Kursana-Seniorenheims in Krefeld
Sendung: WDR 2, WDR Aktuell, 27.06.2026, 13 Uhr
Sendung: WDR Fernsehen, Aktuelle Stunde, 27.06.2026, 18:45 Uhr