Ein gedeckter Tisch. Vier Frauen sitzen daran. Sie lachen.

Die Frauen im Beginenhof in Essen verbringen viel Zeit miteinander

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Der Beginenhof in Essen: Frauengemeinschaft im alten Finanzamt

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Im alten Finanzamt in Essen-Rüttenscheid befindet sich eine besondere Gemeinschaft, der Beginenhof. Das ist ein Mehrgenerationenwohnprojekt nur für Frauen. Im Beginenhof leben 28 Frauen - von der alleinerziehenden Ende 20-Jährigen bis hin zur 90-Jährigen. Wie funktioniert so ein Zusammenleben und warum ist der Beginenhof für viele mehr als nur ein Zuhause? Ein Besuch.

Von Christin Latniak

Von draußen strahlt die Sonne durch die großen Fenster, auf den Holztischen sind Kuchenteller, Kaffeetassen und kleine Gabeln zu sehen. Die 68-jährige Waltraud Pohlen und ihre 34-jährige Mit-Begine Hannah Steinfurth verteilen liebevoll rote Tulpen in kleinen Vasen auf den Tischen und decken Servietten ein. Immer wieder lachen die beiden miteinander. Es ist noch ein bisschen zu tun, bis alles fertig ist.

Heute trifft sich der gesamte Beginenhof: Auf der einen Seite die Kerngruppe von 28 Beginen, auf der anderen Seite die Frauen, die in angegliederten Appartements des betreuten Wohnens leben. Ein Tag voller Gemeinschaftsgefühl ist geplant: mit Kuchenessen, Quatschen und gemeinsamem Singen.

Beginenhof: Eine solidarische Gemeinschaft eigenständiger Frauen

Beginenhöfe gibt es in NRW einige. Neben Essen zum Beispiel auch in Bochum, Unna oder in Köln. Die heutigen Höfe wollen an die Beginen erinnern und sich mit innovativen Wohn- und Lebensformen für die Gleichstellung der Frau einsetzen. Die Geschichte der Beginen reicht über 900 Jahre zurück. Frauen, die das Bedürfnis nach einer klösterlichen Gemeinschaft hatten, aber kein Gelübde ablegen wollten, wohnten damals in eigenen Gemeinschaften mit klosterähnlichen Regeln zusammen. Es waren selbst- und eigenständige Frauen, die wirtschaftlich unabhängig agieren konnten, weil sie beispielsweise eigene Stiftungen gegründet hatten.

In Essen hat alles vor knapp 20 Jahren begonnen. Die Idee kam von Waltraud Pohlen. Sie erzählt, dass sie zunächst mit dem Wort "Beginen" nicht viel anfangen konnte: "Ich hatte keine Ahnung, wer das war und was die gemacht haben. Wir haben selber Forschung betrieben, weil wir das spannend fanden, dass es schon in alten Zeiten so selbstständige, allein lebende Frauen gab".

Was möchte Waltraud Pohlen mit dem Beginenhof erreichen?

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28 Sek. Verfügbar bis 24.06.2027

Die heute 68-Jährige war damals verwitwet, die Kinder waren aus dem Haus und Pohlen musste sich entscheiden, wie ihr Leben weitergehen sollte. Ihre Idee: Leben in einem Mehrgenerationenhaus nur für Frauen. Frauen sollten selbst entscheiden, was dort stattfindet.

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Nach vielen Jahren der Planung und Überzeugungsarbeit bot ein Investor das alte Finanzamt in Essen-Rüttenscheid an. Und so wurden aus den alten Amtsstuben auf einer Fläche von fast 3000 Quadratmetern 24 Wohnungen, Gemeinschaftsräume, Büros und Praxisräume, ein Café und Appartements für das betreute Wohnen eingerichtet.

Mit Anfang 30 in ein Wohnprojekt ziehen?

Zurück zum Beginenhof-Treffen: Langsam füllt sich der Raum. Die Frauen umarmen sich lange und lachen viel. Es ist ein liebevolles Miteinander. Viele duftende, selbst gebackene Kuchen stehen bereit, dazu gibt es Kaffee. Mittendrin ist Hannah Steinfurth. Mit Mitte 30 ist sie eine der Jüngsten im Beginenhof. Vor knapp einem Jahr ist sie erst im Beginenhof eingezogen.

Hannah Steinfurts Gründe, in den Beginenhof zu ziehen

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24 Sek. Verfügbar bis 24.06.2027

Die 34-Jährige war von ihrer Therapeutin auf die Wohnung aufmerksam gemacht worden. Die Alleinstehende stellte sich damals die Lebensfrage: "Was ist mein Konzept?". Sie verliebte sich in die Idee von Solidarität und Gemeinschaft unter Frauen und bewarb sich erfolgreich um die Bleibe. Für Steinfurth auch eine herausfordernde Zeit. Sie musste sich einfinden in eine sehr eingeschworene Gemeinschaft, die ihren ganz eigenen Rhythmus hat.

Von Hausversammlungen und Beginensamstagen

Zum Beispiel treffen sich alle 28 Beginen einmal pro Woche zur Hausversammlung. Dort wird vor allem Organisatorisches besprochen und zusammengesessen. Außerdem gibt es den Beginensamstag, an dem die Bewohnerinnen gemeinsam zum Beispiel Gartenarbeit erledigen.

Hannah Steinfuhrt sitzt mit vielen Frauen draußen an einem Gartentisch. Sie unterhalten sich.

Die Frauen des Beginenhofes sind füreinander da

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Heute nennt Pohlen den Beginenhof "den schönsten Ort in Essen". Sie schätzt vor allem den Zusammenhalt: "Genauso wünsche ich mir das, so eine Solidarität ...", ihre Stimme bricht weg vor Rührung. Und auch Steinfurth kann sich vorstellen, bis ins hohe Alter im Beginenhof zu wohnen: "Einfach dieses Gefühl von: wir haben uns entschieden, füreinander da zu sein, uns verbunden zu fühlen, uns zu unterstützen", sagt sie. "Bei mir ist das wirklich das Gefühl: Das ist ein guter Ort."

Über dieses Thema haben wir auch am 15.05.2025 im WDR Fernsehen berichtet: Frau tv, 22.15 Uhr.

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