Operation Citybahn Essen

Bildquelle: WDR / Kai-Hendrik Haß

WDR 3 Min. 38 Sek. Verfügbar bis 24.09.2028

Neubau Citybahn Essen Wie eine OP am offenen Herzen

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Seit gut drei Jahren wird in Essen an einer neuen Straßenbahnlinie gebaut. Der erste Abschnitt ist fast fertig, doch unter der Erde gab es einige unangenehme Überraschungen. Und nicht alle in der Stadt sind überzeugt.

Andreas Demny steht am Rand der Baugrube und lässt den Blick über Gleise, Schotter und Absperrgitter wandern. Seit 35 Jahren plant der 59-Jährige Baustellen. Jetzt für die Stadt Essen. Aber so ein Projekt hat er noch nicht erlebt. "Das ist schon herausragend in meinem Berufsleben“, sagt er. "Das ist eine Aufgabe, die macht einen auf jeden Fall stolz.“

Bauen mitten in der Großstadt ist wie eine Operation am offenen Herzen. Die Citybahn soll 5,5 Kilometer lang werden und rund 180 Millionen Euro kosten. Seit Jahrzehnten ist sie der erste Neubau einer Straßenbahnstrecke in Essen. Sie soll Bus und Bahn in der Innenstadt wieder attraktiver machen.

Überraschungen im Untergrund

Ein Teil der Strecke ist inzwischen so gut wie fertig. Der Hauptbahnhof ist bald wieder mit der Tram erreichbar. Ausgerechnet hier hat es aber zuletzt kräftig gehakt. Alte Tunnel der Post waren massiver gebaut als gedacht, und im Boden lagen Leitungen, die auf keinem Plan eingezeichnet waren.

Zwei Männer stehen an einer Haltestelle, die umgebaut wird.

Sebastian Brandenbusch, Bauleiter der Ruhrbahn (l.) und Andreas Demny, Projektplaner von der Stadt Essen, sind sich einig: ein einmaliges Projekt in ihrer Berufslaufbahn

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Sebastian Brandenbusch, Bauleiter bei der Ruhrbahn, zeigt auf eine unscheinbare Abdeckung im Asphalt. "Das hier ist der Zugang zu dem großen Telekomschacht“, erklärt er. "Hier drunter befindet sich in der Straße ein riesiges Bauwerk, das sich bis kurz unter die Gleisanlage erstreckt.“

Das Erbe des Bergbaus

Richtung Westen enden die neuen Gleise bisher kurz hinter der Stadtmitte. Dort soll die Bahn bald unter der Bundesstraße hindurchfahren. Hier und auch im weiteren Verlauf Richtung Norden hat die Ruhrgebietsgeschichte die Planer eingeholt. "Wir haben hier zwölf Flöze von Altbergbau oberflächennah gefunden, die wir zum Großteil verfüllen mussten“, sagt Demny. "Deswegen sind wir in dem Abschnitt leider arg ins Hintertreffen geraten."

Dazu kommt das neue Stadtviertel Essen 51, durch das die Bahn später fahren soll. Dort liegt heute noch eine Brache. Für Demny sind das "die ganz großen Herausforderungen", bevor die ganze Linie in Betrieb gehen kann.

Ärger für die Geschäftsleute

Vom Hauptbahnhof soll die Linie über einen neuen Abschnitt zunächst nach Westen und dann nach Norden führen und hinter Essen 51 auf bestehenden Gleisen Richtung Bocholder Straße fahren. Auch dort wird schon gebaut, und zwar von Grund auf neu. Autos und Bahn bekommen getrennte Spuren, alles wird breiter. Dafür müssen alte Bäume weg.

Eine große Baustelle aus der Luft, aufgerissene Straßen

Die Baustelle am Essener Hauptbahnhof aus der Luft

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Jörg Daube hat hier vor ein paar Jahren ein Restaurant übernommen und macht sich Sorgen um sein Geschäft. Er findet, dass die Reihenfolge nicht stimmt: "Hier anzufangen, obwohl große Teile der Citybahn noch nicht gebaut sind, das ist gar nicht nötig." Man hätte warten können, bis klar ist, ob die Strecke überhaupt breiter werden muss.

Ruhrbahn verteidigt Umbau

Die Ruhrbahn sieht das anders und spricht von einer wichtigen Investition. "Wir müssen sowieso die Gleise und Haltestellen dort ertüchtigen“, sagt Linda Kisabaka, Sprecherin der Geschäftsführung der Ruhrbahn. Egal ob Fördergeld komme oder nicht, sei das nötig, "um die Straßenbahnlinie zukunftsfähig zu halten und die Anbindung, die wir derzeit schon haben, aufrechtzuerhalten.“

Ein Mann steht vor einem Lokal neben den Baken einer Baustelle

Gastronom Jörg Daube fühlt sich durch die Baustelle eingekesselt

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In der Innenstadt sind die Meinungen zur gesamten Citybahn gemischt. "Diese ganze Umbauerei kostet doch nur Geld“, sagt Heidi Hoppe. Karsten Grewe erinnert daran, dass hier schon einmal eine Straßenbahn fuhr.

Unterschiedliche Meinungen in der City

Tatsächlich verschwand die oberirdische Tram zwischen 1977 und 1991 zu Gunsten der U-Bahn aus der Innenstadt. "Jetzt neu, das ist Unsinn“, sagt Grewe. Matthias Strauch sieht es anders: "Kann eigentlich nur gut sein. Je mehr Öffis, desto besser.“ Nele, Mayra und Selma freuen sich schon. "Das wird cool“, sagen die Schülerinnen. "Wir gehen da zur Schule und kommen dann besser hin.“

Bis 2028 soll die Citybahn fertig sein. Angesichts der vielen noch unerledigten Baustellen stellt sich die Frage, wie realistisch dieser Plan tatsächlich noch ist.

Unsere Quellen:

  • Ruhrbahn
  • Stadt Essen
  • Gastwirt Jörg Daube
  • Passanten in der Innenstadt

Sendung: Wdr.de, Operation Citybahn Essen, 24.09.2026, 18:50 Uhr

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