Wenige Menschen kommen zum offenen Abend der Partei "Die Heimat" in Essen-Kray

Partei "Die Heimat" Weniger Zulauf für Rechtsextreme in Essen-Kray

Stand:

Wenn die gesichert rechtsextreme Partei "Die Heimat" zu ihren "offenen Abenden" eingeladen hatte, kamen Anfang des Jahres noch 70 Menschen. Mittlerweile sind es deutlich weniger. Unterdessen feiern die Anwohnerinnen und Anwohner an diesem Samstag ein Nachbarschaftsfest. Organisiert wird es von der Initiative "Kray ist bunt".

Sie machten sich nicht einmal mehr die Mühe, Reden zu organisieren oder eine Bühne aufzubauen. Beim letzten "offenen Abend" der Partei "Die Heimat" kamen etwa 25 bis 30 Menschen. Sie saßen zusammen und unterhielten sich, ein roter Pavillon war aufgebaut, im Hinterhof wurden Würstchen gegrillt. Die Partei ist die Nachfolge der NPD und wird vom Verfassungsschutz als gesichert rechtsextrem eingestuft.

Dass weniger Menschen kommen, geht schon seit Monaten so. Das bestätigt auch ein Sprecher der Polizei Essen. Im Juni gab es zwar noch eine kleine Bühne und ein Parteimitglied spielte Lieder auf einer Gitarre. Doch die Begeisterung bei den - oft jungen - Besuchenden hielt sich in Grenzen. Es gab höflichen Applaus. Die meisten waren beim nächsten Treffen nicht mehr da. Im Juli und September fielen die offenen Abende komplett aus.

Die Gesamtzahl der Teilnehmenden ist in den letzten Monaten rückläufig, während die Anzahl der regelmäßig erscheinenden Personen in einem einstelligen bis niedrigen zweistelligen Bereich bleibt. Sprecher Polizei Essen

Stadt Essen sperrte Parteizentrale

Dass weniger Menschen zu den offenen Abenden kommen, liegt wohl auch an einer Maßnahme der Stadt Essen. Seit April 2025 hatte die Partei fast monatlich in ihre Landesparteizentrale nach Essen-Kray in einen Hinterhof eingeladen. Regelmäßig kamen gut 70 Menschen und zogen oft als Laufdemo durch den Stadtteil.

Menschen hören dem Landesvorsitzenden Claus Cremer bei einer Rede in Essen-Kray zu

Eine kurze Rede des Landesvorsitzenden Claus Cremer und Wassereis waren die einzigen Programmpunkte beim offenen Abend im August

Bildquelle: Cedrik Pelka/WDR

Seit dem 30. April dieses Jahres gilt eine Ordnungsverfügung der Stadt Essen. Die hatte der Partei aus baurechtlichen Gründen verboten, das Gebäude für Veranstaltungen zu benutzen, weil zum Beispiel ein zusätzlicher Notausgang fehlt. Das Gebäude darf nur für Büroarbeit genutzt werden.

Das Oberverwaltungsgericht bestätigte diese Entscheidung und wies eine Klage der Partei ab. "Die Heimat" würde sich an das Verbot halten, sagt ein Stadtsprecher.

WDR-Reporter können zwar erkennen, wie viele Menschen den Hinterhof nutzen und dort Pavillons aufstellen. Doch der enge Hof ist eben nicht von der Ordnungsverfügung abgedeckt. Die Veranstaltungen der Partei können trotzdem nicht mehr im geschützten Gebäude stattfinden, sondern mussten auf die Straße verlegt werden, wo die Öffentlichkeit alles mitbekommt.

Spielplatzfest von "Kray ist bunt"

Die Anwohnerinnen und Anwohner freuen sich über die Entwicklung. An diesem Samstag haben sie zum Spielplatzfest eingeladen, nur ein paar Meter von der Landesparteizentrale entfernt. Es gibt eine Hüpfburg, kostenlosen Tee, viele Spiele, Klebe-Tattoos und Armbänder zum Selbermachen. Es riecht nach Popcorn und Zuckerwatte.

Am Nachmittag wird es laut, als Kinder vom "Übehaus" mit ihrem Auftritt starten und den Anwesenden ihre Trommeln präsentieren. Organisiert wird das Fest von der Initiative "Kray ist bunt". Vereine, Jugendhäuser und die Polizei haben sich mit Ständen und Aktionen angeschlossen.

Kinder stehen an für Popcorn beim Spielplatzfest von Kray ist bunt

Kinder stehen an für Popcorn beim Spielplatzfest von "Kray ist bunt".

Bildquelle: Cedrik Pelka/WDR

"Wir stehen für eine tolle Nachbarschaft und wollen erreichen, dass nicht immer das Negative im Fokus steht", sagt Peter Schütte, einer der Sprecher von "Kray ist bunt". Man wolle nicht immer "nur gegen die Nazis, sondern für ein positives Kray" stehen. Schütte wünscht sich aber, dass auch die Stadtpolitik mehr Verantwortung zeigt.

Hier muss noch mehr passieren. Es braucht eine klare politische Haltung für ein buntes Kray. Peter Schütte, Initiative "Kray ist bunt".

Weniger Zulauf für Nazis in Essen-Kray

WDR 26.09.2026 35 Sek. Verfügbar bis 25.09.2028 WDR Online

Keine Entwarnung

Nur, weil weniger Menschen zu den Parteiveranstaltungen kommen, heißt das nicht, dass diese aufhören werden. Zu dem harten Kern, der regelmäßig kommt, gehören auch Mitglieder der rechtsextremen Jugendorganisation "Jung & Stark", gegen die es im Mai bundesweite Razzien wegen des Verdachts der Bildung krimineller Vereinigungen gegeben hatte. Auch Vorbestrafte und gewaltbereite Menschen nehmen weiterhin teil. Politik, Polizei und "Kray ist bunt" werden also weiter wachsam sein.

Unsere Quellen

  • Beobachtungen des WDR-Reporters vor Ort
  • Interview mit Peter Schütte, Kray ist bunt
  • Sprecher der Stadt Essen
  • Sprecher Polizei Essen

Sendung: WDR.de, Weniger Zulauf für Nazis in Essen-Kray, 27.09.2026, 10:30 Uhr

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