Ritterkampf in Duisburg: Training der Ruhrpott Knights
Bildquelle: WDR/Marcus BöhmWDR. 3 Min. 17 Sek.. Verfügbar bis 23.09.2028.
Training der Ruhrpott Knights : So brutal kämpfen Ritter in Duisburg
Stand:
Ein metallisches Krachen zerreißt die Luft unter der A59. Eisen schlägt auf Eisen. Irgendwo ruft jemand ein Kommando. Dann folgt der nächste Aufprall. Und noch einer. Was wie eine Massenkarambolage aus Blech klingt, ist sportliches Training.
Mitten im Duisburger Handwerkerhof im Stadtteil Wanheimerort stehen 15 Männer in Rüstungen. Es riecht nach Metall, Leder und Schweiß. Die Sonne drückt die Hitze unter das Dach. Schon beim Aufwärmen laufen die ersten Schweißtropfen über die Stirn.
Ein Sport zwischen Mittelalter und Gegenwart
Wer hier steht, ist kein Cosplay-Fan auf Wochenendausflug. Die Ruhrpott Knights betreiben Buhurt. Das ist das mittelalterliche Wort für einen Ritter-Gruppenkampf und heute der Name eines modernen Vollkontaktsports in historischer Rüstung.
Die Schwerter, Äxte und anderen Waffen mit Klingen sind alle stumpf geschliffen.
Bildquelle: WDR/Marcus BöhmDas Team aus Duisburg vereint Kämpfer aus ganz Nordrhein-Westfalen und tritt bei Turnieren im In- und Ausland an. Gekämpft wird mit stumpfen Schwertern, Äxten und Streitkolben, aber mit vollem Körpereinsatz. Wer fällt, scheidet aus.
Erst wird warmgemacht, dann wird es ernst
Julius Bremer ist 19 Jahre alt und kommt aus Köln. Noch wirkt er schmal zwischen all den Stahlbergen. 60 Kilogramm Körpergewicht bringt er mit. Wenige Minuten später hat er fast 35 Kilogramm zusätzliche Ausrüstung am Körper. "Als ich das erste Mal in der Rüstung stand, dachte ich: Das halte ich keine zehn Minuten aus", sagt er und grinst. "Heute vermisse ich etwas, wenn ich ohne trainiere."
Schritt für Schritt legt er die Teile an. Schulterpanzer, Armzeug, Handschuhe, Helm. Jeder Handgriff sitzt. Schon das Anlegen der Ausrüstung ist Teil des Trainings.
Silas Panagiotaris (mitte) ist Hobby-Ritter aus Bielefeld.
Bildquelle: WDR/Marcus BöhmNeben ihm steht Silas Panagiotaris aus Bielefeld. 28 Jahre alt. 120 Kilogramm schwer. Wenn er komplett gerüstet ist, bringt er beinahe 200 Kilogramm auf die Waage. "Die Leute denken immer, man bewegt sich darin wie ein Panzer", sagt er. "Aber sobald der Kampf losgeht, vergisst du das Gewicht komplett."
Wichtig im Ritterkampf: Sicherheit
"Von außen sieht das brutal aus", sagt Marshall Dennis Schürfeld aus Hagen, der die Kämpfe überwacht. "Aber Sicherheit hat bei uns höchste Priorität." Der Marshall ist im Buhurt das, was ein Schiedsrichter im Fußball ist. "Die Waffen sind stumpf geschliffen. Wir kontrollieren Ausrüstung und Regeln sehr genau. Blaue Flecken und Prellungen gehören dazu. Die nimmt jeder in Kauf."
Sie trainieren wie echte Ritter im Mittelalter.
Bildquelle: WDR/Marcus BöhmWenn zehn Ritter ineinanderprallen
Dann wird es laut. Zehn Ritter stehen sich gegenüber. Für einen Moment passiert nichts. Dann rennen beide Reihen los. Der Aufprall klingt, als würden mehrere Autos gleichzeitig ineinanderkrachen.
Mitten im Getümmel verschwindet plötzlich Bremer zwischen deutlich größeren Gegnern. Sekunden später taucht er wieder auf. "In solchen Momenten hörst du nichts mehr", sagt er später. "Du bist einfach nur im Kampf." Panagiotaris lacht. "Und wenn du danach den Helm absetzt, merkst du erst, wie kaputt du eigentlich bist.“
Tatsächlich steckt hinter dem Spektakel deutlich mehr Taktik, als man auf den ersten Blick vermutet. Gegner werden isoliert, in die Ecke gedrängt oder gemeinsam zu Boden gebracht. Kraft alleine reicht nicht.
Warum man sich so etwas freiwillig antut
Nach dem letzten Kampf sitzen die Ritter erschöpft am Rand der Arena. Helme liegen auf dem Boden. Unter den Rüstungen sind die Shirts klatschnass. Die Stimmung dagegen ist gelöst. Es wird gelacht. Man klopft sich auf die Schulter. Einer verteilt Wasserflaschen. "Viele halten uns anfangs für verrückt“, sagt Julius Bremer. "Aber die meisten verstehen es, sobald sie einmal bei uns beim Training waren."
Echte Kämpfe mit stumpfen Waffen gibt es auch - einer ging zu Boden.
Bildquelle: WDR/Marcus BöhmFür Silas Panagiotaris ist der Sport längst mehr als ein Hobby. "Das hier ist nicht nur Kämpfen. Das ist Gemeinschaft. Du vertraust den Leuten neben dir blind." Marshall Dennis Schürfeld blickt auf die Gruppe. "Jeder von uns hat im Alltag einen normalen Beruf. Aber wenn die Rüstung angelegt wird, sind wir ein Team. Vielleicht ist genau das die Faszination."
Unsere Quellen:
- WDR-Interview mit Julius Bremer, Hobby-Ritter aus Köln
- WDR-Interview mit Silas Panagiotaris Hobby-Ritter aus Bielefeld
- WDR-Interview mit Dennis Schürfeld, Hobby-Ritter und Marshall aus Hagen
- Eindrücke und Gespräche des WDR-Reporters vor Ort
Sendung: WDR Fernsehen, Lokalzeit aus Duisburg, 23.09.2026, 19:30 Uhr
