Wie die AfD Düsseldorf für sich gewinnen will

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WDR 3 Min. 9 Sek. Verfügbar bis 09.07.2028

Mit rechtsextremen Gästen Wie die AfD Düsseldorf für sich gewinnen will

Stand:

Höcke, Helferich, Kotré – die Liste der Gäste aus dem rechtsextremen Lager, die die AfD nach Düsseldorf einlädt, ist lang.

Es scheint fast wie ein eingespieltes Ritual: Draußen vor der Tür lauter Protest gegen eine Veranstaltung des AfD Kreisverbands Düsseldorf, drinnen beglückwünschen sich die Organisatoren zur großen öffentlichen Aufmerksamkeit. Beim Sommerempfang des Kreisverbandes im Palais Wittgenstein in der Düsseldorfer Carlstadt ist der AfD-Bundestagsabgeordnete Matthias Helferich aus Dortmund eingeladen gewesen. Helferich war gerade erst wegen seiner rechtsextremen Positionen einem Parteiausschlussverfahren entgangen.

Rechtsextremer Stargast

Helferich wird an diesem Nachmittag vom Düsseldorfer Publikum mit stehenden Ovationen vor und nach seiner Rede bedacht. Dabei zeichnet er vor über hundert Gästen unter anderem die Drohkulissen von sogenannten "Grooming Gangs" die nun auch im Rheinland "aufzuploppen" drohten, und wie in Großbritannien "weiße Mädchen" "versklaven" wollen würden; und von einem Volk, das sich gegen solche Entwicklungen nicht wehre, weil diesem durch einen "Schuldkult" das "Rückgrat gebrochen" würde. Beides altbekannte Erzählungen aus rechtsextremen Szenen. Doch wie passen diese nach Düsseldorf?

"Meinungspluralismus"

Sprach man AfD-Kreisvorsitzenden Elmar Salinger in der Vergangenheit auf die Auswahl der Gäste bei den Veranstaltungen seines Verbandes an, verwies dieser immer wieder auf das Stichwort "Meinungspluralismus", den er und seine Mitstreiter abbilden wollen. So habe man in diesem Jahr ja auch schon zu einem "gastrosophischen Vortrag" mit dem Journalisten und Schriftsteller Michael Klonovsky eingeladen.

Ein Mann mit schwarzer Krawatte steht vor dem Düsseldorfer Landtag

Elmar Salinger, Kreissprecher der AfD Düsseldorf

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Tatsächlich überwiegen allerdings die Auftritte rechtsextremer Gäste in Düsseldorf: Im Februar sprach AfD-Thüringen Chef Björn Höcke im ausverkauften Kulturhaus Süd im Stadtteil Garath; im April wollte man sich mittels eines "Spaziergangs" durchs "Düsseldorfer Stadtbild" zusammen mit der Bundestagsabgeordneten Lena Kotré ein Bild von den Drogenhotspots rund um den Hauptbahnhof machen; im September sprach der rechte Vordenker Götz Kubitschek über seine Vision für Deutschland im Bürgerhaus Bilk.

Mehr AfD-Mandate in der Lokalpolitik

Die AfD sitzt seit 2014 in Düsseldorfs Bezirksregierungen sowie im Rat. Bei den ersten beiden Kommunalwahlen kam sie nur auf zwei beziehungsweise drei Sitze. Seit 2025 ist die Rechtsaußen-Partei mit zehn Sitzen im Rathaus vertreten. Anke Hoffstadt von der Hochschule Düsseldorf beobachtet die AfD auf kommunaler Ebene. Für sie fällt die AfD in Düsseldorf immer wieder durch Ratsanträge auf, in deren Texten sich die "Abwertung von demokratischen Partien und Fraktionen im Rat der Stadt" sowie die "Abwertung von Menschen mit Flucht- und Asylgeschichte" wiederfänden.

Eine Frau im Portrait vor einem schwarzen Hintergrund.

Dr. Anke Hoffstadt von der Hochschule Düsseldorf

Bildquelle: Martin Schwan

Dass die AfD "immer wieder dieselben Themen" spiele, beobachtet auch Markus Raub, der seit 22 Jahren für die SPD im Rat der Stadt sitzt. Er unterstellt den AfD-Ratsmitgliedern, dass sie sich das "Mäntelchen des Kümmerers" überstülpen würden, ohne mit ihren Anträgen aber irgendetwas für die Bürger der Stadt zu bewirken. Auch weil die anderen Fraktionen bislang alle AfD-Anträge mehrheitlich abgehlehnt hätten. Bislang könne man die Anträge und Auftritte der AfD im Rat noch "ignorieren", so Raub. Ob das aber auf Dauer funktioniere, wisse auch er nicht.

Ein Mann mit roter Brille und blauem Hemd steht vor dem düsseldorfer Rathaus

Markus Raub, SPD Düsseldorf

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"Spaziergänge" für die Online-Öffentlichkeit

Ignorieren lassen sich die öffentlichkeitswirksamen Auftritte der AfD in Düsseldorf hingegen längst nicht mehr: Allein die Einladung Björn Höckes zog Anfang des Jahres tausende Gegendemonstranten nach Garath. Auch die drei bisherigen "Spaziergänge" wurden jeweils von hunderten von Demonstrierenden begleitet.

Rechtsextremismusforscherin Hoffstadt glaubt, dass sich gerade die sogenannten "Spaziergänge" durchs "Düsseldorfer Stadtbild" nicht unbedingt an die potenziellen AfD-Wähler der Stadt richteten, sondern vielmehr für die "interne Öffentlichkeit" der Partei organisiert würden – für die "Selbstbestätigung in der Online-Öffentlichkeit".

Rechtsextremer Hotspot aus parteipolitischen Gründen

Wird die Landeshauptstadt also aus parteipolitischen Gründen zum Hotspot für prominente Rechtsextreme? Kritiker innerhalb der Düsseldorfer AfD selbst werfen Kreissprecher Elmar Salinger hinter vorgehaltener Hand vor, dieser buhle mit den Einladungen rechtsextremer Gäste nach Düsseldorf um die Unterstützung des Helferich-Lagers beim Nominierungsparteitag für die kommende Landtagswahl.

Als der WDR Elmar Salinger im Mai danach fragt, ob er aus wahltaktischen Gründen wiederholt völkisch-nationalistische Gäste nach Düsseldorf hole, spricht er davon, dass "Vernetzung wichtig" sei, und man sich auch "Verbündete" aus anderen Kreisen suchen müsse.

Stellvertreter Franosch antwortet auf die Frage, ob Düsseldorf sich zum rechtsextremen Hotspot entwickle, in seiner Rede beim Sommerempfang am Sonntag mit einer Gegenfrage: Wenn die Antwort auf diese Frage sei, dass man sich nicht von "Parteifreunden" wie Matthias Helferich abwende, und am "Konzept der Remigration" festhalte, dann sei man in Düsseldorf eben ein "Hotspot des Rechtsrucks".

Inwiefern sich diese Taktik für Franosch und Salinger von Erfolg gekrönt sein wird, wird sich auf den Listenparteitagen der NRW-AfD in Marl an den kommenden beiden Wochenenden zeigen.

Unsere Quellen:

  • WDR Reporter vor Ort
  • Interview mit Elmar Salinger, AfD
  • Rede von Jeremy Franosch, AfD
  • Interview mit Markus Raub, SPD
  • Interview mit Dr. Anke Hoffstadt, Hochschule Düsseldorf

Sendung: WDR.de, Wie die AfD Düsseldorf für sich gewinnen will, 09.07.2026, 18:19h

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