Vor 25 Jahren: Feuerwerkslager in Enschede explodiert
Bildquelle: WDR / APLokalzeit Münsterland. 13.05.2025. 4 Min.. Verfügbar bis 13.05.2027. WDR. Von Dominik Hamers.
Vor 25 Jahren: Feuerwerkslager in Enschede explodiert
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Bei der Explosion einem Feuerwerkslager in Enschede vor 25 Jahren starben 23 Menschen, ein Viertel wurde zerstört. Noch immer ist das Unglück in der niederländischen Grenzstadt allgegenwärtig. Mit einem "Haus der Geschichten" versucht Hadassa Meijer in Enschede einen Ort für den Austausch zu schaffen.
Hadassa Meijer zieht an einem Griff in der großen Fotowand in ihrem Café. Zum Vorschein kommt ein Luftbild. Es zeigt Roombeek in Enschede, dieselbe Gegend, die auch auf der großen Fotowand mit den vielen Schubladen zu sehen ist. Roombeek am 14. Mai 2000, einen Tag nach der verheerenden Feuerwerks-Explosion vor 25 Jahren. Ein Trümmerfeld.
Bilder haben immer noch eine große Wucht
"Das Bild ist extra in der Schublade versteckt", sagt die 45-Jährige. Die Wucht der schlimmen Bilder soll die Atmosphäre des Cafés nicht überstrahlen. Auch wenn das Huis van Verhalen, das "Haus der Geschichten" dazu da ist, um Geschichten aus dieser Zeit auszutauschen.
"Mit schmerzhaften Erinnerungen - daran ist man hier nicht fremd." Hadassa Meijer, Huis van Verhalen Enschede
Hadassa Meijer vom "Huis van Verhalen" in Enschede hält die Erinnerung wach
Bildquelle: WDR/ Dominik HamersIm Huis van Verhalen ist das Unglück fast täglich Thema. Dieser Tage redet ganz Enschede, ja, das ganze Umland über das schwerste Unglück in der Geschichte der Stadt.
Am 13. Mai 2000 bemerken Passanten ein Feuer auf dem Gelände der ehemaligen Feuerwerksfabrik S.E. Fireworks. Die Feuerwehr rückt zunächst mit wenigen Kräften an, in dem Glauben, der Brand sei schnell unter Kontrolle. Doch wenig später schießen Raketen in den Himmel. Nach etwa einer halben Stunde explodiert ein Container, in dem Salut-Bomben lagern. Insgesamt gehen rund 177 Tonnen Feuerwerkskörper in die Luft.
23 Tote, 950 Verletzte, 1500 zerstörte Häuser
Die Folgen: 23 Tote, darunter vier Feuerwehrleute, fast 950 Verletzte. Rund um das Gelände der Fabrik wurden rund 1.500 Häuser beschädigt, 200 davon vollständig, 300 waren nach der Katastrophe unbewohnbar.
Frage nach der Verantwortung
Große Rauchwolke vor 25 Jahren über Enschede
Bildquelle: REUTERSDie Frage nach der Verantwortung beantwortet ein Gericht in Arnheim drei Jahre später so: Zwei Manager müssen für ein Jahr in Haft, weil sie Umwelt- und Sicherheitsbestimmungen verletzt haben. Ein wegen Brandstiftung angeklagter Mann wird zunächst zu 15 Jahren Gefängnis verurteilt, ein Jahr später aber aus Mangel an Beweisen freigesprochen.
Geschichten des Unglücks bleiben
Die Zerstörungen durch die Explosion waren massiv
Bildquelle: WDR / APDie Gerichte haben die Akten mittlerweile zugeklappt, im Huis van Verhalen erzählen Opfer und Angehörige weiter ihre Geschichten. Auch Hadassa Meijer, deren Haus bei der Explosion vollständig zerstört wurde. Sie kam zunächst bei Bekannten unter, später in einem Wohnheim für Studierende.
Das Reden über die Katastrophe hilft
In ihrem Café, im Haus der Geschichten, habe sie eine Gemeinschaft aufgebaut, deren Mitglieder sich gegenseitig helfen. Ohne diese Gemeinschaft, sagt sie, hätte sie wohl vor einigen Jahren aufgehört, über das Unglück zu sprechen. Wie wichtig das für Opfer der Katastrophe ist, habe sie aber in den Jahren unmittelbar nach der Explosion gelernt.
Immer sei jemand zum Reden bei ihr gewesen, habe ihr in den Wochen nach dem Verlust ihres Hauses mit einem Schlafplatz oder einer Mahlzeit geholfen. Im Rückblick sagt sie: "Da war mehr Liebe als Katastrophe in meinem Leben. Auch zu dieser Zeit."
Unsere Quellen:
- Hadassa Meijer, Enschede
- WDR-Archiv
- Reporter vor Ort
Korrektur: In einer früheren Version dieses Aritekels haben wir von einer Feuerwerksfabrik berichtet. Zum Zeitpunkt der Explosion wurde das Gebäude aber nicht mehr als Fabrik genutzt, sondern bereits als Lager und Verlaufsstätte. Wir bitten diesen Fehler zu entschuldigen und haben unseren Text darum entsprechend angepasst. 13.05.2025, 19.00 Uhr