"Die Stimmung in der Belegschaft ist im Keller", sagt der Betriebsratsvorsitzende von ThyssenKrupp Bilstein in Ennepetal, Binali Ateser. Anfang September hatte die Geschäftsführung die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter darüber informiert, dass an den Standorten in Ennepetal und Essen schon bald bis zu 180 Arbeitsplätze wegfallen könnten. Die Stellen will das Unternehmen teilweise in andere Länder verlagern.
Binali Ateser ist seit 1995 im Unternehmen und Betriebsratsvorsitzender von Bilstein in Ennepetal.
Bildquelle: WDR / Daniel Schmitz"Eine abschließende Entscheidung über die Maßnahmen ist noch nicht getroffen. Die konkrete Ausgestaltung wird derzeit weiter erarbeitet und mit den zuständigen Mitbestimmungsgremien beraten", teilt ThyssenKrupp Bilstein mit. Heißt konkret: Welche Arbeitsplätze genau wegfallen sollen, steht noch nicht fest. Die Produktion am Standort Ennepetal ist laut Unternehmen nicht betroffen, dafür aber der Bereich Forschung und Entwicklung.
Begründung: "Anhaltender Wettbewerbs- und Kostendruck"
Als Begründung für diesen schritt nennt Bilstein unter anderem den "anhaltenden Wettbewerbs- und Kostendruck. Ziel ist es, globale Kompetenzen stärker zu bündeln und zugleich Verantwortung näher an Kunden und regionale Märkte zu bringen." Bilstein ist damit kein Einzelfall auf dem umkämpften Markt der Autozulieferer. Das wissen auch der Betriebsrat und die Gewerkschaft IG Metall. Das Unternehmen stellt unter anderem Stoßdämpfer für Autos her, ist unter anderem auch aus dem Rennsport bekannt.
Gewerkschafter Mathias Hillbrandt spricht von einem "Schlag in die Magengrube" für die Belegschaft.
Bildquelle: WDR / Daniel SchmitzGeschockt und enttäuscht war die Belegschaft natürlich trotzdem, erklärt Mathias Hillbrandt, Geschäftsführer der IG Metall Ennepe-Ruhr-Wupper: "Die Menschen identifizieren sich mit so einem Traditionsunternehmen und fragen sich: Wie geht es an ihrem Standort jetzt weiter?" In dieser schwierigen Situation würden sie nun auf ihren Betriebsrat und die Gewerkschaft setzen, sagt Hillbrandt.
Ennepetal ist die Wiege von Bilstein
Die Stadt Ennepetal ist die Wiege von Bilstein, hier wurde das Unternehmen 1873 gegründet. "Wir Bilsteiner sagen: Wir haben Benzin im Blut", erklärt der Betriebsratsvorsitzende Binali Ateser. Das Vertrauen in und die Verbundenheit mit dem Unternehmen sei immer groß gewesen. In den vergangenen Wochen hat der Betriebsrat Sprechstunden für die Belegschaft angeboten. Ein Ergebnis: "Das Vertrauen in Bilstein ist weg."
Ennepetal ist die Wiege des 1873 gegründeten Unternehmens, das mittlerweile zu ThyssenKrupp gehört.
Bildquelle: WDR / Daniel SchmitzAteser: "Nach der Restrukturierung im vergangenen Jahr, als ungefähr 100 Stellen abgebaut wurden, ist das jetzt die zweite Welle. Die Befürchtungen in der Belegschaft sind groß." Betriebsrat und Gewerkschaft haben aber noch Hoffnung und wollen um jeden Arbeitsplatz kämpfen. Für die weiteren Gespräche haben sie einen externen Berater und einen Anwalt dazugeholt. Immerhin gehe es um die Zukunft beider Bilstein-Standorte in Ennepetal und Essen.
Unsere Quellen:
- WDR-Interview mit Binali Ateser, Betriebsratsvorsitzender ThyssenKrupp Bilstein Ennepetal
- WDR-Interview mit Mathias Hillbrandt, Geschäftsführer IG Metall Ennepe-Ruhr-Wupper
- Schriftliches Statement von thyssenkrupp Automotive Technology
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