REHACARE in Düsseledorf
Bildquelle: Nora Schuster-GrötersWDR. 3 Min. 9 Sek.. Verfügbar bis 23.09.2028.
Sie sieht glücklich aus und zieht mit ihrem Lächeln direkt alle Blicke auf sich. Svenja Gluth selbst ist in diesem Moment in der Düsseldorfer Messehalle 6 auch begeistert - und zwar von einem Rollstuhl aus der Schweiz, der ihren Alltag verbessern würde. Svenja ist 32 Jahre jung, Mutter einer kleinen Tochter. Im Alter von zwei Jahren wurde bei ihr Spinale-Muskelatrophobie diagnostiziert. Das heißt: Sie kann kurz stehen aber nicht laufen. Ihre Erkrankung ist selten und führt im Laufe der Zeit zum Abbau der Nervenzellen im Rückenmark.
Intelligente Hilfsmittel, die Hoffnung machen
Influencerin Svenja Gluth auf der Rehacare in Düsseldorf
Bildquelle: Nora Schuster-Gröters"Solche Neuheiten machen mir Mut", sagt Svenja, die fast ihr ganzes Leben im Rollstuhl verbracht hat. Der neue Elektro-Rollstuhl "GO" der schweizer Firma Scewo verspricht einen komfortableren Alltag. Er ist extrem kompakt, wendig und lässt sich per Joystick hoch und runter navigieren. 12 Stundenkilometer auf sechs Rädern sind möglich. Über eine App sollen außerdem Taxis, Busse und andere Fahrzeuge angefordert werden können. Aber eins begeistert Svenja Gluth am meisten: Der Rollstuhl wird bald über ein zubuchbares Treppensteigmodul verfügen. Stufen bis zu 40 Grad (84%) und Schwellen bis zu 7,5 cm abwärts sollen kein Problem sein.
Selbstbestimmt leben in möglichst vielen Bereichen
Zwei Exoskelettmodelle auf der Rehacare.
Bildquelle: Nora Schuster-GrötersBarrierefreiheit ist DAS Stichwort- auch für Kinder. EXPLORER, übersetzt "Entdecker" heißt das neuste Produkt von Marsi Bionics, das gehbehinderten Kindern mit Rückenmarksverletzungen im Alltag mehr Bewegung und Spaß ermöglichen soll. Das Exoskelett wächst vom Kindes bis zum Jugendalter mit und gleich vier Motoren unterstützen die Muskelfunktion bei jedem Schritt- auf dem Spieplatz, im Park oder sogar auf der Kirmes.
Keine Angst vor Tabu-Themen
"Tulip" ist ein Gerät, das querschnittsgelähmten Frauen beim Toilettengang helfen kann.
Bildquelle: Nora Schuster-Gröters
Professor Urs Schneider auf der Rehacare in Düsseldorf.
Bildquelle: Nora Schuster-GrötersDie Toilette ist einer der Schwerpunkte der Rehacare 2026. Denn mindestens Zehn Millionen Menschen in Deutschland können laut Kontinenzgesellschaft nicht eigenständige auf die Toilette. Beckenbodenverletzungen, Operationsschäden, Alterserscheinungen können Gründe dafür sein. Viele schämen sich für ihre Inkontinenz. "Tulip"" heißt der Prototyp, der mechanisch und ohne elektronische Komponenten helfen soll, die Blase zu entleeren. "Nicht-Betroffene können gar nicht nachvollziehen, wie viel Raum die Krankheit einnimmt", sagt Entwickler Professor Urs Schneider vom Fraunhofer-Institut.
Mehr Komfort- aber wer bezahlt?
Svenja Gluth kann es kaum erwarten. Sie möchte auf jeden Fall den kompakten schweizer Rollstuhl mit Treppenlauf-Funktion haben. Die Grundversion kostet 18.500 Euro. Mit dem heiß begehrten Treppensteigmodul stolze 37.700 Euro. Sie hofft, dass ihre Krankenkasse die Kosten zumindest teilweise übernehmen wird, um ihr ein mobileres Leben zu ermöglichen.
Unsere Quellen:
- Beobachtungen der WDR-Reporterin vor Ort
- Gespräch mit betroffener Influencerin Svenja Gluth
- Gespräch mit Professor Urs Schneider
- Instagram Account von Svenja Gluth