Krise nach Regionalplan-Aus: "Ein Kieswerk nach dem anderen schließt"

WDR 03:18 Min. Verfügbar bis 03.07.2028 Von Felix Mannheim

Krise nach Regionalplan-Aus "Ein Kieswerk nach dem anderen schließt"

Stand:

Kies-Unternehmen am Niederrhein fürchten um ihre Zukunft. Hintergrund ist das Urteil des OVG Münster, das den neuen Regionalplan Ruhr für ungültig erklärt hatte. Der regelte bisher den Abbau von Kies. Ohne einen gültigen Plan fürchtet die Industrie um den zukünftigen Abbau von Kies und weiß deshalb nicht, wie sie planen kann.

Drei Bagger, 15 Kilometer Förderband - das Kieswerk Ellerdonk der Firma Holemans bei Wesel versorgt das direkte Umland und das Ruhrgebiet mit Sand und Kies für die Betonproduktion. 100 Lkw verlassen täglich das Werk.

Wie lange versorgt der Niederrhein die Region noch mit Kies?

Doch wie lange versorgt der Niederrhein die Gegend noch mit Kies? Jetzt, wo das Oberverwaltungsgericht Münster (OVG) den Regionalplan Ruhr gekippt hat?

Jürgen Fröhlich, Sprecher von Holemans, fürchtet Jahre der Rechts- und damit Planungsunsicherheit. "Wir können dann keine neuen Aufschlussgebiete ansteuern", sagt er. Sascha Kruchen als Branchenvertreter der Sand- und Kiesunternehmen fürchtet sogar:

"Es gibt genehmigte Gewinnungsprojekte und die laufen jetzt nach und nach aus. Das heißt, hier am Niederrhein schließt im Prinzip ein Kieswerk nach dem anderen und die Produktion sinkt." Sascha Kruchen, Zukunft Niederrhein, Initiative der Sand- und Kiesunternehmen

Die Folgen könnten die ganze Region treffen

Die Folgen, so zumindest sagen es die Kies-Vertreter, könnten für die ganze Region heftig sein. Es drohe der Verlust von Arbeitsplätzen - in den Kies-Unternehmen selbst, aber vor allem auch bei den Beton-Produzenten und Bau-Unternehmen, die auf den Rohstoff angewiesen seien.

Sascha Kruchen, Zukunft Niederrhein, Initiative der Sand- und Kiesunternehmen, steht vor Kieshügeln und trägt eine gelbe Warnweste.

Sascha Kruchen, Zukunft Niederrhein, Initiative der Sand- und Kiesunternehmen

Hintergrund der Unsicherheit ist das Urteil des OVG, das den neuen Regionalplan Ruhr für ungültig erklärt hatte. Der Kreis Wesel und Städte und Gemeinden in der Region hatten gegen den Flächenplan des Regionalverbands Ruhr (RVR) geklagt. Sie argumentierten: Der Kies-Bedarf sei zu hoch angesetzt. Deshalb seien zu viele neue Abbauflächen vorgesehen gewesen.

Kreis Wesel: genehmigte Flächen reichen noch lange

Auch jetzt schreibt der Kreis Wesel: Die bereits genehmigten Flächen würden die Versorgung noch "für deutlich mehr als zehn Jahre ermöglichen". Die Kiesbranche rechnet da ganz anders.

Jürgen Fröhlich, Pressesprecher von Holemans, steht vor dem Förderband vor Sand- und Kieshügeln und trägt eine grüne Warnweste.

Jürgen Fröhlich, Pressesprecher des Kiesunternehmens Holemans

Dennoch: Einwände gegen den Regionalplan hatte auch die Firma Holemans - aus ganz anderen Gründen. Sie kritisierte: Die neuen Abbaugebiete seien falsch verteilt. Viel zu wenige seien auf der rechtsrheinischen Seite, auf der auch das Kieswerk Ellerdonk liegt.

"Sämtliche Kunden sitzen rechtsrheinisch. Die großen Betonfertigteilwerke sitzen alle im nördlichen Ruhrgebiet und Westmünsterland und die müssten dann demnächst aus weit entfernten Gebieten versorgt werden." Jürgen Fröhlich, Sprecher Holemans GmbH

Kiesfirmen und Kommunen am Niederrhein fordern Tempo

Die Firma Holemans verbindet deshalb auch Hoffnungen damit, dass der Plan nun neu entwickelt werden muss. Allerdings müsse das jetzt schnell gehen. Das wünscht sich auch der Kreis Wesel. Er fordert "endlich einen rechtssicheren und ausgewogenen Weg".

Ein Kiesberg, im Hintergrund Silos. Das Kieswerk Ellerdonk der Firma Holemans in Wesel

Das Kieswerk Ellerdonk der Firma Holemans in Wesel

Wie der aussehen soll, bleibt zwischen den Kommunen und der Branche umstritten. Alle wünschen sich schnelle Rechtssicherheit. Aber die einen würden gerne sicher abbauen dürfen, die anderen dies sicher einschränken. Der Konflikt um den Kies-Abbau am Niederrhein ist nach der Entscheidung des OVG noch brisanter geworden.

Unsere Quellen:

  • Gespräch mit Jürgen Fröhlich, Sprecher Holemans GmbH
  • Gespräch mit Sascha Kruchen, Zukunft Niederrhein, Initiative der Sand- und Kiesunternehmen
  • Antwort des Kreises Wesel auf WDR-Anfrage

Sendung: WDR.de, Krise nach Regionalplan-Aus: "Ein Kieswerk nach dem anderen schließt", 07.07.2026, 5:14 Uhr

Weitere Beiträge aus NRW

1 / 2