Drei Männer und eine Polizeibeamtin sitzen an einem Tisch vor einem Bücherregal, vor ihnen Namensschilder.

Pressekonferenz der unabhängigen Abschiebungsbeobachtung NRW

Jahresbericht der Abschiebungsbeobachtung NRW schiebt mehr Menschen ab

Stand:

Von den NRW-Flughäfen wurden im vergangenen Jahr mehr Menschen abgeschoben als 2024. Dabei lief nicht immer alles reibungslos.

Von Benedikt Walter

Mehr als 3.200 Menschen haben NRW per Flugzeug vergangenes Jahr dauerhaft verlassen müssen, berichten Vertreter des Forums Flughäfen in Nordrhein-Westfalen am Dienstagmorgen auf einer Pressekonferenz. Das seien sieben Prozent mehr Abschiebungen als noch 2024. Grund für den Anstieg sei die sogenannte Rückführungsoffensive der Bundesregierung.

Abschiebungen nicht ohne Probleme

Mert Sayim

Mert Sayim, Abschiebungsbeobachter der Diakonie Rheinland-Westfalen-Lippe

Auch weiter werden die meisten Abschiebungen in NRW über den Flughafen Düsseldorf abgewickelt. Begleitet werden viele Abschiebeverfahren am Flughafen von unabhängigen Beobachtern wie Mert Sayim. Trotz positiver Entwicklungen beim Vorgehen von Behörden beobachtet er immer wieder Probleme im Abschiebeprozess.

So würden bei Menschen, die unangekündigt abgeschoben werden, wiederholt die Mobiltelefone durch Beamte beschlagnahmt. Anrufe bei Anwälten oder Familienmitgliedern seien so nicht mehr möglich. "Der Schutz von vulnerablen Personen hat dem Anstieg der Abschiebezahlen nicht stand gehalten", erklärt Sayim, der im Auftrag des Diakonischen Werks Rheinland-Westfalen-Lippe Einzel- und Gruppenabschiebungen in NRW begleitet. "Wir haben beispielsweise immer wieder erlebt, wie Kinder die Fesselung ihrer eigenen Eltern miterleben mussten - teilweise über längere Zeit", so Sayim.

Ministerium will in Schulungen investieren

Das für Abschiebungen in Nordrhein-Westfalen zuständige Ministerium für Flucht und Migration zeigte sich jedoch am Morgen "ganz zufrieden" damit, dass Rückführungen im vergangenen Jahr "im Grundsatz professionell und rechtssicher" gelaufen seien. Problemen im Abschiebeprozess wolle man mit einem "landesweiten Qualifizierungskonzept" für die fünf zentralen Ausländerbehörden des Landes begegnen, so Manuel Kamp, stellvertretender Leiter der Abteilung "Flucht" und Leiter der Gruppe "Rückkehrmanagement" im Ministerium.

Allerdings habe man nur begrenzten Einfluss auf die vielen kommunalen Ausländerbehörden im Land, da diese in die Zuständigkeit von Städten und Gemeinden fielen, so Kamp. Von dort würden aber auch immer wieder Schulungsmaßnahmen im Ministerium angefragt.

Anreize für freiwillige Ausreise

Rafael Nikodemus vom Forum Flughäfen appelliert an die Landesregierung, mehr auf freiwillige Rückkehr zu setzen, um die von der Politik geforderten Abschiebezahlen zu erreichen. Doch dafür müsse "in der direkten Kommunikation mit den Menschen" bei den Ausländerbehörden einiges verbessert werden.

Nikodemus erlebe immer wieder, dass Menschen gar nicht wissen, welche Möglichkeiten zur freiwilligen Rückkehr in ihre Heimat es gegeben habe, berichtet Nikodemus im Gespräch mit dem WDR. Dabei könnten ausreisewillige Personen in Nordrhein-Westfalen sowohl beratende als auch finanzielle Unterstützung vom Land erhalten, wie Ministeriumsvertreter Kamp erklärt.

Neues Zentrum für schnelle Rückführung

Schild vor künftiger Standort der "Einrichtung für Asylgrenzverfahren" in Ratingen-Breitscheid

Künftiger Standort der "Einrichtung für Asylgrenzverfahren" in Ratingen-Breitscheid

Gleichzeitig schafft das Land in Ratingen derzeit die Voraussetzung für die schnelle Rückführung von Menschen, die am Flughafen Düsseldorf illegal eingereist sind. Aus der bisherigen zentralen Unterbringungseinrichtung soll künftig eine sogenannte Einrichtung für Asylgrenzverfahren werden.

Statt 300 bis 400 geflüchteter und wohnungsloser Menschen, die bislang im Ratinger Stadtteil Breitscheid untergebracht wurden, sollen dort nun bis zu 60 Personen auf ihre Rückkehr ins Herkunftsland warten. Die vorübergehende Umwidmung des ehemaligen Flughafen-Hotels sei eine Reaktion auf die gegenwärtige Reform der Gemeinsamen Europäischen Asylstrategie (GEAS), heißt es in einer Pressemitteilung der Stadt Ratingen. Der Bau einer dauerhaften Einrichtung für Asylgrenzverfahren ist darüber hinaus direkt am Flughafen Düsseldorf geplant.

NRW schiebt mehr Menschen ab

WDR 01:25 Min. Verfügbar bis 07.07.2028 WDR Online

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Unsere Quellen:

  • WDR Reporter vor Ort
  • Pressemitteilung der Diakonie Rheinland-Westfalen-Lippe
  • Pressemitteilung Stadt Ratingen

Sendung: WDR.de, NRW schiebt mehr Menschen ab, 07.07.2026, 15:26 Uhr

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