Ein Kampfjet vom Typ F-35 startet im Rahmen einer großangelegten Übung.

Ein Kampfjet vom Typ F-35 startet im Rahmen einer großangelegten Übung.

Bildquelle: Boris Roessler/dpa

Neuer Kampfjet für die Bundeswehr So viel NRW steckt im F-35

Stand:

In Texas nimmt Verteidigungsminister Boris Pistorius (SPD) den ersten Kampfjet vom Typ F-35 für die Bundeswehr in Empfang. Wofür sind sie gut? Und welche Rolle spielt NRW bei der Produktion?

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Insgesamt 35 Maschinen des Typs F-35 hat Deutschland bestellt. Erstmal bleiben sie aber in den USA, um die Piloten auszubilden. Ab dem nächsten Jahr sollen die neuen Kampfflugzeuge dann auf dem Fliegerhorst Büchel in der Eifel stationiert werden. Wir beantworten die wichtigsten Fragen.

Kampfjet für die Bundeswehr: So viel NRW steckt im F-35

WDR 18.09.2026 1 Min. 13 Sek. Verfügbar bis 17.09.2028 WDR Online

Was ist F-35 überhaupt?

Hersteller Lockheed Martin preist den Typ F-35 als "das tödlichste und widerstandsfähigste Kampfflugzeug der Welt" an. Die Bundeswehr spricht vom besten Kampfjet, "den die Luftwaffe augenblicklich beschaffen kann".

Personen stehen vor Kampfjet, ein Hubschauber fliegt über ihnen

Ein Kampfjet vom Typ F-35.

Bildquelle: Leon Neal/Getty Images

Aber auch viele unabhängige Beobachter betonen: Der Jet gilt als das modernste Kampfflugzeug der Welt. Er fliegt mit 1,6-facher Schallgeschwindigkeit und kann mehr als acht Tonnen an Waffen transportieren - auch Atomwaffen.

Infrarotkameras an der Außenhülle nehmen im Flug die Umgebung auf. Sie übertragen die Bilder direkt in den Helm des Piloten, der dadurch einen 360-Grad-Blick bekommt. Außerdem ist eine Vernetzung zwischen den Jets möglich. Wegen ihrer speziellen Form und Außenbeschichtung sind die F-35-Maschinen für gegnerisches Radar nur schwer zu entdecken.

Warum kauft Deutschland F-35-Kampfjets?

Die Bundeswehr beschafft 35 dieser Kampfflugzeuge. Sie lösen den seit Jahrzehnten in der Luftwaffe eingesetzten "Tornado" schrittweise ab. "Was jetzt hier getauscht wird, sind die ganz alten Schätzchen, quasi ein 45 Jahre altes Flugzeug", erklärt WDR-Wirtschaftsredakteur Ulrich Ueckerseifer.

Zu den Aufgaben der neuen F-35 gehört laut Bundeswehr "Aufklärung und Bekämpfung von Zielen in der Luft und am Boden sowie die Gewinnung von Informationen im Operationsgebiet".

 Ein Tornado-Kampfflugzeug der Bundesluftwaffe landet auf dem Fliegerhorst Büchel.

Tornado-Kampfflugzeuge werden durch F-35-Maschinen abgelöst.

Bildquelle: Thomas Frey/dpa

Hinzu kommt: Die F-35 tragen auch zu Deutschlands Beitrag für die nukleare Teilhabe der NATO bei. Dabei handelt es sich um ein Abschreckungskonzept des Verteidigungsbündnisses, bei dem die Verbündeten in den möglichen Einsatz von US-Atomwaffen einbezogen werden.

Die Bundeswehr verweist außerdem darauf, dass zwölf weitere NATO-Staaten die F-35 schon einsetzen oder nutzen werden. Das verbessere das Zusammenwirken innerhalb des Bündnisses.

Wo werden die F-35 in Deutschland stationiert?

Die ersten acht F-35-Kampfjets für die deutsche Luftwaffe bleiben zunächst in den USA, wo deutsche Piloten und Techniker an ihnen ausgebildet werden.

Ab 2027 sollen dann die ersten Maschinen auf dem Fliegerhorst Büchel in der Eifel nahe der Landesgrenze zu NRW stationiert werden. Die Auslieferung des letzten Kampfjets soll 2029 erfolgen.

Ein Eurofighter der Luftwaffe steht bereit zum Start bei der Deep Strike Übung.

In NRW sind Eurofighter stationiert - F-35-Jets werden nicht dazukommen.

Bildquelle: Christoph Reichwein/dpa/WDR

In NRW werden also keine F-35 stationiert. Hier gibt es aber eines von vier Eurofighter-Geschwadern in Deutschland - und zwar auf dem Fliegerhorst in Nörvenich im Kreis Düren. Dort ist das Taktische Luftwaffengeschwader 31 "Boelcke" Die Luftwaffe hat zudem weitere Standorte in Nordrhein-Westfalen.

Wie teuer ist das F-35-Projekt?

Deutschland zahle einen hohen Preis, auch im Vergleich zu anderen Ländern, ordnet WDR-Wirtschaftsredakteur Ueckerseifer ein.

"Das ist ein Flugzeug, an dem sich die Hersteller in den USA dumm und dusselig verdienen. Die machen da eine Wahnsinns-Spanne dran." Ulrich Ueckerseifer, WDR-Wirtschaftsredaktion

Knapp zehn Milliarden Euro wurden aus dem Sondervermögen Bundeswehr zur Verfügung gestellt, um die F-35-Kampfjets zu erwerben. Dabei geht es nicht nur um die Maschinen. Laut Bundeswehr sind Ersatzteile, Bewaffnung und die Wartung für fünf Jahre schon einbezogen.

Welche Bedeutung hat F-35 für NRW?

In NRW produziert das Düsseldorfer Rüstungsunternehmen Rheinmetall am Standort Weeze als Zulieferer Flugzeugteile für F-35-Kampfjets. Konkret geht es um sogenannte Rumpf-Mittelteile. Bis zu 36 sollen pro Jahr am Niederrhein gebaut werden. Sie bestehen aus etwa 300.000 Einzelteilen.

Modell des Kampfflugzeugs F-35

Das Rumpf-Mittelteil ist an einem F-35-Modell farblich hervorgehoben.

Bildquelle: Malte Ossowski/Sven Simon/ddp

Seit dem Start im Sommer 2025 sind bereits elf Rumpf-Mittelteile in der Fertigung, teilt Rheinmetall auf WDR-Anfrage mit. Das erste, das für eine deutsche F-35 vorgesehen ist, will das Unternehmen planmäßig bis Ende des Jahres fertigstellen.

Auf rund 60.000 Quadratmetern wurde in Weeze für 200 Millionen Euro die Rheinmetall-Fabrik für den militärischen Flugzeugbau errichtet. Zur Eröffnung kam unter anderem NRW-Ministerpräsident Hendrik Wüst (CDU).

"Die stellen da jetzt nicht den Kern dieses Flugzeuges her", betont Wirtschaftsredakteur Ueckerseifer. Die ganz überwiegende Masse der Wertschöpfung entfalle auf die USA. Die F-35 sichern laut Hersteller Lockheed Martin direkt und indirekt 317.000 Arbeitsplätze in den Vereinigten Staaten. Von diesen Dimensionen sind wir in NRW weit entfernt. "Was bei uns entsteht, ist im Verhältnis Kleinkram", stellt der WDR-Wirtschaftsexperte klar.

Entstehen durch F-35 neue Jobs in NRW?

Am Standort Weeze sollten 400 neue Arbeitsplätze geschaffen werden, wie Rheinmetall bei der Eröffnung mitteilte. Aktuell beschäftige man dort circa 350 Kolleginnen und Kollegen, teilte das Unternehmen auf WDR-Anfrage mit. Darüber hinaus will Rheinmetall um etwa 100 zusätzliche Mitarbeitende wachsen. Derzeit sind in Weeze auch mehrere Jobs mit Bezug zu dem Kampfjet ausgeschrieben, etwa: "Mechaniker F-35 (m/w/d)".

Voraussetzung ist eine abgeschlossene Ausbildung als Kraftfahrzeug-Mechatroniker oder eine vergleichbare mechanische Ausbildung. Rheinmetall wirbt mit betrieblicher Altersvorsorge, Aktienoptionen und weiteren Vorteilen. Allerdings sollten Bewerber bereit sein, im Schichtdienst zu arbeiten und Dienstreisen in die USA zu unternehmen.

Produktionshalle von Rheinmetall von außen mit einem Banner "F-35. JOIN THE TEAM"

Der Rheinmetall-Standort Weeze liefert für den F-35 zu.

Bildquelle: Lukas Schulze/Getty Images

Wirtschaftliche Chancen könnten auch durch neue Wartungsverträge entstehen. "Die Wertschöpfung ist relativ konstant, groß und über einen langen Zeitraum", sagt WDR-Wirtschaftsredakteur Ueckerseifer. "Das heißt, das machen natürlich Unternehmen, die sich damit auskennen, da könnte Rheinmetall dabei sein." Sollte das dann an einem Standort in NRW umgesetzt werden, könnten hier durchaus weitere Jobs entstehen.

Warum gibt es Kritik am F-35-Kauf?

Immer wieder genannt werden die hohen Kosten. Manche Kritiker sind ganz grundsätzlich gegen eine weitere Aufrüstung in Deutschland, gerade weil der F-35 auch Atomwaffen transportieren kann. Oder sie finden, dass die Milliarden in anderen Bereichen besser ausgegeben wären, etwa in der Bildung.

Aber es gibt auch Kritik am F-35 selbst. Die Komplexität der technischen Systeme führe zu einem hohen Wartungs- und Instandsetzungsaufwand. Die Nachrichtenagentur dpa schreibt dazu: In den USA habe die Einsatzbereitschaft im vergangenen Jahr Berichten zufolge bei 28 Prozent der Maschinen gelegen.

Wie abhängig wird Deutschland durch die F-35-Käufe von den USA?

Die Flugzeuge werden von Lockheed Martin, einem US-amerikanischen Rüstungs- und Luftfahrtunternehmen, als Hauptauftragnehmer produziert. Auch bei Software, Wartung und Weiterentwicklung gibt es technologische Abhängigkeiten.

Die Bundesregierung hat sich damit bereits beschäftigt. Auf eine entsprechende Anfrage im Bundestag antwortete sie: "Dies stellt nach Bewertung der Bundesregierung kein Risiko dar."

Was hat es mit dem sogenannten "Killswitch" auf sich?

Immer wieder wird behauptet, die USA könnten deutsche F-35 aus der Ferne abschalten. Dafür gibt es nach Bundeswehr-Angaben allerdings keinen solchen Mechanismus. Oberst Thomas Kullrich, F-35-Beauftragter der Luftwaffe, sagte dazu wörtlich: "Es gibt hier keinen Killswitch."

Die F-35 benötigen laut Kullrich außerdem keine permanente Datenverbindung zu den USA und könnten auch über längere Zeit unabhängig betrieben werden. Allerdings könnten fehlende Updates aus den USA mit der Zeit den Einsatzwert verringern.

Die eigentliche Frage dürfte deshalb weniger ein "Killswitch" sein, sondern wie groß die technische Abhängigkeit Deutschlands vom US-geführten F-35-System insgesamt ist. Zumal in Zeiten, in denen Amerika unter Präsident Donald Trump politisch unberechenbarer geworden ist.

Kann Deutschland keinen eigenen Kampfjet entwickeln?

Experten verweisen darauf, dass bei so komplexen Rüstungsprojekten eigentlich nur eine europäische oder andere internationale Zusammenarbeit denkbar ist. Allerdings wurde im Juni die Arbeit am seit Jahren diskutierten deutsch-französisch-spanischen Luftkampfsystem FCAS gestoppt. Das habe sich aber schon seit Jahren abgezeichnet, betont WDR-Redakteur Ueckerseifer.

 F-35 Tarnkappenjets der Rüstungsschmiede Lockheed Martin aus den USA mit einem Radargerät des Rüstungsunternehmens Hensoldt sind bei der Raumfahrtausstellung (ILA) ausgestellt.

Könnte Europa eine Alternative zu den F-35 entwickeln?

Bildquelle: Lukas Schulze/Getty Images

Die Bundesregierung strebt eine europäische Nachfolgelösung an. Darüber werde nun beraten, hatte ein Regierungssprecher nach dem FCAS-Aus betont. Deutschland sei dabei ein begehrter Partner und Auftraggeber, so Ueckerseifer: "Alle sind total scharf auf uns, weil wir das Geld dafür haben. Und das heißt natürlich auch, ein guter Teil der Produktionsstätten wird bei uns entstehen."

Deutschland insgesamt könnte davon also wirtschaftlich profitieren. Ob Fabriken dann auch in NRW entstehen würden? Da ist Ueckerseifer eher skeptisch.

Unsere Quellen:

  • Einordnungen von WDR-Wirtschaftsredakteur Ulrich Ueckerseifer
  • WDR-Anfrage bei Rheinmetall
  • YouTube-Format "Nachgefragt" zu F-35 und weitere Informationen der Bundeswehr
  • Informationen des Bundesverteidigungsministeriums
  • Auskünfte der Bundesregierung
  • Material der Nachrichtenagenturen AFP und dpa

Sendung: WDR.de, Kampfjet für die Bundeswehr: So viel NRW steckt im F-35, 18.09.2026, 13:45 Uhr

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