Erst dieses Klacken und Zischen, dann diese prickelnde Erfrischung - Getränkedosen sind wieder voll im Trend. Und die Getränkehersteller bauen ihr Dosen-Angebot weiter aus.
Mehr Getränke in Dosen
Getränkeregal mit vielen Dosen in einem Kölner Supermarkt
Bildquelle: WDR / Simone SzymanskiAllein der Marktführer Coca-Cola biete 16 Getränke-Sorten in Dosen an, berichtete das Fachmagazin "Lebensmittelzeitung" im März. Neu hinzugekommen: Fanta Cassis. Auch Eistees wie die von Lipton, Pfanner oder Rauch gebe es zunehmend in Dosen. Ebenfalls neu in der Büchse: Mio Mio Mate von Vivaris. Und wer Red Bull oder andere Energydrinks kauft, greift wohl ohnehin meist zur Dose.
Im Januar verkündete Coca-Cola, 45 Millionen Euro in den Standort Halle (Saale) investieren zu wollen. Der größte Teil der Investitionssumme "fließt in eine neue Dosen-Abfülllinie". Denn allein im vergangenen Jahr hätten Getränke in Dosen im deutschen Markt ein Absatzplus von etwa zwölf Prozent im Vergleich zum Vorjahr erreicht.
Nachfrage nach Dosen steigt kontinuierlich an
Der Trend ist nicht neu: "Seit einigen Jahren steigt die Nachfrage nach Getränkedosen kontinuierlich", heißt es in einer neuen Studie im Auftrag des Umweltbundesamtes. "War der Markt der Getränkedosen nach der Pfandeinführung in 2003 zunächst stark rückläufig, hatte sich der Dosenmarkt in den Folgejahren ab 2009 wieder erholt."
Gemessen in verkauften Litern hat die Getränkedose demnach von 2019 bis 2023 eine jährliche Wachstumsrate von 6,2 Prozent.
Dosen werden recycelt - also alles nicht so schlimm?
Eine Dose wird in einen Pfandautomat geschoben
Bildquelle: Eva Manhart / APA / dpaEine Ursache dafür: Seit 2006 ist das Rücknahmesystem für Dosen und Einwegflaschen deutschlandweit vereinheitlicht, vereinfacht und flächendeckend ausgebaut worden. Und weil die leere Cola-Dose meist im Pfandautomaten landet, um recycelt zu werden, kann beim Genuss des Getränks bei manchem Käufer durchaus das Gefühl aufkommen: So schlimm kann es schon nicht sein für die Umwelt. Aber stimmt das auch?
"Die Dose ist entgegen vieler Vorurteile ein durchaus nachhaltiges Produkt", zitiert die Interessenvertretung Forum Getränkedose ihren früheren Geschäftsführer Stephan Rösgen. "Durch die Verwendung von recyceltem Material werden 95 Prozent der Energie und 94 Prozent an CO2 im Vergleich zur Neuproduktion eingespart."
"Wer zur Getränkedose greift, kann dies mit reinem Gewissen tun." Stephan Rösgen, Forum Getränkedose
Das Gewicht der 0,33-Liter-Dose habe man mittlerweile auf durchschnittlich nur noch zwölf Gramm senken können, so die Lobbyorganisation. Die Wandstärke sei inzwischen dünner als ein menschliches Haar. Somit mache die Verpackung lediglich drei Prozent vom Gesamtgewicht aus - gut für den Transport.
Forum Getränkedose: Recyclingrate bei über 99 Prozent
Ein weiteres Umweltargument vom Forum Getränkedose: Zwar landet nicht jede leere Dose im Pfandautomaten. Aber auch die meisten weggeschmissenen Getränkedosen werden letztlich recycelt. Somit liege die Recyclingrate der Getränkedose bei über 99 Prozent.
Die Deutsche Umwelthilfe widerspricht den Zahlen zwar nicht. Trotzdem betont Bundesgeschäftsführerin Barbara Metz:
"Dosen bleiben, was sie immer schon waren: umweltschädlich." Barbara Metz, Deutsche Umwelthilfe
Ihre Begründung: "Trotz des Einsatzes von Recyclingmaterial muss für jede Dose Metall geschmolzen werden. Das verbraucht viel Energie und ist besonders klimaschädlich, weil die meisten Schmelzöfen noch immer mit fossilem Gas befeuert werden. Zudem geht bei jedem Recyclingprozess Material verloren und der Vertrieb von Dosen erfolgt von wenigen Abfüllstandorten bundesweit über lange Transportstrecken."
Getränkedosen nur zum Teil aus recyceltem Aluminium
Hinzu kommt: Getränkedosen bestehen in der Regel nicht nur aus recyceltem Aluminium. Coca-Cola kommt bei seinen Dosen laut "Lebensmittelzeitung" auf gerade mal 60 Prozent Recyclinganteil. Für den Ober- und Unterboden ist meist frisches Aluminium nötig.
Gepresste Getränkedosen beim Recycler Speira im Werk Neuss
Bildquelle: IMAGO / Christoph Hardt / Panama PicturesUnd dessen Herstellung belastet die Umwelt sehr: "Für das Recycling von Aluminium wird nur etwa fünf Prozent der Energie benötigt, die für die Primärgewinnung aus Aluminiumerz aufgewendet werden", informiert das große Aluminiumwalz- und Recyclingunternehmen Speira mit Sitz in Grevenbroich. Für neues Aluminium ist also 20 Mal so viel Energie nötig wie für recyceltes. Außerdem entsteht bei der Gewinnung aus Aluminiumerz giftiger Rotschlamm, der auf Deponien entsorgt werden muss.
Umweltorganisationen: Besser Mehrwegflaschen kaufen
Die Deutsche Umwelthilfe wie auch der Naturschutzbund Deutschland und andere Umweltorganisationen empfehlen daher, auf Getränkedosen zu verzichten, genauso wie auf Plastikflaschen, die ebenfalls Einweg sind.
Wer die Umwelt und das Klima schützen will, solle stattdessen Mehrwegflaschen nutzen, so die Empfehlung - sowohl aus PET als auch aus Glas. Am besten Standardflaschen, befüllt in der Region.
Unsere Quellen:
- Umweltbundesamt: Studie "Bundesweite Erhebung von Daten zum Verbrauch von Getränken in Mehrweggetränkeverpackungen - Bezugsjahr 2023" vom September 2025 und 2021
- Deutsche Umwelthilfe: Mitteilung zur Studie des Umweltbundesamtes
- "Lebensmittelzeitung": "Alkoholfreie Getränke: Warum die Dose ein Wachstumstreiber ist" vom März 2025
- Informationen von Coca-Cola Europacific Partners Deutschland
- Forum Getränkedose
- Speira, Aluminiumwalz- und Recyclingunternehmen in Grevenbroich
- Naturschutschbund Deutschland (Nabu) zu Mehrweg und Einweg beim Getränkekauf
