Erster Schulsportverein in Essener Brennpunkt

WDR 06:42 Min. Verfügbar bis 13.05.2028

Viel Armut, kaum Bewegung Erster Schulsportverein in Essener Brennpunkt

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Im sozial schwachen Essener Norden spielt Sport in vielen Familien keine Rolle. Ein neuer Schulsportverein will Kinder stärken.

Die Achtklässler laufen sich in der Turnhalle warm, in dieser Sportstunde übt Sportlehrer Jonas Gries Handball-Wurftechniken mit seiner Klasse. Emily läuft zwar mit, aber Sport ist eigentlich nicht so ihr Ding, gibt sie zu. "Ich persönlich mag keinen Sport, weil ich mag nicht so zu schwitzen". Schwimmen möge sie zwar, aber "ist anstrengend", meint sie. Ihr Klassenkamerad Aras Mohamad dagegen mag die Bewegung lieber, "anstatt immer zuhause an der Playstation zu hocken".

An der Gustav-Heinemann-Gesamtschule in Essen sollen Sportmuffel jetzt mit einem neuen Schulsportverein mehr Spaß an Bewegung bekommen. Sein Name "RISE" steht für Respect, Inclusion, Strength und Education, also Respekt, Teilhabe, Stärke und Erziehung. Die Schüler zahlen einen Jahresbeitrag von einem symbolischen Euro und sind automatisch Vereinsmitglieder.

Schülerin Emily steht lächelnd in der Sporthalle

Emiliy sieht sich als Sportmuffel - vielleicht kann sie der neue Verein motivieren

Dreimal in der Woche und am Wochenende können sie eine Sportart ihrer Wahl ausprobieren, egal ob Basketball, Tanz, Akrobatik oder Jonglage. Für Mädchen werden auch reine Mädchenkurse angeboten, da sich viele nicht in einen Sportverein trauen.

Schulsportverein als Starthilfe für Spaß an Bewegung und Teilhabe

Mit dem neuen Schulsportverein möchte Schulleiter Lukas Rüenauver den Grundstein für eine nachhaltige Vereinsaktivität der Kinder und Jugendlichen legen. "Der Verein soll in erster Linie Spaß an Bewegung wecken, als eine Art Starthilfe und er vermittelt im Idealfall die jungen Menschen an andere Essener Sportvereine weiter."

Mit einem Sozialindex von 8 und einer Schülerschaft von mehr als 65 Prozent mit Migrationshintergrund, bewegt sich die Schule in einem herausfordernden Umfeld. Rund 30 Prozent der Kinder im Essener Norden stammen aus Familien, die Sozialleistungen empfangen. Die finanzielle Situation, aber auch sprachliche und kulturelle Barrieren erschweren vermutlich den Zugang zu Bewegungsangeboten.

"In vielen Familien bei uns spielt Sport nicht so eine große Rolle" Lukas Rüenauver, Schulleiter
Schulleiter Lukas Rüenauver schaut in der Sporthalle lächelnd in die Kamera

Schulleiter Lukas Rüenauver fördert mit dem Schulsportverein sozial benachteiligte Kinder.

Unter zehn Prozent der Jungen und weniger als fünf Prozent der Mädchen der insgesamt 1.350 Schüler an der Gustav-Heinemann-Gesamtschule sind Mitglied in einem Sportverein. Das Projekt will ihnen zwanglos den Zugang zu Sport erleichtern und so auch ihre gesellschaftliche Teilhabe fördern.

Speziell geschulte Lehramtstudierende der Universität Duisburg-Essen führen die Sportangebote durch. Studentin Ina Lindner bietet zweimal pro Woche Basketball an. "Ich spiele selber leidenschaftlich gern Basketball und finde es super schön, wenn sich Kinder durch den Sport auch vernetzen und neue Freunde finden".

Das Institut für Sport- und Bewegungswissenschaften an der Universität Duisburg-Essen wird das Modellprojekt wissenschaftlich begleiten. Gefördert wird es von der Essener Krupp-Stiftung mit 40.000 Euro.

Erster Schulsportverein im sozialen Brennpunkt

WDR 13.05.2026 00:46 Min. Verfügbar bis 11.05.2028

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Unsere Quellen:

  • Interviews und Beobachtungen der WDR-Reporterin vor Ort
  • Institut für Sport- und Bewegungswissenschaften der Universität-Duisburg-Essen
  • Krupp-Stiftung

Sendung: WDR.de, Erster Schulsportverein im sozialen Brennpunkt, 13.05.2026, 06:02 Uhr; WDR Fernsehen, Lokalzeit Dortmund, 13.05.2026, 19:34 Uhr

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