Wie erleben Menschen mit Demenz ihren Alltag

WDR 1 Min. 35 Sek. Verfügbar bis 21.09.2028

Welt-Alzheimertag Demenz-Simulator schafft gewollte Verwirrung

Stand:

Im Düsseldorfer St. Martinus Krankenhaus kann man mit einem Demenz-Simulator erleben, wie die Krankheit den Alltag verändert.

Von Peter Wirth & Jonas Damou

Essen, Anziehen, Rechnen: Was für gesunde Menschen selbstverständlich ist, kann für Alzheimer-Erkrankte zur unüberwindbaren Herausforderung werden. Im St. Martinus Krankenhaus in Düsseldorf können Besucher und Betreuer am Weltalzheimertag mit einem Simulator genau das selbst erleben.

Eine Holzkiste mit Spiegel. Im Inneren sind Hände zu sehen, die Besteck halten.

Verwirrend gespiegeltes Tischgedeck im Demenz-Simulator

Bildquelle: WDR / Peter Wirth

Bela Kutsojannis kennt die Situation aus seinem Arbeitsalltag. Der Assistenzarzt behandelt täglich Menschen mit Alzheimer. Am Weltalzheimertag schlüpft er mithilfe eines Demenz-Simulators in die Rolle seiner Patienten. An einer Station im Simulator soll eine Holzkiste mit eigebautem Spiegel für Angehörige und Betreuer erlebbar machen, wie schwierig die Essensaufnahme mit Alzheimer sein kann.

"Viele Betroffene scheuen sich, Hilfe anzunehmen“

Eine blonde Frau mittleren Alters lächelt leicht in die Kamera. Im Hintegrund sitzen zwei Frauen.

Monika Kucuk, Leiterin der Familialen Pflege am St. Martinus-Krankenhaus in Düsseldorf

Bildquelle: WDR / Peter Wirth

Monika Kucuk leitet die familiale Pflege im St. Martinus Krankenhaus in Düsseldorf. Vor fünf Jahren habe man angefangen, die Pflege demenzsensibel zu gestalten. Oft dauere es lange bis zur ersten Alzheimer-Diagnose. Viele Erkrankte würden sich aus Angst, der Gesellschaft und ihrem Umfeld zur Last zu fallen, nicht eingestehen, auf Hilfe angewiesen zu sein, sagt Kucuk.

Symptome von Alzheimer erkennen

Ein erstes Anzeichen von Alzheimer sei oft eine auftretende Traurigkeit, erklärt sie. Betroffene würden merken, dass es ihnen zunehmend schwer falle, ihren Alltag selbstständig zu bewältigen. Alzheimer äußere sich außerdem dadurch, dass bei vielen Erkrankten der Tag- und Nachtrhythmus gestört sei und viele Erkrankte nicht mehr durchschlafen würden. Ein weiteres Anzeichen sei laut Kucuk, wenn feste Rituale und Abläufe im Alltag nicht mehr umgesetzt werden können.

Das kann man bei Alzheimer tun

Ein Mann mittleren Alters trägt einen weißen Kitten und eine brille und lächelt in die Kamera. Er hat lichtes Haar.

Dr. Albert Lukas, Chefarzt im St. Martinus Krankenhaus in Düsseldorf

Bildquelle: WDR / Peter Wirth

"Möglichst gut im Leben stehen und aktiv bleiben - geistig wie körperlich. Am besten bevor die Erkrankung überhaupt eintritt", sagt Dr. Albert Lukas, Chefarzt der Geriatrie im St. Martinus Krankenhaus in Düsseldorf. Medikamente können den Krankheitsverlauf verzögern, eine Heilung gebe es momentan jedoch nicht. Dr. Lukas rät dazu frühestmöglich rechtliche Punkte zu regeln und sich um eine Generalvollmacht und eine Patientenverfügung zu kümmern.

Fast 300.000 Erkrankte in NRW

Allein in Nordrhein-Westfalen sind fast 300.000 Menschen an Alzheimer erkrankt. Für Pflegekräfte und Ärzte bedeutet das auch, sich immer wieder auf die besondere Lebenssituation der Betroffenen einzustellen. Der Demenz-Simulator im St. Martinus Krankenhaus kann dabei helfen sich mehr in die Lage der Patienten zu versetzen.

Unsere Quellen:

  • Eindrücke des WDR-Reporters vor Ort
  • Monika Kucuk, Leiterin der Familialen Pflege am St. Martinus-Krankenhaus in Düsseldorf

Sendung: WDR Fernsehen, Lokalzeit aus Düsseldorf21.09.2025, 18:09 Uhr 

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