Qualmende Zigarette

WDR-Redakteur Julius Hölscher fordert ein echtes Zigarettenverbot

Impuls zu rauchenden Jugendlichen "Nur ein Werbeverbot reicht nicht"

Stand:

Immer mehr Zwölf- bis 17-Jährige rauchen und vapen. Das zeigt eine aktuelle Studie. Das muss enden, sagt Julius Hölscher vom WDR. Er ist selbst Raucher und meint: Es braucht endlich echte Verbote. Ein Impuls.

Von Julius Hölscher

Die Zahl der jugendlichen Raucher steigt wieder - das erschreckt mich mehr als ich erwartet habe. Dabei kann ich das sogar verstehen: Ich rauche, seit ich 15 Jahre alt bin. Filterzigaretten, die leichten. Dass das meiner Gesundheit trotzdem schadet, war mir dabei immer klar. Es hat mich nur nicht interessiert. Auch im Studium nicht, nicht auf Partys, nicht in der Bar.

Meine erste Tocher kam zur Welt, da war ich 29 Jahre alt. Damals wollte ich zum ersten Mal wirklich aufhören. Sie sollte doch möglichst lange ihren Papa haben - und ich sie. Aber da war es schon längst zu spät. Die Sucht hatte mich bereits fest im Griff, auch bei der Geburt meiner beiden weiteren Kinder.

Zigaretten verboten? Als Jugendlicher habe ich das nicht gemerkt

Wer in meiner Schule cool sein, wer dabei sein wollte, der hat geraucht. Meine Mutter hat auch geraucht – so schlimm konnte das also gar nicht sein, dachte ich. Zigaretten waren nicht verboten. Verkauf an Minderjährige? Für genügend Kioske damals kein Problem.

Dass die Werbung schon eingeschränkt war, also keine Cowboy-Plakate mehr an Litfaßsäulen klebten? Ich habe es gar nicht gemerkt.

Die beste Werbung waren ja die Coolen in der Schule. Auch dass die Zigaretten immer teurer wurden - doof, aber nicht schlimm. Julius Hölscher, WDR Wuppertal

Ich habe mit den Jahren immer mehr Geld verdient. Aufhören wegen des schlechter werdenden Raucher-Images? Das konnte ich mir nicht vorstellen – wer wäre ich denn ohne Zigaretten?

Vor allem ein gutes Vorbild! Das weiß ich jetzt - vor allem für meine Kinder. Lange habe ich mich wegen der rückläufigen Zahlen junger Raucher aus der Verantwortung gestohlen: Die Generationen nach mir schienen doch schlauer zu sein, stärker, resilienter - als ich.

Und jetzt? Sieben Prozent der Zwölf- bis 17-Jährigen rauchen und es werden wieder deutlich mehr. Vaping ist der neue Cowboy in der Stadt. Gruppendruck, Neugier - es sind die alten Gründe. Einige sagen schon, sie könnten nicht mehr aufhören, auch wenn sie wollten. Das kommt mir sehr bekannt vor.

Eine rauchende Generation erschafft die nächste, Werbeverbote reichen nicht. Julius Hölscher, WDR Wuppertal

Mich hätte nur ein echtes Verbot aufgehalten. Das wünsche ich mir immer noch - nur dieses Mal für meine Kinder. Und zwar für alle zukünftigen Generationen, wie es in Großbritannien bereits gemacht wird: Wer hier ab nächstem Jahr 18 wird, darf nie in seinem Leben legal Tabak kaufen. Wenn Sucht ins Spiel kommt, kann eine Gesellschaft sich nur so heilen.

Über den Autor

Julius Hölscher, mit Bart. Er trägt einen Anzug.

Julius Hölscher, geboren 1979 in Bielefeld, ist Journalist und leitet seit Juni 2023 die Redaktion des WDR-Landesstudios in Wuppertal.

Impuls: Jugend raucht mehr - Werbeverbot reicht nicht

WDR 26.05.2026 02:08 Min. Verfügbar bis 25.05.2028 WDR Online

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Sendung: WDR.de, Impuls: Jugend raucht mehr - Werbeverbot reicht nicht, 26.05.2026, 17:03 Uhr

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