Hitze im Seniorenheim in Duisburg - Wie Senioren die heißen Tage meistern
WDR. 02:59 Min.. Verfügbar bis 25.06.2028.
Elisabeth Farcas schleckt vergnügt ein Wassereis. Sie ist stolze 91 Jahre alt und wohnt im Altenheim Herz-Jesu-Kloster in Bonn-Ramersdorf. Die Hitze? Scheint sie gut wegzustecken: "Wir bekommen Eis, kalte Getränke, Wassermelonen, verschiedene Cocktails, wir sind gut versorgt."
Eis im Seniorenheim - So meistern Senioren die Hitze in NRW
WDR. 01:46 Min.. Verfügbar bis 25.06.2028.
Kühlen, schonen, Fenster zu
Eine Klimaanlage gibt es im ganzen Haus nicht. Umso akribischer achten die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter darauf, das Haus möglichst kühl zu halten: Rolladen und Türen bleiben zu, Ventilatoren laufen. Höchstens nachts wird mal gelüftet - wenn es die Temperatur erlaubt.
Hinweisschilder im ganzen Haus erinnern die Bewohner: "Ausreichend trinken, Bewegung minimieren, Sonne meiden". Das Küchenteam zeigt sich einfallsreich mit regelmäßigen frischen Getränke-Grüßen. Und für die Extraportion Frische gibt's einen Spritzer Wassernebel aus der Sprühflasche ins Gesicht - für die, die mögen.
In Seniorenheimen greifen Hitzeschutzkonzepte
Marianne Dittombee im Seniorenzentrum Waldstadt im sauerländischen Iserlohn würde da wohl auch nicht nein sagen. "Es ist schon sehr heiß", stellt sie nüchtern fest. Sie sei ein bisschen schlapp und schwitze mehr, sagt sie. Aber:
Schutz vor Hitze im Seniorenheim in Iserlohn
WDR. 01:42 Min.. Verfügbar bis 25.06.2028.
Wir können‘s uns nicht aussuchen.Trinken, Handtuch auf den Kopf, kühl halten. Und faulenzen! Marianne Dittombee, 94 Jahre
Leichte Kost und kleine Zwischenmahlzeiten sind angesagt. Das ist auch Teil des Hitzeschutzkonzeptes in der Iserlohner Einrichtung. Pflegedienstleiterin Nicole Riedel erläutert: "Wir Leitungen sind beim Deutschen Wetterdienst angemeldet. Wir kriegen frühzeitig eine Information, dass wir uns auch vorbereiten können und dann gucken können, dass entsprechende Speisen vorhanden sind. Dass wir abklären können: Bei welchem Bewohner müssen wir vielleicht auch medizinisch ein größeres Augenmerk haben?"
Langfristlösung Klimaanlage?
Nach inzwischen mehreren Tagen und Nächten mit hohen Temperaturen wird die Hitze für viele zur Bestandsprobe. Auch für das Pflegepersonal. Daniel Wörmann leitet das Duisburger Seniorenheim St. Barbara. Seine Feststellung:
Wenn die Hitze im Gebäude ist, wird’s bei 39 Grad einfach extrem. Aus meiner Sicht hilft dann auch einfach nichts anderes mehr als eine Klimaanlage. Daniel Wörmann, Leiter Seniorenheim St. Barbara Duisburg
Genau die soll deshalb bald kommen. Zumindest in Teilen des Gebäudes sollen Klimanlagen installiert werden. Ermöglicht hat das der Förderverein.
Von der Politik werden solche Maßnahmen nur in Ausnahmefällen gefördert. In NRW gibt es keine gesetzlichen Vorgaben für den Hitzeschutz - also keine finanzielle Beteiligung vom Land oder den Kommunen. Sie erhalten jedoch Unterstützung bei der Erstellung eines Hitzeaktionsplans.
Bielefeld setzt auf Hitzepaten für Senioren daheim
Einen Hingucker, wenn man so will, im Hitzeaktionsplan gibt es in Bielefeld - mit den "Hitzepatenschaften". Petra Tödheide zum Beispiel ist Hitzepatin für die 88-jährige Irmgard Quistorf. Zurzeit ruft Tödheide täglich an und erkundigt sich nach dem Befinden der alten Dame. Oder sie erinnert sie daran genug Wasser zu trinken.
Hitzepaten in Bielefeld helfen älteren Menschen durch den heißen Sommer
WDR. 01:46 Min.. Verfügbar bis 25.06.2028.
Regelmäßig schaut sie auch persönlich vorbei. Heute hat sie einen Fächer mitgebracht, den sie als kleines Geschenk überreicht. Ein kurzer Plausch im kühlen Hausflur, dann ein gemeinsames Glas Wasser im Wohnzimmer. "Ich sag mal Prost", sagt Irmgard Quistorf und lächelt. Die beiden verstehen sich gut und tauschen sich übers Wetter und andere Themen aus. "Ich finde das megawichtig, das liegt mir am Herzen, weil die ganze Gesellschaft älter wird", sagt Tödheide.
Ich glaube, Hitze ist schon gefährlich! Petra Tödheide, Hitzepatin in Bielefeld
Hitzepatin als Ratgeberin und sozialer Kontakt
Der Kontakt zu den Hitzepaten soll sicherstellen, dass ältere Menschen die Hitze nicht unterschätzen und an heißen Tagen nicht einsam oder isoliert werden. Irmgard Quistorf freut sich über den Besuch, vor allem, wenn ihre Familie keine Zeit hat: "Man braucht ja nicht viel Hilfe, aber es ist jemand da, den man um Rat fragen kann."
Bevor Petra Tödheide geht, lassen die beiden Frauen zusammen die Rollos runter. "Sonnenschutz ist gegeben", sagt die Hitzepatin und verabschiedet sich. Am Wochenende soll es heiß bleiben, dann will Petra Tödheide wieder zu Besuch kommen und helfen.
Unsere Quellen:
- Heimleitung Herz-Jesu-Kloster Bonn
- Elisabeth Farcas, Bewohnerin
- Pflegeleitung Waldstadt Iserlohn
- Marianne Dittombee, Bewohnerin
- Petra Tödheide, Hitzepatin Bielefeld
- Irmgard Quistorf, Tandempartnerin einer Hitzepatenschaft
Sendung: WDR Fernsehen, Lokalzeit Duisburg, 24.06.2026, 19:30 Uhr